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Antisemitismus

Lazio-Fans droht Haft

Im Fall von Antisemitismus bei Lazio Rom identifiziert die italienische Polizei 15 Täter. Die Lazio-Fans hatten im Stadion Aufkleber mit judenfeindlichen Parolen angebracht - unter anderem mit dem Bild von Anne Frank.

Schon oft sind Anhänger Lazio Roms mit antisemitischen und fremdenfeindlichen Hetzparolen negativ aufgefallen. Neueste Entwicklung war das Anbringen von Aufklebern mit judenfeindlichen Parolen auf den Wänden des Olympiastadions beim Ligaspiel gegen Cagliari Calcio am Sonntag. Auf einigen Bildern war auch das Holocaust-Opfer Anne Frank in einem Trikot des Stadtrivalen AS Rom zu sehen. Die römische Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Anstiftung zu rassistischem Hass ein, was laut italienischem Gesetz Strafen von bis zu vier Jahren Haft vorsieht.

Mittlerweile konnten die Schuldigen mit Hilfe von Video-Überwachungskameras ermittelt werden. Zu ihnen zählen auch zwei Minderjährige, berichteten italienische Medien am Mittwoch. Lazio drohen weitere Sanktionen und eine hohe Geldstrafe, da die berüchtigte "Curva Nord" nach rassistischen Gesängen eigener Fans zuletzt schon gesperrt worden war.

Fan-Besuch in Auschwitz

Italien Claudio Lotito, Präsident Lazio Rom | Besuch in Synagoge (picture-alliance/AP Photos/G. Borgia)

Claudio Lotito bei einer Gedenkfeier an einer Synagoge in Rom

Der neue Fall löste in Italien heftige Reaktionen aus. Roms Präsident Claudio Lotito kündigte an, dass künftig 200 junge Lazio-Fans jedes Jahr das Konzentrationslager Auschwitz besuchen sollen. "Die meisten unserer Fans sind gegen Antisemitismus", sagte Lotito, der am Dienstag in einer Synagoge in Rom zudem einen Blumenkranz für die Opfer des Holocaust niederlegte.

Der Präsident von Italiens Olympischem Komitee (CONI), Giovanni Malago, erklärte sich vor der antisemitischen Aktion sprachlos. "Das ruiniert all unsere bisherige Arbeit gegen den Rassismus", kommentierte Malago. Juventus-Klubchef Andrea Agnelli erklärte sich mit Lotito solidarisch. "Man kann sich leider die Fans nicht aussuchen", sagte Agnelli.

Italiens Politik verurteilte die Vorfälle aufs Schärfste. Premierminister Paolo Gentiloni betonte, dass die "unglaubliche" und "nicht akzeptable" Tat nicht "kleingeredet" werden dürfe. Auch Staatspräsident Sergio Mattarella bezeichnete den Vorfall als "erschreckend" für Italien. Italiens Ex-Premier Matteo Renzi forderte, dass die Fußballklubs mit dem jüdischen Stern auf den Trikots auflaufen sollten.

asz/mrl (sid, dpa)