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Musik

Lauten, Russen und BaWü

Mit einem Besucherrekord ging das diesjährige Tanz- und Folkfest in Rudolstadt zu Ende. Knapp 70.000 Zuschauer feierten an drei Tagen die Vielfalt der Musik der Welt.

Straßenmusiker (Quelle: picture alliance/dpa)

An jedem ersten Juliwochenende wird eine thüringer Kleinstadt zur Hauptstadt der Weltmusik

Schon das Konzert am Vorabend des eigentlichen Festivals setzte Maßstäbe. Die New Yorker Gipsy Punk Band Gogol Bordello ist nicht erst seit ihrem gemeinsamen Auftritt mit Madonna dafür bekannt, musikalische Grenzen einfach niederzureißen. Roma-Musik mit Geige und Akkordeon traf auf pure Rockenergie, viel Chaos auf der Bühne, ein Perkussionsinstrument, bei dem Wodka eine gewisse Rolle spielte, und einen Höchstgrad an Anarchie und Feierlaune. Mit dieser explosiven Mischung haben Gogol Bordello auch schon so manchen Hardrock-Fan überzeugt.

Monsters of Liedermaching (Quelle: dw/Anders)

Die Monsters of Liedermaching auf der Rudolstädter Heidecksburg erklären, wie man im Sitzen Pogo macht

Dub und Drehleiern

Auch wenn das Rudolstädter Festival das leicht angestaubte Wort "Folk" immer noch im Namen führt, musikalisch weltoffen und höchst aktuell präsentiert sich das Programm schon seit der Neuerfindung des Tanz- und Folkfestes im Jahre 1991. Zu Zeiten der DDR war das "Tanzfest" wie es bei den Rudolstädtern heute noch heißt, ein ideologisch überfrachtetes Volkstanzspektakel, auf dem man bestenfalls einmal Musik der sozialistischen Bruderländer zu hören bekam. Seit Anfang der 90er Jahre versuchen die Veranstalter den Spagat zwischen aktueller Weltmusik und traditioneller Folklore. 1200 Musiker aus 40 Ländern spielten dieses Jahr auf und machten es dem Festivalbesucher nicht immer leicht, bei der überbordenden Fülle des Programms sich zu entscheiden. Am einfachsten war es noch, sich an den programmatischen roten Fäden des Festivals entlangzuhangeln.

Straßenmusiker (Quelle: Anders/DW)

Überall in der Stadt spielen Straßenmusiker auf, von der bretonischen Drehleier bis zur Human Beatbox

Länderschwerpunkt Russland

Russland stand im musikalischen Mittelpunkt des TFF 2009. Neben Straßenmusik aus Moskau, traditionellem Chorgesang, Maultrommeln aus Jakutien und postmoderner Elektronik gab es auch eigens für das Festival konzipierte Fusionen, wie die Kooperation der tuvinischen Obertonsänger von Huun-Huur-Tu mit dem deutsch-russischen Dance-Projekt AntiMalerija. Der Gesang aus der Steppe traf hier auf Elektronik und clubtaugliche Rock-Improvisationen, die die traditionellen zentralasiatischen Lieder mit neuem Drive versahen. Eine Kooperation, die sehr gut funktionierte, obwohl die Musiker nur einmal zusammen geprobt hatten.

Magische Lauten weltweit

Eine ganze Woche zusammen geprobt hatten die Mitglieder des eigens für das Festival zusammengestellten Ensembles "Magic Lutes". Jeweils ein Instrument wird in Rudolstadt zum "magischen Instrument" gewählt. Nach Keyboards und Rahmentrommeln trafen in diesem Jahr verschiedene Vertreter der Lauten-Familie aufeinander: etwa die ungarische Koboz, die chinesische Pi’pa oder die arabische Oud, jenes Instrument, das als Urvater aller europäischen und orientalischen Lauteninstrumente gilt. In verschiedenen Kompinationen präsentierte das für das Festival gegründete Lautenensemble traditionelle Musik aus den Herkunftsländern der Mitspieler und einige beeindruckende Ensemble-Improvisationen, die das Versprechen von Magie durchaus einlösen konnten.

Drei Frauen ruhen sich auf der Wiese auf (Quelle: Anders/DW)

Chillen nach durchtanzter Nacht

Regionalfocus und Weltmusikpreis

Der deutschen Weltmusikszene ein Forum zu bieten ist seit langem ein Anliegen der Festival-Programmgestalter. Mit dem Focus Regional Baden-Württemberg gab es in diesem Jahr eine Art Bundesländer-Schwerpunkt mit Musik aus Deutschlands Südwesten. Auch hier war Vielfalt das Prinzip und so konnte man den Liedern des Folkveteranen Thomas Fritz, dessen Gruppe Zupfgeigenhansel in den 70ern maßgeblich am deutschen Folk Revival beteiligt war, ebenso lauschen wie den Sound-Landschaften des Ensembles Klangstein mit Trompeter Marcus Stockhausen oder den club-erprobten Balkanbeats der Freiburger Band Äl Jawala. Auch der seit einigen Jahren auf dem TFF verliehene Weltmusikpreis Ruth spiegelt die Kreativität der deutschen Szene wieder. Die ausgezeichneten Künstler, etwa der bayerische Rastaman Hans Söllner, der Balafon-Virtuose Aly Keita oder Alan Bern und seine Klezmer-Band Brave Old World, bewiesen in ihren Konzerten, dass in Deutschland erstaunlich viel großartige Musik gemacht wird und allein um das zu erleben, lohnt sich ein Rudolstadtbesuch jedes Jahr aufs Neue.

Autor: Matthias Klaus

Redaktion: Marcus Bösch