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Politik

Laute Kritik nach Selbstmorden in Guantanamo

Das US-Verteidigungsministerium hat die Identität von zwei der drei Männer bestätigt, die sich im Gefangenenlager Guantanamo selbst getötet haben. Einer der Häftlinge soll kurz vor seiner Freilassung gestanden haben.

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Abgeschnitten von der Welt und seinen Rechten: Gefangener in Guantanamo

Bei den Männern handelt es sich um die Saudi-Araber Manei al-Otaibi und Jasser al-Sahrani, teilte das Pentagon am Sonntag (11.6.2006) mit. Das saudi-arabische Innenministerium hatte zuvor die Namen der Gefangenen veröffentlicht. Dokumente des Pentagon belegen, dass Sahrani 21 Jahre alt war - was bedeutet, dass er als Jugendlicher in dem Lager auf Kuba eingesperrt wurde. Den dritten Toten, einen Jemeniten, identifizierte ein Kommandant als Ali Abdullah Ahmed.

Saudische Zweifel

Die Männer hatten sich nach US-Angaben am Wochenende mit Kleidungsstücken und Bettlaken in ihren Zellen erhängt. Die Selbstmorde waren die ersten von Häftlingen seit der Nutzung des US-Stützpunktes als Gefängnis im Januar 2002. Dutzende Insassen hatten jedoch schon Selbstmordversuche unternommen, zum Teil mehrfach.

Saudi-Arabien bezweifelte, dass die Gefangenen Selbstmord begangen haben. Sie könnten zu Tode gefoltert worden sein, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Generalmajor Mansur al-Turki, am Sonntag in Riad. Einer der Anwälte der saudischen Häftlinge forderte eine internationale Untersuchung. Er habe "große Zweifel", dass ein Gefangener in der US-Militärhaftanstalt unbemerkt Selbstmord begehen könne, sagte Anwalt Katib al-Schammari am Sonntag. Dort würden die Häftlinge rund um die Uhr mit Kameras überwacht.

Gegner des Lagers

Zu den Kritikern des US-Gefangenenlagers gehören auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Regierungschef Tony Blair. Zuletzt hatte sich am Freitag der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen bei einem Treffen mit Bush in Camp David (US-Bundesstaat Maryland) für eine Schließung des Lagers ausgesprochen.

Nach dem Selbstmord der drei Häftlinge sagte ein Sprecher der Bundesregierung am Sonntag in Berlin: "Wir gehen davon aus, dass die USA die Umstände umfassend aufklären." Der Sprecher ergänzte: "Unsere Haltung zu Guantanamo ist bekannt." Die Bundeskanzlerin hatte sich im Januar kurz vor ihrem ersten Besuch bei Bush für eine Schließung des Gefangenenlagers stark gemacht.

Kurz vor Freilassung

Einer der in Guantanamo erhängt aufgefundenen Häftlinge sollte aus dem US-Gefangenlager entlassen werden. Die Entlassung seines Mandanten habe unmittelbar bevor gestanden. Dem Gefangenen sei aber noch nichts davon gesagt worden, weil noch unklar gewesen sei, an welches Land er überstellt werden sollte, berichtete der Anwalt Mark Denbeaux dem britischen Rundfunksender BBC am Montag. Insgesamt sei geplant gewesen, 141 Häftlinge aus Guantanamo zu entlassen.

"Akt der Kriegsführung"

Aufsehen erregten die Äußerungen des Kommandeurs des Gefangenenlagers, Konteradmiral Harry Harris. "Sie sind gerissen. Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt", sagte er mit Blick auf die Toten. "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns." Eine Mitarbeiterin der US-Regierung legte am Sonntag nach. Die Selbstmorde seien "ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen", sagte Colleen Graffy dem BBC World Service.

In Guantanamo halten die USA derzeit 460 Insassen aus 40 Ländern und dem Westjordanland unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Extremistenorganisation El-Kaida oder zu den afghanischen Taliban zu haben. Die USA hatten das Lager nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet und stufen die Gefangenen als feindliche Kämpfer ein, nicht als Kriegsgefangene. Damit haben sie nicht die Rechte, die die Genfer Konvention Kriegsgefangenen zusichert. (mas)

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