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Lauschen

Eine Stadt trägt es im Namen. Tiere und Menschen tun es manchmal – in der Natur oder im Konzertsaal, manchmal sogar an einem ganz bestimmten Platz. In der Politik sorgte es für heftige Diskussionen: das Lauschen.

Lauschen hat mit hören zu tun, ist aber doch etwas anderes. Das Ohr, genauer gesagt das Innenohr mit dem Hörzentrum im Gehirn, befähigt uns, Schallwellen verschiedenster Art wahrzunehmen und zu unterscheiden. So können wir hören.

Feine Unterschiede

Eine Zeichnung: Ein Ohr und Noten

Der Musik lauschen...

Wenn wir lauschen, konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit auf die empfangenen Geräusche, Laute und Klangwellen – wie zum Beispiel in einem Konzertsaal. Dort lauschen wir einem schönen Klavierkonzert oder einer Symphonie. Wir hören der Musik konzentriert zu, wir lassen sie auf uns wirken.

Anders sieht das etwa bei einem Auftritt eines Schlagerstars oder bei einem Rockkonzert aus: Dort würden wir zuhören und eventuell sogar mitsingen oder tanzen, aber wir würden nicht lauschen.

Der Lauschangriff

Radioteleskop am Green-Bank-Observatorium

Lauschangriff auf außerirdisches Leben

Lauschen hat aber auch eine andere Seite: Mithören, abhören – und zwar im Geheimen. Im Jahr 1977 soll es seine politische Geburtsstunde erlebt haben: das Wort Lauschangriff. Der deutsche Verfassungsschutz hatte zwei Jahre zuvor Abhörwanzen in der Wohnung des Nuklearexperten Klaus Traube installiert, weil man annahm, er habe Kontakte zu Terroristen.

Die Aktion, die damals gegen das Grundgesetz verstieß, wurde durch das Magazin "Der Spiegel" öffentlich gemacht. Und das Wort Lauschangriff, das eigentlich bei den Nachrichtendiensten und Behörden bereits gang und gäbe war, wurde durch die Publikation populär.

Der große …

Ein Mann hält ein Richtmikrofon an ein Fenster

Achtung: großer Lauschangriff!

Aus dem reinen Lauschangriff wurde 1998 dann der große Lauschangriff. Groß deshalb, weil es gesetzlich erlaubt wurde, private Wohnräume bestimmter Personen- und Berufsgruppen abzuhören. Nach langen heftigen Debatten stimmten der Bundestag und das Länderparlament, der Bundesrat, zu, in den Artikel 13 des Grundgesetzes drei Absätze einzufügen.

Das Bundesverfassungsgericht verlangte jedoch 2004 eine Änderung des Gesetzes, weil es in bestimmten Punkten gegen Artikel 1 des Grundgesetzes, das Recht auf Menschenwürde, verstieß. Denn die Wohnung gehört ja nun einmal zum intimsten Bereich der Bürger.

… und der kleine Lauschangriff

Anders ist dies beim kleinen Lauschangriff. Polizei und Verfassungsschutzbeamte dürfen an öffentlichen Plätzen sowie in Büros und Geschäftsräumen, die jedermann zugänglich sind, Gespräche belauschen. Das heißt, ohne dass jemand das bemerkt, werden Gespräche heimlich mitgehört und aufgezeichnet.

Lauscher an der Wand

Ein Mann lauscht an der Wand

Was da wohl geredet wird?

Das geschieht auch bei dem sprichwörtlichen Lauscher an der Wand. Er oder sie will alles mitbekommen. Im bildlichen Sinn mit einem Ohr an der Wand lauscht er, was sich zum Beispiel in der Wohnung des Nachbarn so alles abspielt. Möglicherweise sogar mit einer Hand, die wie ein Trichter um das Ohr gelegt ist, damit er noch besser zuhören kann.

Entweder hört er gar nichts – oder so will es das Sprichwort – er hört seine eigene Schand. Das bedeutet Folgendes: Wer lauscht erfährt möglicherweise Schlechtes über sich selbst. Als Strafe gewissermaßen für sein unmoralisches Verhalten. Denn man horcht eben nicht an der Wand oder an der Tür. "Du hast doch nicht etwa an der Tür gelauscht!" ist so ein Merksatz, den das ein oder andere Kind von seinen Eltern zu hören bekommt, wenn es nicht schnell genug weggelaufen ist, bevor die Tür sich öffnete.

Lauscher in freier Wildbahn

Ein Kalb mit großen Ohren

Ziemlich große Lauscher

Das Heimliche am Lauschen wird schon beim Blick auf seine Wortgeschichte deutlich. Lūschen bedeutete im späteren Mittelalter im Verborgenen liegen. Auch die Jäger verwendeten es in ihrer Fachsprache in der Bedeutungsvariante versteckt sein, auf Wild lauern und auch aufpassen. Und das Wild, auf das die Jäger heimlich lauerten, das waren zum Beispiel Rehe.

Und deren Ohren heißen in der Fachsprache Lauscher. Vielleicht weil sie ziemlich groß sind und gedreht werden können wie Richtantennen, mit denen man weit Entferntes hören kann. In der Umgangssprache wird nicht selten gesagt: "Du solltest mal deine Lauscher aufsperren". Dann will jemand unmissverständlich klar machen, dass man genau zuhören soll.

Lauschiges

Zwei Erdmännchen umarmen sich

Wir haben schon ein lauschiges Plätzchen gefunden!

Wer im Verborgenen liegt oder sitzt oder auch etwas anderes tut – und zwar draußen –, der befindet sich nicht selten an einem lauschigen Plätzchen. Dies ist nun ein durchweg positiver Ausdruck – nicht zuletzt deshalb, weil er fast immer mit romantischen Vorstellungen und nicht selten mit Liebespaaren im Mondschein in Verbindung gebracht wird.

Diese positive Bedeutung des Adjektivs gilt auch für das Verb. Unser Liebespaar an seinem lauschigen Plätzchen wird das leichte Rauschen des Windes in den Baumwipfeln nicht einfach hören – es wird ihm lauschen und ebenso verzückt das Plätschern eines Baches wahrnehmen.

Lauscha

Die Stadt Lauscha

Lauscha ist immer einen Besuch wert

Und dabei könnte es sich vielleicht um die Lauscha handeln. Der Gebirgsbach gab der gleichnamigen Stadt und dem Tal in Thüringen seinen Namen. Lauscha ist weltbekannt für seine Glaskunst, die Lauschaer Glaswaren.

Die Gründersage will es, dass der Ort zu seinem Namen kam, weil die ersten Glasmacher sich mit dem Satz "Lausch', a Bach!" – "Lausch', ein Bach" hier niederließen. Und damals, so im 14. Jahrhundert, konnten sie das noch ungestört tun. Da lag ein Lauschangriff – ob groß oder klein – noch in weiter Ferne!

Fragen zum Text

Der Wind weht und wir …

1. hören ihm zu.

2. belauschen ihn.

3. lauschen ihm.

Der große Lauschangriff in Deutschland bedeutet, dass …

1. Tiere beobachtet und belauscht werden.

2. Menschen auf der Straße gefilmt werden.

3. Menschen in ihren Wohnungen abgehört werden dürfen.

Keine Lauscher haben …

1. Hasen.

2. Rehe.

3. Elefanten.


Arbeitsauftrag

Die Deutsche Welle berichtete im März 2004 über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum großen Lauschangriff. Sie finden den Beitrag unter folgendem Link: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,1128654,00.html

Fassen Sie den Inhalt des Beitrags mit eigenen Worten zusammen. Beantworten Sie dabei auch die Fragen: Warum beschäftigten sich die Richter des höchsten deutschen Gerichts mit dem großen Lauschangriff? Wie sah das Urteil im Einzelnen aus?

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Barbara Syring

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