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Laus

Auf unserer Kopfhaut, im Haar des Affen und selbst auf der Leber – überall fühlt sich die Laus wohl. Wenn selbst das Anti-Lausmittel den Blutsauger wenig juckt, helfen nur Wortwitz, Reim und Symbolik.

Man braucht sich ihrer nicht mehr zu schämen. Zwar ist es nach wie vor höchst unangenehm, wenn sie einen befallen haben, aber die Zeiten sind vorbei, da es ausschließlich Zeichen dauernder, starker Ungepflegtheit und/oder Armut war, wenn jemand Läuse hatte.

Sie mögen es warm

Mit Vorliebe treten sie da auf, wo viele Menschen zusammen sind, wo es für sie warm und gemütlich ist. Ganz besonders mögen Läuse Aufenthaltsorte wie Schulen und Kindergärten. Genauer gesagt die Spezies Kopflaus, also die Laus, die sich in den Haaren festsetzt.

Läuse sind klein. Flügellose Insekten, die nicht nur Menschen, sondern auch Säugetiere befallen; sie stechen und saugen Blut. Klingt ziemlich eklig. Wer Läuse hat, den juckt es und wen es juckt, der kratzt. Aber das wiederum juckt die Läuse wenig. Sie sind sehr anhänglich und nur schwer loszuwerden.

Kleiner Scherz

Diese bittere Erkenntnis findet sich auch in einem alten Scherz über das treueste Tier wieder: "Einer Laus, wohnt mehr Treue bei. Sie lässt den Mann nicht, wo er auch sei und sie lässt sich auch mit ihm henken… ." Dieser Spruch stammt aus einem "Ratbüchlein" des 16. Jahrhunderts.

Aber ganz so schlimm ist es nun doch nicht mit den Läusen. Es gibt durchaus Mittel und Wege, sie loszuwerden.

Läusetöter

Zum Beispiel den Läusekamm. Er hat besonders eng stehende feine Zinken, mit denen sich Kopfläuse auskämmen lassen. Scherzhafterweise werden auch ganz normale Kämme mitunter als "Lausrechen" bezeichnet.

Ein altbewährtes Mittel gegen Läuse ist ein Sud vom "Läusekraut". Das ist eine hübsch anzusehende hoch wachsende Pflanze mit gefiederten Blättern. Mit einer aus diesem Kraut gekochten Brühe wurden früher die verlausten Köpfe eingerieben. Inzwischen gibt es modernere Anti-Lausmittel.

Lausende Affen

Die einfachste, aber ziemlich unappetitliche Methode, Läuse loszuwerden, ist das "Lausen". Das bedeutet nichts anderes, als mit den Fingern den Kopf abzusuchen und die Laus samt den Nissen, das sind die Läuse-Eier, zu knacken, also zu zerdrücken.

Das "Selbstlausen" lässt sich bei den Affen trefflich beobachten. Diese lausen mit Hingabe und geradezu stoischer Ruhe sich und ihre Familienmitglieder. "Mich laust der Affe", ist allerdings eine Redensart, die höchstes Erstaunen und Befremden ausdrücken soll und nichts mit einer Entlausungsaktion durch einen Hausschimpansen zu tun hat.

Laus-Vielfalt

Läuse sind klein und gemein. Sie setzen sich nicht nur in der Behaarung fest, wie die Kopfläuse. Nein, es gibt auch Filz-, Kleider-, Schaf-, Blatt-, und Schildläuse. Allesamt sind sie hartnäckige und lästige Viecher.

Läuse hatten schon immer ein denkbar schlechtes Image. "Läuse haben", das hieß in schäbigen, dreckigen, unhygienischen Verhältnissen leben. Wo Läuse waren, war Armut und Elend. Diese ausschließlich negativen Konnotationen stecken in den Bedeutungen vieler Redensarten und Redewendungen.

Redensarten

Jemandem "eine Laus in den Pelz setzen" heißt, absichtlich Misstrauen erregen, jemanden wissentlich beunruhigen. Und wie das so ist, wenn einmal Misstrauen gesät ist, lässt es sich nur schwer wieder vertreiben. Ganz wie die Läuse, die sich ja tatsächlich gern im Pelz festsetzen.

Natürlich ist noch niemandem tatsächlich eine lebende "Laus über die Leber gelaufen". Dennoch ist dieser Ausdruck im alltäglichen Sprachgebrauch durchaus geläufig. Die Leber galt in alter Vorstellung als der Sitz der Gefühle und Stimmungen. Wenn einem also – so hieß es ursprünglich – "etwas über die Leber kroch", war die Stimmung getrübt, man war verstimmt und missgelaunt. Aus diesem "Etwas" wurde wahrscheinlich deshalb die "Laus", weil auch sie ein kleines Etwas ist und außerdem liebt der Volksmund stabreimende Sprüche und so läuft die Laus eben über die Leber.

Lausige Zeiten

Die Vorstellung von einem kleinen Etwas steckt auch in der Wendung "besser eine Laus im Kraut, als gar kein Fleisch." Mit anderen Worten. Ein wenig ist besser als gar nichts.

Während der grauen, dunklen Monate, wenn das Wetter "lausig" ist, wird man auch bei Minustemperaturen von "lausiger Kälte" sprechen. Wollen wir nicht hoffen, dass auch noch richtig "lausige Zeiten" auf uns zukommen. Hinter der scherzhaften Wendung "Kinder kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten" steckt bitterer Ernst.

Der Lausbub

Apropos Kinder: Etwas Positives hat "Laus" doch. Zumindest als Bestimmungswort des Substantivs "Lausbub". Dieser ist die, in aller Regel, lausfreie Ausgabe eines Jungen, der in etwa mit dem ebenfalls – zumindest sprachlich – aus der Mode gekommenen Frechdachs zu vergleichen ist.

Der "Lausbub", in der Berliner Version ist es der "Lausejunge", ist stets zu Streichen aufgelegt. Er ist kein braver Junge, der sich nie schmutzig macht und als Mamas Liebling immer folgsam und ordentlich ist. Der Lausbub ist im Grunde seines Herzens ein guter Kerl. Pfiffig, witzig und, wenn es drauf ankommt, ein treuer Freund.

Literarisches Denkmal

Ludwig Thoma hat ihm in seinen "Lausbubengeschichten" zu Beginn des 20. Jahrhunderts das literarische Denkmal gesetzt. So gesehen ist die Laus, sofern sie im Buben steckt, durchaus sympathisch. Wir erwähnen gerne, dass es natürlich auch "Lausemädchen" gibt. Wahrscheinlich hatten ihnen die Lausbuben eine Laus in den Pelz gesetzt.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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