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Fußball

Lattek - schon zu Lebzeiten eine Legende

Abends ins Bett zu gehen und dann einfach nicht mehr aufzuwachen, das sei seine schönste Vorstellung vom Tod, hatte Udo Lattek einmal gesagt. Die deutsche Trainerlegende ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren.

Die Bundesliga trauert um ihren erfolgreichsten Trainer: Udo Lattek ist am Sonntag in einem Pflegeheim in Köln gestorben. Der 80-Jährige hatte nach einer Gehirnoperation und zwei Schlaganfällen an der heimtückischen Parkinson-Krankheit gelitten, einhergehend mit Altersdemenz. Mit seinen insgesamt 16 Titeln gilt Udo Lattek nach wie vor als einer der größten Titelsammler weltweit. Mit dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach gewann er in den 70er Jahren zahlreiche Titel und war außerdem für Borussia Dortmund, den FC Barcelona, den 1. FC Köln und den FC Schalke 04 tätig. Insgesamt wurde er mit seinen Teams acht Mal deutscher Meister, dreifacher DFB-Pokalsieger, spanischer Cupsieger und Gewinner von vier europäischen Pokalwettbewerben.

Historischer Europapokalgewinn mit den Bayern

Der in Ostpreußen geborene Lattek sollte eigentlich Landwirt werden, entschied sich dann aber anders. Der begeisterte Leichtathlet und Fußballer studierte, war fünf Jahre lang Sport- und Englischlehrer und wurde bei seiner Fußballtrainer-Ausbildung von Hennes Weisweiler entdeckt. Der schickte ihn kurzerhand zum DFB, wo Lattek mit 30 Jahren Assistent von Bundestrainer Helmut Schön wurde und an dessen Seite unter anderem 1966 das Wembley-Tor bei der WM in England erlebte.

Bayern München präsentiert sich in einer Archivaufnahme aus dem Jahr 1974 mit der in einer Saison eroberten Deutschen Meisterschale und dem Europapokal der Landesmeister, den die Mannschaft als erste deutsche in ihren Besitz bringt: Stehend (v.l): Franz Beckenbauer, Jupp Kapellmann, Conny Torstensson, Georg Schwarzenbeck, Bernd Dürnberger, Franz Roth, Gerd Müller, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Trainer Udo Lattek.; Hockend: Rainer Zobel, Erwin Hadewicz, Viggo Jensen, Ersatztorhüter Robl, Sepp Maier, Hansen (Foto: picture-alliance/dpa)

1974: Meister und Europapokalsieger der Landesmeister

Mit erst 35 Jahren ging er zum FC Bayern München, trat dort die Nachfolge von Branko Zebec an und führte das mit hochklassigen Spielern wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Uli Hoeneß besetzte Team zu drei Meistertiteln in Folge: 1972, 1973. 1974 gelang ihm ein Kunststück: Er gewann mit dem FCB als erste deutsche Mannschaft den Europapokal der Landesmeister. 4:0 hieß es im Finale gegen Atlético Madrid.

Erfolgreiche Jahre mit der Fohlenelf

Die zweite große Trainerstation hieß Borussia Mönchengladbach. Er übernahm eine "fertige Mannschaft" und gewann in nur vier Jahren zwei Meistertitel (1976, 1977) und 1979 den UEFA Cup. Es war der Höhepunkt der "Fohlenära". Alte Weggefährten wie Ottmar Hitzfeld erinnern sich mit großem Respekt an diese Zeiten: "Er hat hervorragende Erfolge erzielt, er war ein großartiger Trainer, ein großer Psychologe, ein großer Taktiker." Kritiker zweifelten seine Fähigkeiten jedoch offen an. Der ehemalige Manager des FC Bayern München, Robert Schwan etwa, analysierte: "Latteks Erfolgsgeheimnis ist, immer zum richtigen Zeitpunkt die richtige Mannschaft trainiert zu haben."

Mönchengladbachs Trainer Udo Lattek (2.v.l.) und seine Spieler Uli Stielike (l.), Jupp Heynckes (2.v.r.) und Berti Vogts (r.) posieren am 21.5.1977 in einem Münchner Hotel mit der eroberten Meisterschale (Foto: Hartmut Reeh/dpa)

1977: Lattek (2.v.l.) zeigt mit den Gladbachern Uli Stielike (l.), Jupp Heynckes (2.v.r.) und Berti Vogts (r.) die Meisterschale

Private Schicksalsschläge

Nach seiner Mönchengladbacher Zeit wechselte Lattek zu Borussia Dortmund, wo er nach zwei Jahren um eine vorzeitige Vertragsauflösung bat. 1981 war ein schweres Jahr für die Familie Lattek. Sohn Dirk, gerade einmal 15 Jahre alt, starb an Leukämie. Lattek flüchtete aus Dortmund nach Spanien zum ruhmreichen FC Barcelona mit dem Wunderkind Diego Maradona. Mit Barça holte er 1982 den Europapokal der Pokalsieger, kam jedoch mit den Stars Maradona und Bernd Schuster nicht klar.

Latteks Rückkehr zum FC Bayern brachte ihm weitere drei Meisterschaften in Folge und einen DFB-Pokalsieg ein, danach folgten Kurzauftritte als Trainer und Technischer Direktor in Köln und auf Schalke. Als er 1987 offiziell seine Trainerkarriere beendete, war noch nicht endgültig Schluss: Neun Jahre später rettete Lattek mit 65 Jahren in einem Kurzeinsatz Borussia Dortmund vor dem Abstieg. Dann ereilte ihn ein Schicksalsschlag: 2001 musste sich Lattek operieren lassen - ein gutartiger Gehirntumor.

Der blaue Pulli

Dr. Alfred Biolek als Fan des 1. FC Köln mit FC Trainer Udo Lattek im berühmten blauen Pulli Foto von 1991 (Foto: Horst Galuschka)

1991: Lattek im berühmten blauen Pulli mit Alfred Biolek

Udo Lattek verbindet man auch immer mit einem Kleidungsstück: dem legendären blauen Pullover, den er einst als Technischer Direktor beim 1. FC Köln trug - 15 Spiele lang. In der Saison 1987/88 war Lattek überraschend nach der Triple-Meisterschaft beim FC Bayern nach Köln gewechselt, wo er gemeinsam mit Christoph Daum ein starkes Erstligateam formte.

Gleich am 1. Spieltag trug Lattek trotz sommerlicher Hitze einen blauen Pullover und wurde nach dem Remis gegen Karlsruhe gefragt, ob dies nun ein neuer Glücksbringer sei. Lattek erklärte: "Klar, den ziehe ich erst wieder aus, wenn wir ein Spiel verlieren." Er sollte sein neues Markenzeichen fortan 15 Wochen lang zu jedem Spiel tragen - bis die Erfolgsserie der Kölner riss und der blaue Strickpulli beim 1:2 gegen Bremen seine Wirkung verlor. Später wurde der Glücksbringer zu Gunsten der Kinderkrebshilfe versteigert.

Umsorgt von Frau Hildegard

Nach einem 2012 erlittenen Schlaganfall trat Lattek kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Er könne sich jetzt Fußballspiele angucken, weil er Spaß daran habe und nicht, weil er arbeiten müsse - das gefalle ihm, sagte er in einem Interview. 2013 teilte seine Frau Hildegard mit, dass ihr Mann an Parkinson erkrankt sei. Kurz vor seinem

75. Geburtstag

hatte Udo Lattek noch gesagt: "Über den Tod denke ich auch nicht mehr nach. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann ist es eben soweit."

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