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Amerika

Lateinamerikanisches Kino erobert die Berlinale

"La teta asustada" (Milch des Leids) und "Gigante" (Riese) waren die Stars bei der Preisverleihung. Zwei junge Regisseure aus Peru und Argentinien wurden entgegen aller Prognosen der Kritiker ausgezeichnet.

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Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa freut sich über den Goldenen Bären

Erst ihr zweiter Film und schon ein Goldener Bär: Mit der Sensibilität und Poesie von „La teta ausustada“ hat die peruanische Regisseurin Claudia Llosa die Berlinale-Jury überzeugt.

Im Mittelpunkt von «La Teta Asustada» steht Fausta (Magaly Solier). Die Mutter der jungen Frau wurde in den Jahren des Terrors vergewaltigt. Die nun erwachsene Tochter, zum Zeitpunkt des Gewaltaktes im Mutterleib, trägt psychisch schwer an den Folgen. Nach einem Volksglauben wird der Schmerz der Geschändeten über die Muttermilch an die Nachkommen weitergegeben. Tausende Menschen in Peru leiden an der «La Teta Asustada» genannten Krankheit, die Schwermut und Ängste auslöst, und für die die Wissenschaft keine Erklärung hat. Irritierend für das europäische Publikum ist, dass Fausta meint, sich mit einer Kartoffel in der Vagina vor männlicher Gewalt schützen zu können - eine Methode, die zur Zeit des Schreckens von vielen Frauen angewandt wurde, wie Regisseurin Claudia Llosa erzählte.

Der Streifen konnte sich gegen die von Anfang an hoch gehandelten Favoriten “London River“ (Frankreich) und “The Messenger“ (USA) durchsetzten – ein Triumph, den Regisseurin Llosa und ihre Hauptdarstellerin Solier „allen Peruanern“ widmeten.


Die Jury der Berlinale hat sich mit dem Goldenen Bären für „La teta asustada“ auch in diesem Jahr wieder für einen Film entschieden, in dem soziale, politische und menschliche Konflikte eine Hauptrolle spielen. Nach ihrem Debüt „Madeinusa“ (2006) hat sich die peruanische Regisseurin, die seit fünf Jahren in Barcelona lebt, in Berlin ihre Bestätigung als international anerkannte lateinamerikanische Filmemacherin abgeholt.


Drei Ehrungen für „Gigante“

Berlinale 2009 Alfred Bauer Preis für den Film Gigante, Adrian Biniez

Der Regisseur Adrian Biniez aus Argentinien hat für seinen Streifen "Gigante" gleich drei Auszeichnung erhalten

Gleiches gilt auch für den in Uruguay lebenden Argentinier Adrián Biniez. Sein Film „Gigante“ hat ihm gleich drei Auszeichnungen eingebracht: Allen voran den mit 50.000 Euro dotierten Silbernen Bären für das Beste Debüt. Außerdem erhielt Biniez noch den Spezialpreis der Jury, den er sich mit der deutschen Produktion „Alle anderen“ teilt, sowie den nach dem Berlinale-Gründer benannten Alfred Bauer Preis, mit dem Werke ausgezeichnet werden, die neue Perspektiven in der Filmkunst eröffnen. Die Auszeichnung teilt sich Biniez mit dem polnischen Regisseur Andrej Wajda, der für seinen Film „Tatarak“ geehrt wurde.


Biniez war sichtbar gerührt und überrascht, als er nacheinander die drei Preise auf der Bühne entgegennahm: stammelnd bedankte er sich mit wenigen Worten auf Englisch. Die Freude war nachvollziehbar: die Berlinale ist für den 34jährigen die erste Festivalteilnahme, die Auszeichnungen die ersten Preise, die er für sein Werk erhält. Die Entscheidung kam für die Fachpresse nicht überraschend. „Gigante“ hatte ihn Berlin überzeugt durch seine Frische und die einfühlsam erzählte Geschichte; ein Beweis dafür, dass großes Kino auch uneitel daher kommen kann. Die Geschichte des Nachtwächters in einem Supermarkt in Montevideo, der über die Videoüberwachungsanlage eine Putzfrau bei ihrer nächtlichen Arbeit beobachtet und sich in sie verliebt, hat die Jury unter der Leitung von Tilda Swinton überzeugt.


Geteilte Preise


Die weiteren Auszeichnungen waren breit gestreut. So erfuhr das iranische Kino internationale Aufmerksamkeit: Der Silberne Bär für die beste Regie ging an Asghar Farhadi für „Darbareye Elly“, die Geschichte einer Gruppe junger Iraner, die einige Urlaubstage gemeinsam an der Küste verbringen. Das Verschwinden einer jungen Frau, die mit ihnen unterwegs war, lässt längst überwunden geglaubte alte moralische Vorurteile wieder zum Vorschein kommen.


Als bester Darsteller wurde Sotigui Kouyate aus Burkina Faso für seine Rolle in „London River“ ausgezeichnet. Kouyate verkörpert den Vater eines jungen Franzosen, der in London nach den U-Bahn -Anschlägen vom Juli 2005 verschwindet.