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Wirtschaft

Lateinamerika - eine Region im Aufbruch

Gleich drei Staatspräsidenten kamen zum Weltwirtschaftsforum nach Lima. Dort diskutierten Politiker und Unternehmer über die Zukunft der Region und darüber, wie die Erfolgsgeschichte weiter gehen kann.

Stadtansicht von Lima, Peru Copyright by World Economic Forum/Benedikt von Loebell

Stadtansicht von Lima, Peru

Funkelnd glänzen die Wolkenkratzer in Limas Geschäftsviertel San Isidora, auf den Straßen eilen Menschen in dunklen Businessanzügen zum nächsten Termin. In der Hand einen Pappbecher mit dem obligatorischen Latte Machiato. Wären da nicht die Schuhputzer, die für wenig Geld die Schuhe auf Hochglanz bringen, man könnte auch in New York oder London sein. Hier ist das moderne Lateinamerika. Engel und Völkers, der global tätige Immobilienmakler, hat in Lima ein großes Büro. Schicke Appartments sind im Angebot, die Interessenten kommen aus Panama, Kolumbien - aber auch aus China oder Europa.

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Lateinamerika auf Wachstumskurs

Die Entwicklung Perus ist eine der ganz großen Erfolgsgeschichten Lateinamerikas. Vom Armenhaus zu einem der wachstumsstärksten Länder der Region. "Die Mittelschicht wächst, das Land ist sicher und es wird viel in die Bildung investiert", sagt Jörg Zehnle, Geschäftsführer der deutsch-peruanischen Handelskammer in Lima, der seit acht Jahren in Lima lebt. Die Entwicklung sei wirklich erstaunlich: "Und sie konzentriert sich nicht nur auf die Hauptstadt. Wenn man in Peru unterwegs ist, merkt man, dass an allen Ecken gebaut wird. Die Infrastruktur wird verbessert."

Rasantes Wachstum

Allein in diesem Jahr soll die Wirtschaft um fast sieben Prozent wachsen. Angetrieben vom Rohstoffboom kommen jetzt auch Investoren, die in die Infrastruktur oder moderne Technologien investieren. Präsident Ollanta Humala versucht die freie Marktwirtschaft mit sozialen Aspekten zu verbinden. Sein erklärtes Ziel ist die Armutsbekämpfung. Um das zu erreichen, setzt er auf freie Märkte, verbunden mit der Förderung sozialer Projekte. Peru hat erstmals ein Sozialministerium eingerichtet, eine nationale Task Force soll Schwachstellen im Sozialsystem analysieren und aktiv eingreifen.

"Wir müssen verstehen, dass wir uns nur entwickeln können, wenn wir wirtschaftlich wachsen und dieses Wachstum gerecht verteilen. Wir nennen das Soziale Eingliederung", sagte Humala bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums Lateinamerika, einer regionalen Veranstaltung des im schweizerischen Davos beheimateten World Economic Forums (WEF).

Klaus Schwab, Founder and Executive Chairman, WEF, Ollanta Moises Humala Tasso, President of Peru, Ricardo Martinelli, President of Panama and Enrique Peña Nieto, President of Mexico Copyright by World Economic Forum/Benedikt von Loebell

WEF-Gründer Klaus Schwab mit den Präsidenten von Panama, Peru und Mexiko (von links)

Die soziale Frage

Dass Peru für dieses hochrangige Treffen ausgesucht wurde, ist für Ollanta Humala eine Anerkennung seiner Arbeit. Entspannt plauderte er mit dem Gründer der Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, der mit Lob nicht sparte: "Sie verbinden wirtschaftliche Entwicklung mit sozialem Fortschritt, damit stärken Sie die Gesellschaft. Gleichzeitig ist Peru attraktiv für Investoren. Sie sind einer der großen Reformer in Lateinamerika."

Eine Anerkennung, die mit dem Hinweis auf weitere Herausforderungen verbunden wurde. Denn trotz aller Erfolge gilt noch immer ein Drittel der Bevölkerung Perus als arm, vor allem auf dem Land sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich noch groß. Aber das Bruttosozialprodukt hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht und die Inflationsrate liegt nur bei etwas über zwei Prozent.

Aufbruchstimmung auf dem Weltwirtschaftsforum

Doch Peru ist nur eines von vielen Positivbeispielen in Lateinamerika. Die gesamte Region ist im Aufbruch. Das wurde in den vielen Diskussionen auf dem Weltwirtschaftsforum in Lima deutlich. Über 600 Unternehmenschefs, Regierungsvertreter und Mitglieder von NGOs diskutierten über die wachsende Bedeutung der Region. Denn während Europa in diesem Jahr knapp die Rezession verhindern kann, rechnet die Weltbank für Lateinamerika mit vier Prozent Wachstum. Doch wie sichert man die Zukunftsfähigkeit? Kann nicht schon morgen wieder der Absturz kommen?

Mexico's Finance Minister Luis Videgaray (L) and Peru's Finance Minister Luis Miguel Castilla pose for pictures after the inauguration of the World Economic Forum on Latin America in Lima, April 24, 2013. REUTERS/Enrique Castro-Mendivil

Auch die Finanzminister von Mexiko und Peru sind in Lima

"Im Fall von Costa Rica haben wir die Einbindung des Landes in die globale Wertschöpfungskette gefördert. Heute sind wir Teil der Produktionsketten in Wirtschaftszweigen wie zum Beispiel der Elektro- oder der High Tech-Industrie, der Luftfahrtbranche oder der Medizintechnik, und das ist eine große Wachstumschance für Costa Rica", sagt Anabel Gonzalez, die Handelsministerin Costa Ricas, im Gespräch mit der DW. Gonzales ist als neue WTO- Generalsekretärin im Gespräch. Die eloquente Ministerin nutzt die Bühne in Lima, um ihre Positionen deutlich zu machen. Weg vom Billiglohnstandort - hin zu anspruchsvoller Fertigung mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Bildung muss verbessert werden

Doch noch ist viel zu tun. In Lateinamerika leben rund 150 Millionen Menschen, die zwischen 15 und 29 Jahren alt sind. Diese jungen Menschen sind häufig nicht ausreichend ausgebildet. So klagt jeder dritte US-Investor in Lateinamerika über fehlende Fachkräfte. Einige Unternehmen experimentieren mit der dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild; die deutsch-peruanische Handelskammer in Lima beriet unlängst die Regierung bei Fragen zu diesem Ausbildungsmodell.

Investoren gesucht

"Das ist ein guter Zeitpunkt, nach Lateinamerika zu kommen", erklärte der mexikanische Präsident in Lima. Auch er ist ein Reformer und Hoffnungsträger. Mexiko investiert in Zukunftsbranchen und hofft auf weitere Investoren auch aus Europa.

Wenn die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums Lima mit dem Flugzeug verlassen, können sie gleich erleben, wie erfolgreich eine Zusammenarbeit sein kann. Denn der Flughafen wird vom deutschen Flughafenbetreiber Fraport geleitet, der die Konzession erwarb und viel investierte. Das moderne Terminal hat attraktive Geschäfte, die Wege zum Flugzeug sind kurz. Im vergangenen Jahr wurde der "Aeropuerto Internacional Jorge Chavez" mit dem "World Travel Award" ausgezeichnet.

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