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Amerika

Lateinamerika: Die Armut bleibt

In Lateinamerika stößt die Politik der Sozialtransfers an ihre Grenzen. Dies gehört zu den Schlussfolgerungen, die Experten nach der Veröffentlichung des jährlichen UN-Sozialberichts für Lateinamerika (Cepal) ziehen.

Nach Angaben des Berichts der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik verharrt die Armut in der Region seit zwei Jahren auf demselben Niveau. So gelten 28 Prozent der Bevölkerung, das sind rund 165 Millionen Menschen, als arm. Die extreme Armut ist sogar leicht angestiegen: Sie nahm von 11,3 Prozent im Jahr 2012 auf zwölf Prozent 2014 zu und betrifft damit zirka 71 Millionen Menschen.

"Für nachhaltige Armutsreduzierung ist ein breitenwirksames Wirtschaftswachstum notwendig. Die grundsätzlichen Probleme des Kontinents, die dem entgegenstehen, insbesondere die große Ungleichheit in Chancen und Einkommen, aber auch die Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen, sind teilweise zwar gemildert, aber nicht gelöst", erklärt Jann Lay, Professsor für Entwicklungsländerforschung mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Göttingen. Die Erfolge bei der Bekämpfung der extremen Armut vor 2012 seien primär auf die Ausweitung von Sozialtransferprogrammen zurückzuführen.

Erst Lob, dann Kritik

Für seine

Sozialprogramme war Lateinamerika

noch im vergangenen Jahr mehrfach ausgezeichnet worden. So sank nach Angaben der Cepal die Armut in Brasilien im Zeitraum von 1990 bis 2012 von 47,5 Prozent auf 18,8 Prozent. In Bolivien verringerten sich die Indikatoren zwischen 2000 und 2011 sogar von 63,7 Prozent auf 36,3 Prozent. Die extreme Armut sank im gleichen Zeitraum sogar von 38,8 Prozent auf 18,7 Prozent. In Peru sank die Armut im Rekordtempo von 54 Prozent (2001) auf 23 Prozent (2012).

Doch schon 2013 deuteten sich die Schwachpunkte bei dem Modell der lateinamerikanischen Armutsbekämpfung an. Vielen Regierungen fällt es zunehmend schwerer, auch bei sinkenden Wachstumsraten die umfangreichen Sozialprogramme aufrecht zu erhalten. Der fallende Ölpreis verschlechtert die ohnehin düsteren Prognosen zusätzlich.

Herausragendes Beispiel für den negativen Trend ist

Venezuela

, wo die Armut in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen hat. Im Jahr 2012 betraf sie ein Viertel der Bevölkerung, 2013 lag der Anteil bereits bei 32 Prozent. Nach Einschätzung von Víctor Mijares, venezolanischer Gastwissenschaftler am German Institute of Global and Area Studies (GIGA), "kann die Wirtschaftspolitik der sogenannten Bolivarianischen Revolution nur in einem Umfeld steigender Ölpreise funktionieren“.

Die Rückschläge in der Armutsbekämpfung setzten ein, als der Marktpreis pro Barrel Rohöl noch bei durchschnittlich 92 US Dollar lag (2012-2013). "Um den Haushalt auszugleichen und die Finanzierung bestehender Sozialprogramme zu gewährleisten, ist ein Ölpreis von 120 US Dollar pro Barrel nötig, während das venezolanische Barrel aktuell mit 38,50 US Dollar notiert“, ergänzt Lateinamerika-Expertin Simone Schottte, die ebenfalls am GIGA forscht.

Brasilien stagniert

Auch die in Brasilien bisher so erfolgreichen Programme zur Bekämpfung der Armut sind von der stagnierenden Wirtschaft bedroht. "Um die Grundlagen für eine aufstrebende Mittelschicht ausbauen zu können, müsste das Wirtschaftswachstum mehr zulegen", meint Simone Schotte. Es bedürfe einer deutlichen Erhöhung der Produktivität, der Investitionen in Bildung sowie eines Ausbaus der öffentlichen Infrastruktur.

Obwohl in den vergangenen zwei Jahren keine Fortschritte im regionalen Durchschnitt erreicht wurden, weisen dennoch einige Länder leichte Verbesserungen auf. So sank in El Salvador die Armut von 45,3 Prozent im Jahr 2012 auf 40,9 Prozent 2013. In Kolumbien gingen die Werte im gleichen Zeitraum von 33 Prozent auf 30 Prozent zurück, in Perú von 25 Prozent auf 23 Prozent. Chile erreichte einen Rückgang von 10 Prozent auf 7,8 Prozent. Erhebliche Erfolge wies auch Paraguay auf, wo die Armut von 49 Prozent im Jahr 2011 auf 19 Prozent 2013 sank.

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