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Politik

Lasst sie rein! Alle!

Endlich! Die Kapverdischen Inseln wollen der EU und der NATO beitreten. Diese Bombe ließ der kapverdische Premierminister Jose Maria Neves platzen, als er Anfang der Woche die alte Kolonialmutter Portugal besuchte.

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Bernd Riegert

Bis 1975 gehörte das knappe Dutzend Vulkaninseln vor der afrikanischen Küste zu Portugal. Die Unabhängigkeit wurde damals nach 500 Jahren blutig erstritten. Jetzt wollen die Kapverden, übrigens eine stabile Demokratie, wieder zu Europa gehören - freiwillig.

Doch in Brüssel zeigt man den Kapverdischen Inseln die lange Nase. Der Ministaat im Atlantik gehöre nun so gar nicht zu Europa, meinte der portugiesische Außenminister. Eifrige NATO-Juristen fanden im NATO-Vertrag gleich den passenden Artikel Nummer 10. Dort steht, nur europäische Staaten, die die nordatlantische Sicherheit fördern, könnten aufgenommen werden. Das kapverdische Berwerbungskomitee könnte kontern, als Vorposten im Atlantik wären die Inselchen geradezu ein idealer Stützpunkt, um die Schifffahrtsrouten vor Terror und sonstigem Ungemach zu schützen. Außerdem sind die NATO-Mitglieder USA und Kanada schließlich auch keine europäischen Staaten, oder? Und wie ist das mit Island? Georgien, die Ukraine und andere Aspiranten, die von der NATO mit mehr Sympathie gesehen werden, haben überhaupt keinen geografischen Bezug zum Nordatlantik.

Idealer Truppenübungsplatz

Außerdem hat der europäische NATO-Oberbefehlshaber US-General James Jones die kapverdischen Insel schon längst als Spielwiese für seine Soldaten entdeckt. Die neue NATO-Eingreiftruppe wird im Juni 2006 auf den Kapverden in einem groß angelegten Manöver anlanden, abseilen, aufmarschieren und abrücken üben. General Jones schwärmte über die klimatisch interessanten Inseln, sie böten anspruchsvolles, ungewohntes Terrain, das seine Jungs und Mädels so richtig fordern werde. Na, also, das ist doch besser, als das, was manche Altmitglieder zu bieten haben.

Wovor hat Europa eigentlich Angst? Wenn es gelingen wird, 70 Millionen Türken, in die EU zu integrieren, wird man ja wohl noch schlappe 472.000 Kapverdaner verdauen können. Entfernung vom Kernland sollte dabei kein Argument sein, auf die europäische Gesinnung kommt es an! Schließlich gehören auch die Kanarischen Inseln (Spanien), Madeira und die Azoren (Portugal) sowie La Reunion (Frankreich) zur Europäsichen Union.

Kapverdische Expatriots

Man sollte eine Aufnahme der Kapverden in die EU nicht voreilig ablehnen, denn im Grunde sind sie schon mitten unter uns. Etwa eine Million Menschen kapverdanesischer Herkunft lebt außerhalb der Inselgruppe. Die meisten in den USA, aber auch viele in Portugal und den Niederlanden.

In der EU-Kommission wird zumindest an einer ernsthaften Bestandaufnahme gewerkelt, wie anders wäre es zu verstehen, dass man auf der Internetseite, die die Kommission den bilateralen Beziehungen zu der atlantischen Nation widmet, zu lesen ist: Under Construction!

Kein Problem mit Maastricht-Kriterien

Den Euro hat der listige Finanzminister der Kapverden bereits durch die Hintertür eingeführt. Die Währung, der Kapverdische Escudo, ist mit einem fest unveränderlichen Währungskurs an die europäsiche Gemeinschaftswährung gekoppelt. Die Maastricht-Kriterien werden erfüllt. Es müßten nur noch Scheine und Münzen umgetauscht werden.

Und auch die Flagge der Kapverden sieht der Europaflagge auch schon ähnlich. Ein Kranz gelber Sterne auf blau-rotem Grund. Allerdings sind es nicht zwölf, sondern nur zehn Sterne für die zehn Hauptinseln.

Also, lasst sie endlich rein!