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Asien

Laotischer Alleingang am Mekong

Im Wasser liegt die Zukunft: Seit Jahren setzt Laos auf den Bau von Staudämmen. Doch das Land am Mekong eckt an mit seiner Politik. Gleich zwei umstrittene Staudamm-Projekte provozieren Streit mit den Nachbarn.

Fischer werfen ihre Netze in den Mekong

Auf einer Länge von fast 1900 Kilometern fließt der Mekong durch Laos

Gelblich-braun schlängelt sich der Mekong durch Laos, von Norden nach Süden, insgesamt über fast 1.900 Kilometer Länge. Der Fluss ist so etwas wie die Lebensader des einzigen Binnenlandes in Südostasien. Er wird als Transportweg genutzt, seine Fische sind wichtige Proteinlieferanten für die Bevölkerung und sichern den Lebensunterhalt unzähliger Menschen nicht nur in Laos. "Wir sprechen von ungefähr 60 Millionen, die direkt am Fluss oder von den Produkten des Flusses leben", erklärt Jin-Hua Meng, WWF-Experte für nachhaltige Wasserkraft, gegenüber der Deutschen Welle. Laos selbst zählt zu den ärmsten Ländern des Kontinents, drei Viertel der knapp 6,5 Millionen Einwohner sind in der Landwirtschaft tätig, der Großteil davon betreibt Subsistenzwirtschaft. Doch gleichzeitig ist das Land unendlich reich: an natürlichen Ressourcen und an Wasser.

Gewinner und Verlierer der rasanten Entwicklung

Fischerboote auf dem Mekong

Millionen Menschen in der Region leben am und vom Mekong

Laos verfügt über das größte Wasserkraftpotenzial in der Region. Ein Vorteil, den die laotische Regierung natürlich längst erkannt hat und für sich zu nutzen versucht. Seit Jahren setzt sie auf den Bau von Staudämmen zur Elektrizitätsgewinnung, Strom steht auf der Liste der laotischen Exportgüter ganz weit oben. Und das soll künftig noch weiter ausgebaut werden. Laos – so der eigene Anspruch - soll  in großem Stil Energie exportieren und gewissermaßen zu einer "Batterie Asiens" werden. Denn der Strom, der hier produziert werden kann, übersteigt den laotischen Bedarf um ein Vielfaches. Größere und wirtschaftlich stärkere Nachbarn wie Thailand oder Vietnam sind dankbare Abnehmer.

Doch das boomende Geschäft mit der Elektrizität hat auch Verlierer: allen voran die Umwelt. Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit den eigenen Ressourcen entwickelt sich nur zögerlich. Und auch die lokale Bevölkerung wird immer wieder zum Opfer der gewinnorientierten Staudammpolitik des Landes. So werden beispielsweise ganze Dörfer umgesiedelt, um Platz für anstehende Staudamm-Projekte zu schaffen.

Keine Absprachen mit den anderen

Mit Sorge beobachten Umweltschützer die stetig wachsende Zahl von Staudämmen in Laos. Erst in der vergangenen Woche schlug die in Thailand ansässige Organisation “International Rivers” Alarm: Nach ihren Informationen sind in Don Sahong - nur wenige Kilometer entfernt von der kambodschanischen Grenze im Süden des Landes – Bauarbeiten für ein großangelegtes Staudamm-Projekt im Mekong im Gange, das zweite überhaupt im Hauptstrom des Landes. “Unser Team war vor gut zwei Wochen vor Ort und hat gesehen, wie die Bauarbeiten vorangetrieben werden”, erklärt Pianporn Deetes, Thailand-Direktorin von "International Rivers".  Nach Berichten von Dorfbewohnern hätten die Behörden bereits einen Wasserfall gesprengt. "Den Anwohnern wurde außerdem gesagt, sie sollten sich auf ihre Umsiedlung vorbereiten."

Ein Fischer mit Netz im Mekong

Die Fischerei sichert die Lebensgrundlage von Millionen Menschen

Eigentlich hat sich Laos im Zuge eines gegenseitigen Konsulationsmechanismus verpflichtet,  derartige Staudammprojekte nur in Einverständnis mit drei der anderen Mekong-Anrainerstaaten in Angriff zu nehmen. So steht es zumindest in einer Erklärung der sogenannten Mekong River Commission, der neben Laos auch Vietnam, Thailand und Kambodscha angehören. 1995 einigten sich die vier Länder darauf, das ökonomische Potenzial des Flusses gemeinsam zu nutzen und seine Ressourcen in gegenseitiger Absprache zu managen. "Natürlich steht in diesem Papier, dass es für jedes Staudamm-Projekt auf dem Mekong einer Zustimmung  bedarf", bestätigt Pianporn Deetes von "International Rivers". Aber bei diesem Beschluss handele es sich lediglich um eine lose Übereinkunft und nicht um ein festgeschriebenes Gesetz. Im Fall des Don Sahong-Staudamms jedenfalls gab es ein derartiges Einverständnis  mit den Partnerländern nicht. Und die laotische Regierung hat für sich auch eine Lesart gefunden, um mögliche Klippen zu umschiffen. So argumentiert sie, es handele sich lediglich um Vorabeiten - und dafür sei keine Genehmigung der Nachbarn erforderlich.

Zwei Staudämme, viele Proteste

Thailändische Frau mit Plakat protestiert gegen den Xayaburi-Staudamm

Auch in Thailand wurde gegen den geplanten Xayaburi-Staudamm protestiert - erfolglos

Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation “International Rivers” wird der Bau des Staudamms gravierende Folgen für Mensch und Tier in der entsprechenden Mekong-Region haben. "Der neue Staudamm blockiert die einzige Stelle im Fluss, an der die Fische während der Trockenzeit flussaufwärts schwimmen können", so Pianporn Deetes. Für die Fischerei wäre das ein Desaster.

Vor den möglichen Auswirkungen fürchten sich auch die weiter unten am Flusslauf gelegenen Anrainerstaaten Kambodscha und Vietnam – wo der Mekong nach seinem Weg durch insgesamt sechs Länder schließlich in einem riesigen Delta ins Südchinesische Meer mündet. Beide Länder hatten sich bereits vehement gegen das erste laotische Staudamm-Projekt am Mekong ausgesprochen: In Xayaburi im Norden des Landes plant die Regierung einen noch viermal größeren Staudamm als in Don Sahong - mit einem 1260-Megawatt-Kraftwerk. Nach heftigen Protesten seiner Nachbarn hatte die laotische Regierung vor einigen Monaten entschieden, den Bau des umstrittenen Damms vorerst zu stoppen, um zusätzliche Umweltprüfungen durchzuführen.

Ehrgeizige Pläne in Vientiane

Boote auf dem Mekong in der Abenddämmerung

Fast träge wirkt der Mekong - doch der Eindruck täuscht

Doch auf der Großbaustelle herrscht weiter rege Betriebsamkeit. “Nach unseren Informationen sind die Arbeiten am Xayaburi-Staudamm überhaupt nie gestoppt worden“, erklärt Pianporn Deetes. Und auch jetzt – während der Regenzeit – würden die Bauarbeiten unvermindert weitergehen. Das bestätigt auch WWF-Experte Jian-Hua Meng. "Im Fall Xayaburi behauptet Laos nicht einmal mehr, dass es sich um vorbereitende Maßnahmen  handelt." Die Regierung habe vielmehr  offiziell verkündet, mit voller Kraft voranzugehen. "Laos vertritt den Standpunkt: Wir haben die anderen über das Projekt informiert, wir haben konsultiert, wir haben die Bedenken der unten am Flusslauf liegenden Staaten Kambodscha und Vietnam eingeholt", sagt Meng. Damit seien nach eigener Interpretation die Auflagen der Mekong-River-Kommisssions-Vereinbarung eingehalten.

Vor wenigen Tagen äußerte sich der stellvertretende laotische Energieminister Viraponh Viravong entsprechend gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira. Er bestätigte, dass die Bauarbeiten am Xayaburi-Staudamm im November offiziell wieder aufgenommen werden sollten. "Wir versuchen, diesen Zeitplan einzuhalten." Der WWF ist besorgt über diese Entwicklung. Dabei ist die Umweltschutzorganisation nicht generell dagegen, Staudämme zu bauen. Die entscheidende Frage ist, wo. "Laos hat genügend Wasserkraftpotenzial in den Nebenstromgebieten des Mekong. Innerhalb weniger Jahre könnten dort Wasserkraftwerke entstehen und Strom und Geld generieren", sagt Jian-Hua Meng.  Der Mekong selbst dagegen sei nicht das geeignete Feld zum Experimentieren.