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Asien

Laos treibt Staudamm-Projekt voran

Mit dem Plan, mit Wasserkraft zum wichtigsten Stromlieferanten für Südostasien zu werden, droht Laos seine Nachbarn zu verprellen. Trotzdem hält das Land an seinen Mekong-Staudämmen fest.

epa03458388 A photo made available on 05 November 2012 shows construction of the controversial Xayaburi dam in Laos, on 28 September 2012. Under a 1995 treaty, the four governments of Laos, Cambodia, Thailand and Vietnam must reach a consensus before any major project can be built on the Lower Mekong river. Opposition groups say the dam will adversely effect communities along the Mekong and the biodiversity of the river. The Lao government is hoping the Xayaburi hydropower dam will drive economic growth and plans to sell the power to China and Thailand. EPA/STR

Mekong Staudamm Xayaburi

18 Monate lang ruhten die Arbeiten am Xayaburi-Damm rund 150 Kilometer nördlich der laotischen Hauptstadt Vientiane, zumindest offiziell. Damit ist jetzt Schluss. Mit einem symbolischen Spatenstich läutete die Regierung des kommunistischen Laos am Mittwoch (7.11.2012) den Baubeginn am Hauptdamm ein.

Bislang gilt Laos als einer der unterentwickeltsten Staaten der Welt. Der Xayaburi-Damm, der eine Kapazität von 1.260 Megawatt besitzen wird, soll dem Land helfen, zum Hauptstromversorger der Region aufzusteigen. Er ist nur ein kleiner Teil eines gigantischen Wasserkraft-Projektes: Insgesamt 11 Staudämme will Laos am Unterlauf des Mekong bauen lassen. Der Xayaburi-Damm ist einer der größten davon, er soll 2019 in Betrieb gehen. Doch Umweltschützer warnen schon jetzt vor unkalkulierbaren Risiken für die Region. Auch die Regierungschefs von Vietnam und Kambodscha befürchten schwerwiegende Folgen für Fischerei und Landwirtschaft in ihren beiden Ländern, die weiter flussabwärts liegen.

"Gefährliches Roulette"

Ein laotischer Reisbauer arbeitet im Feld (Foto:Global Witness)

Die Sedimente im Fluss sorgen für fruchtbare Reisfelder im Mekong-Delta

Diese Bedenken teilt auch Ame Trandem von der Nichtregierungsorganisation “International Rivers”. Sie wirft der laotischen Führung vor, mit dem Mekong ein riesiges Experiment durchzuführen, ohne auf die Konsequenzen zu schauen. "Die Regierung von Laos spielt Roulette mit dem Fluss und seinen Anwohnern", fürchtet sie im Interview mit der Deutschen Welle. "Nach allem, was wir wissen, wird dieses Projekt schwere Folgen für die Umwelt und die Menschen haben. Außerdem werden nur einige wenige davon profitieren." Es sei unverantwortlich und extrem riskant, mit dem Bau des Damms fortzufahren, "schließlich ist der Mekong die Lebensader Südostasiens."

Das Mekong-Delta ist das größte Binnenfischereigebiet der Welt, und Fisch ist der Hauptproteinlieferant für Millionen von Menschen, die hier leben. Außerdem führt der Mekong nährstoffreiches Sediment in seinem Flussbett, das sich im Delta ablagert und so die Grundlage für die Landwirtschaft in diesem extrem fruchtbaren Gebiet liefert.

Experten fürchten einen Rückgang des Fischbestandes am Unterlauf des Mekongs, weil die Fische durch die Dämme zum einen von der Zufuhr wichtiger Nährstoffe abgetrennt würden, zum anderen aber auch ihre Laichgründe am Flussoberlauf nicht mehr erreichen könnten. Und auch die Sedimente würden viel weiter flussaufwärts liegen bleiben als bisher.

"Keine Bedenken mehr"

Fischer werfen ihre Netze im Mekong aus (Foto:dpa)

Das Mekong-Delta ist das größte Binnenfischereigebiet der Welt

Im Jahre 1995 legten vier der Mekong-Anrainerstaaten Thailand Kambodscha, Vietnam und Laos im Mekong-Abkommen fest, sich in Zukunft untereinander über Projekte am Fluss und deren grenzübergreifende Folgen abzustimmen. Laos behauptet nun, genau das getan zu haben, nachdem man im April 2011 den Bau des Staudamms erst einmal unterbrochen und einige Änderungen der Baupläne vorgenommen hatte. So sollen nun Stufen ins Flussbett eingebaut werden, damit Fische weiterhin den Oberlauf erreichen können, außerdem sollen die sich ablagernden Sedimente in regelmäßigen Abständen in den Unterlauf des Mekong abgelassen werden.

"Es gibt keine ernsthaften Bedenken mehr gegen die Wiederaufnahme der Bauarbeiten", behauptet der laotische Energieminister Viraphonh Viravong. Die laotische Regierung sei "überzeugt, dass es mit den vorgenommenen Änderungen keine ernsthaften Folgen für die Umwelt mehr geben werde." Daher habe man entschieden, die Bauarbeiten wiederaufzunehmen.

Tatsächlich hat aber bislang nur Thailand seine Zustimmung zum Projekt gegeben. Kein Wunder, sollen doch mehr als 90 Prozent des am Xayaburi-Damm erzeugten Stromes in das Land fließen. Laos wiederum hat betont, nicht auf eine formale Zustimmung von Kambodscha oder Vietnam warten zu wollen.

Präzedenzfall für die Zukunft?

Der am Mittwoch erfolgte Spatenstich markiert letztendlich nur den Ausbau des Flussbettes und die Errichtung des Staudammes selbst. Die Zufahrtsstraßen und die den Damm umgebende Infrastruktur sind bereits gebaut, hunderte von Menschen bereits umgesiedelt worden. Die Organisation "International Rivers" vermutet daher auch, dass die Behörden viel eher auf günstiges Wetter für den Weiterbau gewartet haben als auf den Abschluss von Risikostudien. Ame Trandem fürchtet, der laotische Alleingang beim Xayaburi-Damm könne zum Präzedenzfall werden: "Laos hat sich einfach über alle noch laufenden Verhandlungen hinweggesetzt und damit einfach ein internationales Abkommen gebrochen," erklärt die Aktivistin. Sie sei sehr besorgt darüber, was das für weitere Staudammprojekte bedeute: "Weiter flussabwärts liegende Staudammprojekte werden die Lage weiter verkomplizieren." 

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