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Wirtschaft

Lanxess setzt auf Boomregion Asien

Der Chemiekonzern Lanxess hat in Singapur mit dem Bau einer Anlage für die Produktion von synthetischem Kautschuk begonnen. Ab 2013 wird das Werk damit asiatische Reifenhersteller beliefern.

Teil einer Produktionsanlage von Lanxess in Zwijntrecht / Niederlande (Foto: Lanxess AG)

Sieht kompliziert aus - und ist es auch: Teil einer Lanxess-Produktionsanlage

Für Asien handelt es sich um die größte Produktionsstätte für künstlichen Kautschuk, für Lanxess ist es mit mehr als 400 Millionen Euro die bedeutendste Investition in der fünfeinhalbjährigen Unternehmensgeschichte. Ursprünglich sollte mit dem Bau bereits 2009 begonnen werden, doch die weltweite Rezession, von der besonders hart die Autoindustrie betroffen war, machte einen Strich durch die Kalkulation. Inzwischen hat sich die Autoindustrie erholt. Weltweit fragen die Reifenhersteller Butylkautschuk nach, wofür der Chemiekonzern Lanxess mit bislang zwei Werken in Belgien und Kanada der wichtigste Lieferant ist.

Ohne Kautschuk rollt nichts

Lanxess Chef Heitmann mit Lim HnG Kiang, Minister für Handel und Industrie Singapurs (Foto: Lanxess)

Freude über einen wichtigen Deal: Lanxess-Chef Heitmann und Singapurs Minister für Industrie, Lim

Butyl-Kautschuk ist vor 100 Jahren vom Bayer-Konzern in Leverkusen erfunden und von Bayer bei der Gründung von Lanxess in das neue Unternehmen ausgegliedert worden. Dieser synhetische Kautschuk zeichnet sich durch eine hohe Luftundurchlässigkeit aus und wird vor allem bei der Produktion von Reifen für Personenwagen, Lastkraftwagen und Flugzeuge eingesetzt. Ebenso wird dieser künstliche Kautschuk für die Herstellung von Fahrradschläuchen und Sportbällen genutzt, zunehmend auch für Arzneimitteln. Ein interessantes Nebengeschäft ist die Kaugummi-Produktion.

Umweltverträgliche Fabrik

Vom Werk auf der Halbinsel Jurong in Singapur will Lanxess vor allem die expandierenden Reifenhersteller in Asien beliefern. Sowohl in der Produktion als auch in der Qualität des synthetischen Kautschuks ist Lanxess bei der Planung des neuen Werkes ein technologischer Durchbruch gelungen. Vorstandschef Heitmann wies beim ersten Spatenstich vor allem auf die Umweltverträglichkeit der neuen Anlage hin. Bei der effizienten Verwendung von Rohstoffen aus der benachbarten Raffinerie sowie beim sparsamen Einsatz von Energie und auch beim Wasserverbrauch setzt das Werk weltweit neue Maßstäbe. Zehn Prozent der Investitionssumme gibt Lanxess für den Umweltschutz aus. Die Menge des Abwassers aus der Fabrik in Singapur wird nur noch halb so hoch sein wie die aus anderen Produktionsstätten von synthetischem Kautschuk. Heitmann erklärte in Singapur: „Dieses Werk wird die umweltfreundlichste, effizienteste und technologisch fortschrittlichste Produktionsstätte für Butyl-Produktion sein.“

Lanxess-Fabrik Singapur als Computergrafik (Foto: Lanxess)

Noch als Computerbild: Lanxess-Fabrik Singapur

Ebenso wichtig ist die qualitative Verbesserung des synthetischen Kautschuks. Sie macht nach Heitmanns Worten „das Auto sicherer, komfortabler und sorgt für einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch“. Durch die Qualitätsverbesserung wird es nach Heitmanns Darstellung möglich sein, bei der durchschnittlichen Lebensdauer eines Reifens Benzin oder Diesel für 4 000 Kilometer einzusparen. Das schlägt sich nicht nur für den Autohalter in niedrigeren Kosten nieder, sondern für die Umwelt auch in verminderten Abgasen.

Moderne Reifen = weniger Benzinverbrauch

Autoreifen und Ausgangsprodukt Kautschuk (Foto: Lanxess)

Reifenhersteller sind die größten Kautschuk-Kunden

Da die Reifen für rund zwanzig Prozent des Energieverbrauchs von Autos verantwortlich sind, ist die Qualitätsverbesserung des Rohstoffs aus der größten Anlage für die Produktion von Butyl-Kautschuk in Asien für die Umweltverträglichkeit von Kraftfahrzeugen von erheblicher Bedeutung. Lanxess, bislang bereits Weltmarktführer beim Rohstoff für die Reifenproduktion und Lieferant aller großen Reifenhersteller weltweit, rechnet mit zusätzlichem Absatz. Durch die neue Anlage in Singapur kann Lanxess die Produktion von synthetischem Kautschuk um 100 000 Tonnen auf knapp 400 000 Tonnen pro Jahr steigern.

Asien als wichtigstes Wachstumsfeld

Weltweit expandiert der Reifenmarkt um durchschnittlich drei Prozent pro Jahr. In China, dem seit einem Jahr größten Automarkt der Welt, werden für die nächsten zehn Jahre Wachstumsraten von neun Prozent jährlich angenommen, in Indien sechs Prozent. In dem Maße, in dem die Motorisierung zunimmt, steigt auch die Nachfrage nach Autoreifen für das Neuwagen- und für das Ersatzgeschäft. Der weltweit tätige Chemie-Konzern Lanxess, der vor fünfeinhalb Jahren aus dem Bayer-Konzern ausgegliedert wurde, erzielt mit synthetischem Kautschuk aus den beiden Fabriken in Belgien und Kanada einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr. Durch die Produktionsstätte in Singapur wächst dieses Geschäftsfeld in neue Dimensionen. Die Bedeutung der künftigen Produktion in Singapur sowie die Bedeutung des asiatischen Marktes wird durch die Verlagerung der zentralen Geschäftsführung für künstlichen Kautschuk nach Singapur unterstrichen.

Autor: Karl Zawadzky

Redaktion: Henrik Böhme

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