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Kultur

Langweiliges Panzerlein

Die internationale Presse geht mit der deutschen Fußballnationalmannschaft hart ins Gericht. Der Schlafwagen-Sieg gegen Paraguay hat niemanden so wirklich überzeugt.

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Freistoßduell der Torhüter:
Chilavert contra Kahn

Kein Spiel bei der Fußball-WM, das nicht dazu taugte, im internationalen Blätterwald für deftige Schlagzeilen zu sorgen. Der mühsame Achtelfinalerfolg der Mannschaft von Rudi Völler gegen die rustikale Kicker aus Paraguay verschaffte den Journalisten wieder mächtig Munition.

"Deutschland, Du Langweiler", titelt die spanische Sportzeitung AS und ergänzt in weiser Kenntnis um die Mentalität der Deutschen, "aber so sind sie nun einmal." Und meint gemeinerweise vom Fußball auf das Wesen der Deutschen schließen zu können – oder umgekehrt. Aber die Spanier müssen es ja wissen, schließlich kennen sie den Deutschen an sich doch in- und auswendig: 13,5 Millionen deutsche Urlauber suchen an Spaniens Küsten jedes Jahr Sonne, Strand und Sangria und geben dafür rund 8 Milliarden Euro aus - wer sich da nicht kennen lernt, ist selber schuld.

Typisch deutsch?

Der Sunday Telegraph, berühmt für die oft geschmacklos anmutenden Titel, geht eigenartig zahm mit den deutschen Kickern ins Gericht: "Typisch deutsch", schreibt die englischen Gazette, "eine mäßige Vorstellung, aber ein Tor zur rechten Zeit." Das klingt fast schon ein wenig resigniert. Ganz so, wie die Einschätzung vom ehemaligen englischen Superstar Gary Lineker. Der meinte gar: "Fußball ist wenn 22 Spielern hinter dem Ball herrennen und der Gewinner am Ende Deutschland heißt."

Einzig in Italien bemerkt man, dass Europa zusammenwächst. So beansprucht das Zentralorgan der italienischen Sportberichterstattung, Gazetto dello Sport, einen Teil der Glorie für Italien. "Matchwinner Oliver Neuville mit italienischer Mutter", heißt es da stolz und bedeutet doch eigentlich: ohne italienische Schützenhilfe hätten es die Deutschen ohnehin nicht geschafft. Nur die Konkurrenz von Tuttosport spendet der deutschen Fußballseele ein wenig Trost: "Neuville sorgt für Gerechtigkeit. Deutsche dominieren und schaffen spät das verdiente Tor."

Armselige Nullnummer

Dass derlei Darstellungen nicht ungeteilte Zustimmung finden muss, beweist die französische Sportzeitung L'Equipe: "Ein armseliges Spiel. Diese Begegnung gehört zu den größten Nullnummern der WM-Geschichte." Mangelnder Spielwitz und ein einziger Geistesblitz genügten nach Ansicht der französischen Presse um ins Viertelfinale vorzudringen.

Genug von der lieben Gastgeberrolle hatte offensichtlich auch das japanische Blatt Yomiuri Shimbun. Etwas doppeldeutig urteilen die Experten dort, "Deutschland höchst effektiv, aber stumpfsinnig. Es hat der WM eine spezielle Ausstrahlung nach Südkorea mitgebracht." Die Mainichi Daily bringt es dann auf den Punkt: "Ein miserables, enttäuschendes Spiel. Einziger Höhepunkt war das Freistoßduell zwischen den Torhütern Chilavert und Kahn – aber auch das missglückte."