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Ostmitteleuropa

"Langeweile und Dilettantismus"

- Wahlwerbung in Tschechien – Wahlthema "nationale Interessen" sorgt für Vorsprung der konservativen ODS

Prag, 4.6.2002, RADIO PRAG

RADIO PRAG, deutsch, 4.6.2002, Silja Schultheis

Wahlen 2002 - seit ein paar Tagen werden die tschechischen Bürger täglich auch per Werbung in den öffentlich-rechtlichen Medien daran erinnert. Doch die Wahlspots der Parteien sind, kaum dass sie auf dem Bildschirm bzw. im Äther erschienen sind, bei Medienkritikern bereits gnadenlos durchgefallen. Soviel Langeweile und Dilettantismus habe sie schon lange nicht erlebt, sagte die Reklame-Psychologin Jitka Vysekalova der Tageszeitung "Mlada fronta Dnes." (...) Denn die meisten Parteien beschränkten sich in ihrer Werbung auf die Aufforderung "Wählen Sie uns", ohne dem Bürger plausibel zu machen, warum er dies eigentlich tun sollte.

(...) Die regierende sozialdemokratische Partei (CSSD) setzt auf Gesichter - neben ihrem Spitzenkandidaten Vladimir Spidla auf die beim Volk beliebte Petra Buzkova sowie Innenminister Stanislav Gross. Die Demokratische Bürgerpartei ODS ruft - für eine konservative Partei nicht unbedingt üblich - die Wähler auf, gemeinsam einem neuen Schicksal entgegen zu gehen.

Und die Koalition aus Freiheitsunion und Christdemokraten (US/KDU-CSL)? Sie lässt einen Bürger zu Wort kommen, der enttäuscht feststellt, er habe sich letztes Mal gegen die Linke mobilisieren lassen - mit der Folge, dass diese Dank der rechten ODS dennoch an die Regierung kam. Eine klare Anspielung auf den so genannten Oppositionsvertrag zwischen Sozial- und Bürgerdemokraten. Um eine ähnliche Konstellation zu vermeiden, wähle er diesmal die Koalition. (...) (ykk)

RADIO PRAG, deutsch, 4.6.2002, Martina Schneibergova

Das Schlagwort der so genannten "nationalen Interessen" hat sich hierzulande besonders in der letzten Zeit zu einem äußerst beliebten Wahlthema entwickelt. Worum geht es bei der "Verteidigung der nationalen Interessen", die zum Beispiel von den Bürgerdemokraten (ODS) auf ihren Wahlplakaten proklamiert wird?

Die staatliche Souveränität, die jedoch mit der fortschreitenden europäischen Integrität an Bedeutung verlieren wird, ökonomische Konkurrenzfähigkeit, aber auch das Recht, zum Beispiel den in Tschechien populären Olmützer Stinkkäse vor den EU-Bürokraten zu verteidigen.

Wie eine vom Wochenmagazin "Tyden" vor kurzem durchgeführte Umfrage unter tschechischen Politikern belegt, ist es höchst schwierig, die nationalen Interessen zu definieren. Und verteidigen müsse man sie offensichtlich vor allem vor den Nachbarn.

Der Politologe Bohumil Dolezal von der Karlsuniversität in Prag hält das Wahlthema der nationalen Interessen, obwohl diese nur wenig konkret definiert werden, für erfolgreich:

(...) Die Partei, die diese Motive am stärksten durchsetzt, die ODS, liegt auf erster Stelle. Die Sozialdemokraten CSSD, die in diesem Sinne eher instinktive Chauvinisten sind als bewusste, liegen auf zweiter Stelle und die so genannte Koalition, die sich ein wenig zurückhaltend verhielt, aber keinen Mut hatte, sich gegen diese Tendenzen klar auszusprechen, ist weit zurückgeblieben." (...) (ykk)

  • Datum 05.06.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2OBg
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