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Deutschlehrer-Info

Langeweile bei der Schullektüre

Wenn im Deutschunterricht „aktuelle“ Literatur behandelt wird, sollen Schüler meist Bücher lesen, die 50 Jahre oder älter sind. Zeitgenössische Werke spielen an deutschen Schulen kaum eine Rolle.

Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt oder Wolfgang Borchert – so heißen die modernsten Autoren, deren Werke im Deutschunterricht gelesen werden. Nur sind ihre Bücher z. T. über 50 Jahre alt. Die heutige Lebenswelt der Schüler sieht anders aus. Sie interessieren sich folglich auch für andere Themen .

Wie kommt es dazu, dass keine neueren Werke ausgewählt werden? Und wer ist zuständig? In Deutschland sind das für die Prüfungsthemen die Kultusministerien der Bundesländer. Die Bildungsstandards erarbeitet die übergeordnete Kultusministerkonferenz (KMK). Die wiederum stützt sich auf Ergebnisse der Literaturwissenschaft. – Klingt kompliziert? Ist es auch. Vor allem macht es die einzelnen Auswahlprozesse sehr langsam. Da nimmt man lieber wieder das Buch, das bereits bekannt und bewährt ist.

Zwar heißt „neu“ oder „modern“ nicht zwangsläufig „besser“ für die Schüler. Trotzdem ist eine größere Themenvielfalt wünschenswert. Viele Jugendlichen lassen sich heute z. B. für „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt oder „Homo Faber“ von Max Frisch nicht mehr auf Anhieb begeistern. Auf der Suche nach Alternativen greifen etliche Deutschlehrer bei jüngeren Schülern inzwischen zu Jugendbüchern. Die Leselust zu wecken, steht für sie im Zentrum ihrer Auswahl. Denn wer sich erst einmal fürs Lesen begeistert, dessen Interesse lässt sich leichter auf schwierigere Themen lenken.

Geht es um zeitgenössische Literatur in der Schule, müssen die Wünsche der Jugendlichen stärker berücksichtigt werden. So sucht z. B. die Stiftung Lesen schon länger nach Wegen, um die Lust der Schüler an Lektüre und Literatur zu steigern: Sie hat einen Lehrerclub mit inzwischen 30.000 Mitglieder ins Leben gerufen und wünscht sich eine noch bessere Zusammenarbeit mit den Schulen, ­ auch, um noch mehr über die Bücher zu erfahren, die Schüler heute interessieren oder begeistern können.