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Deutschland

Langer Marsch bis zur Integration

Seit mehr als drei Jahren sind Frauen im Truppendienst der Bundeswehr im Einsatz. Sie fliegen Hubschrauber oder kämpfen als Panzergrenadier. Von Integration kann allerdings keine Rede sein.

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Militärischer Streitfall: Der Zopf

In der Bundeswehr sind Frauen schon lange Zeit aktiv. Waren sie zunächst ausschließlich als zivile Mitarbeiterinnen in der Wehrverwaltung tätig, wurden Bewerberinnen von 1975 an als zugelassene Ärztinnen oder Apothekerinnen eingestellt. 1991 kam der Militärmusikdienst hinzu. Ein Jahr später durften Spitzensportlerinnen außerdem Mitglied in der Sportfördergruppe der Bundeswehr werden.

Mit Beginn des Jahres 2001 standen Frauen alle Laufbahnen in der Bundeswehr offen. Die neuen beruflichen Möglichkeiten stießen schnell auf großes Interesse: Nach Angaben der Bundeswehr dienen zurzeit etwa 9800 Soldatinnen in den Streitkräften, das sind rund fünf Prozent aller Berufs- und Zeitsoldaten.

Während die Bundeswehr "eine problemlose Aufnahme und Akzeptanz der Frauen" attestiert und von "hoher Motivation", "großem Ehrgeiz" und "ausgeprägter Leistungsbereitschaft" die Rede ist, bleiben die negativen Vorfälle ungenannt.

Bericht des Wehrbeauftragten

Im Bericht des Wehrbeauftragten zeigt sich ein realistischeres Bild: Demnach wurden im Jahr 2002 insgesamt 75 Fälle von Verstößen gegen das "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" bekannt. In Einzelfällen habe es sich dabei sogar um massive Gewaltanwendung gehandelt.

So wurde ein Obergefreiter wegen Vergewaltigung einer Bewerberin zu mehr als fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Beinahe wäre der Fall vertuscht worden, weil die zuständigen Stellen den Übergriff zunächst nicht gemeldet hätten, heißt es im Bericht.

Die erste Hubschrauber-Einsatzpilotin der Bundeswehr

Soldatinnen steuern inzwischen auch Hubschrauber

In einer weiteren Beschwerde geht es um einen betrunkenen Oberleutnant zur See, der sich nackt neben eine schlafende Soldatin gelegt hatte. Als die Frau wach wurde, versuchte der Offizier sie zu küssen, verließ den Raum jedoch nach Aufforderung durch die Frau.

"Einzelfälle"

Für einen engen Mitarbeiter des Wehrbeauftragten, der nicht mit Namen genannt werden will, seien die Beschwerden von Soldatinnen allerdings "quantitativ als auch qualitativ nicht wesentlich unterschiedlicher als bei Männern".

Und auch der Wehrbeauftragte kommt in seinem Bericht zu dem Fazit: "Die geschilderten Vorfälle sind Einzelfälle. Frauenfeindliche Übergriffe sind in der Bundeswehr nicht die Regel."

Neben diesen alarmierenden Beispielen sind kleinere Diskrepanzen, welche die Integration erschweren, eher amüsant. Da ärgern sich Soldaten, wenn sie viel zu oft und viel zu früh zum Friseur müssen, während ihre Kameradinnen lange Haare tragen dürfen.

Zur Klärung des Sachverhaltes wurde deshalb beim Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr sogar ein "Gutachten zur Haar- und Barttracht von Soldaten" in Auftrag gegeben.

Bei der Kopfbedeckung ist die Bundeswehr hingegen schon fortschrittlicher. "Die Kopfbedeckung der weiblichen und männlichen Soldaten bei der Luftwaffe ist vereinheitlicht worden", schreibt der Wehrbeauftragte in seinem Bericht, "eine solche Maßnahme trägt zur Integration der Frauen bei."

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