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Sport

Langer Anzug trotz 40 Grad

Am Sonntag (26.07.2009) beginnen bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom die Beckenwettbewerbe. Trotz tropischer Hitze tragen die meisten Athleten dabei einen langen schwarzen Anzug.

US-Schwimmstar Michael Phelps bei den Olympischen Spielen von Peking in der 4X100m Lagenstaffel. (Bild: AP)

In Peking noch ohne Anzug: Superstar Michael Phelps

Wer wird der Star dieser Schwimm-Weltmeisterschaften? Michael Phelps, Britta Steffen, Aaron Peirsol oder doch Adidas, Speedo oder TYR? In einer Sportart, in der über Jahrzehnte nur Technik, Ausdauer und Muskelkraft über Medaillen entschieden, hat seit kurzem die Hochtechnologie Einzug gehalten.

Britta Steffen freut sich in Berlin während der Deutschen Meisterschaften der Schwimmer in Berlin über ihren Sieg über 50 Meter Freistil. Foto: dpa

"Das krasseste Teil, das ich je anhatte" - Britta Steffen über ihren Schwimmanzug

Die Athleten tragen schwarz - vom Hals bis zu den Knöcheln sind sie in lange, hautenge Anzüge gewandet, die den Wasserwiderstand reduzieren sollen. Je nach Hersteller und Modell klappt das auch in beeindruckendem Ausmaß. Jüngst, bei den deutschen Meisterschaften, purzelten die Rekorde beinahe im Minutentakt, und zwar besonders bei den Teilnehmern, die Konfektionsware aus dem Hause mit den drei Streifen trugen. Und so werden die Schwimmerinnen und Schwimmer auch bei zu erwartenden Temperaturen von 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten des Römer Sportzentrums die wenig erotischen, aber sehr hydrodynamischen Anzüge tragen.

Biedermann fordert Phelps

Paul Biedermann nach seinem Europarekord über 200 Meter Freistil, aufgestellt in Monaco am 14. Juni 2009 (Foto: AP)

Die deutsche Antwort auf Michael Phelps: Paul Biedermann

Paul Biedermann, seit Kurzem Europarekordhalter über 200 Meter Freistil, ist einer der Profiteure dieser Entwicklung. Denn sein größter Konkurrent über diese Strecke, der US-Amerikaner Michael Phelps, seines Zeichens 14maliger Olympiasieger, ist vertraglich an eine andere Firma gebunden, deren Material derzeit kaum wettbewerbsfähig ist. So dürfte Phelps nach seinem Höheflug in Peking und dreimonatiger Sperre wegen Rauchens einer Wasserpfeife (bzw. deshalb, weil er sich dabei von der Presse erwischen ließ), in Rom wieder auf dem Boden oder im Wasser gelandet sein. Der 24-Jährige wird bei den Weltmeisterschaften neben den 200 Metern Freistil nur die beiden Schmetterlings-Strecken über 100 und 200 Meter bestreiten und dazu die Staffeln. Zu mehr kann er sich momentan nicht motivieren.

Die Wettbewerbe im 50-Meter-Becken des Foro Italico dürften diesmal also nicht zur One-Man-Show avancieren. Vielleicht aber kann einer Frau dieser Veranstaltung ihren Stempel aufdrücken. Britta Steffen, bereits in Peking bei den Olympischen Spielen zweimal mit Gold dekoriert, gilt auch in Rom als heiße Anwärterin auf mindestens einen Titel. Über 100 Meter schwamm sie bei der DM Weltrekord - obwohl sie ihr Training zu Gunsten ihres Studiums deutlich reduziert hat. Aber Steffen erfreut sich seit ihren Olympiasiegen ("Ich habe ja schon das Größte erreicht, was ein Sportler erreichen kann") einer unglaublichen Lockerheit, die ihr das Siegen leicht macht. Warum sollte sie also nicht auch in Rom wieder als Erste anschlagen. Erstaunlich ist, dass eine ihrer größten Herausforderinnen über die Schnellkraftdisziplin 50 Meter Freistil schon 42 Jahre alt ist. Dara Torres hat die harten US-Ausscheidungen auch diesmal wieder überstanden und möchte im hohen Alter noch mehr als Platz zwei wie 2008 in Peking.

Keine Prämien bei Erfolg

Die Schwimmerin Daniela Samulski posiert am Samstag, 14. April 2007, nach ihrem Sieg ueber 50 Meter Schmetterling bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin mit ihrer Goldmedallie. (Foto: AP)

Gold gibt´s wohl nur mit neuem Weltrekord - Daniela Samulski, Favoritin über 50 Meter Rücken

Neben Steffen und Biedermann hat der DSV noch zwei weitere Medaillenkandidaten: Der frisch gebackene Europarekordler über 100 Meter Brust, Marko Koch, sollte, wenn er seine Leistung nur annähernd bestätigen kann, ebenso vorne mitschwimmen wie Daniela Samulski. Die Rückenspezialistin hält den Weltrekord über 50 Meter, ist sich aber ebenso wie Britta Steffen durchaus bewusst, dass diese Bestmarke nach den Titelkämpfen von Rom wohl keinen Bestand mehr haben wird. Wer Gold will, muss die bestehenden Marke geradezu pulverisieren, angesichts der rasanten Entwicklungen auf dem Materialsektor. Insgesamt rechnet der Deutsche Schwimmverband im Freiwasserbecken von Rom mit vier Medaillen. Die Gewinner gehen übrigens finanziell diesmal leer aus. Der Verband ist finanziell klamm, wurde doch der Ausrüstervertrag mit Adidas im vergangenen Jahr gekündigt - weil sich die Athleten damals noch lauthals über das unterlegene Anzugsmaterial beschwert hatten...

Autor: Tobias Oelmaier
Redaktion: Olivia Fritz

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