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Filme

Lange Tradition: Der deutsche Filmpreis

Er gilt als deutscher "Oscar" und wer ihn bekommt, der erhält viel Geld, zum Beispiel für das nächste Filmprojekt. Der deutsche Filmpreis ist der höchstdotierte deutsche Kulturpreis - ein Rückblick.

Statuette des Deutsche Filmpreises Goldene Lola

Mal war es ein Band, eine Schale, mal eine goldene Dose oder ein Zweig. Der deutsche Filmpreis ist schon in den verschiedensten Formen an die Sieger überreicht worden. Zurzeit ist es eine Statuette in Form einer weiblichen Figur. "Lola" wird sie auch genannt, in Anlehnung an Marlene Dietrichs Rolle in "Der blaue Engel" und Tom Tykwers Kinoerfolg "Lola rennt".

Der deutsche Filmpreis ist der wohl mit Abstand wichtigste Preis der Branche hierzulande und auch der traditionsreichste. Seit Beginn der 1950er Jahre wird er verliehen - in ganz unterschiedlichen Kategorien. Und auch die haben sich im Laufe der Jahre verändert. Früher gab es sogar mal eine Auszeichnung für den "Besten Problemfilm" - heute undenkbar. Dafür werden jetzt Preise in vielen technischen Kategorien verliehen, ähnlich wie beim US-Vorbild "Oscar".

Heinz Ruehmann als Schuster Wilhelm Voigt als Hauptmann von Koepenick (AP Photo/Stiftung Deutsche Kinemathek)

Einer der frühen Siegerfilme: Der Hauptmann von Köpenick

Fachjury statt Proporzdenken

Verändert haben sich im Laufe der Zeit auch die Verleiher des Preises. War es früher das Innenministerium, ist es heute die Deutsche Filmakademie. Bis zum Jahre 2004 saßen in einer Kommission, die die Trophäen verlieh, Vertreter der Kirche und der Politik - ganz demokratisch und verschiedene gesellschaftliche Gruppen abbildend. Heute sind es die Mitglieder der Akademie, man verlässt sich inzwischen also auf das Urteil von Fachleuten.

Zum Preis geht es in zwei Runden. Zunächst werden in den einzelnen Kategorien Filme und Regisseure, Schauspieler und andere Filmschaffende nominiert, später dann werden aus dieser Auswahl die Sieger bestimmt. Auch das ist ein Verfahren, das man vom "Oscar" kennt. Wer am Ende eine "Lola" in den Händen hält, darf sich freuen. Mit insgesamt 2,85 Millionen Euro ist der Preis der höchstdotierte Kulturpreis in Deutschland. Das Geld wird aber in der Regel für ein nächstes Projekt ausgegeben, insofern sind die Auszeichnungen Bestandteil der hiesigen Filmförderung.

Szene aus dem Film Die Brücke mit Junge vor Panzer (KINOWELT - DVD-Anbieter)

Noch heute erschütternd: "Die Brücke" von Bernhard Wicki

Starke Filme, aber auch Vergängliches

Schaut man heute auf die Liste der Preisträger in der wichtigsten Kategorie ("Bester Film"), so stößt man auf große Filme, die auch heute noch Bestand haben, aber ebenso auf viele durchschnittliche Werke, und ein paar arge Fehlgriffe sind auch dabei. Doch damit steht der Deutsche Filmpreis nicht allein. Auch über so manche Oscars oder auch die Gewinner der Goldenen Bären (der Filmfestspiele in Berlin) kann man heute nur noch schmunzeln. Was auch nach Jahrzehnten noch ansehbar ist und vor allem künstlerisch wegweisend war, das ist zum Zeitpunkt der Auszeichnung eben noch nicht absehbar.

Ein gutes Händchen bewiesen die Juroren in den Jahren 1960 ("Die Brücke"), 1962 ("Das Brot der frühen Jahre") oder 1966/67 ("Der junge Törless" und "Abschied von Gestern"). Zunächst wurde mit Bernhard Wickis Antikriegsfilm eines der raren herausragenden Werke des deutschen Nachkriegskinos ausgezeichnet, dann spiegelte der Filmpreis den Abschied einer älteren Regiegeneration wider und zeigte, wohin es gehen sollte mit dem deutschen Film.

Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla mit Filmpreis (AP Photo/Edwin Reichert)

Freude über den Deutschen Filmpreis: Fassbinder und Hanna Schygulla

Oscarpreisträger und Komödien

In den 1970er Jahren hatte man nicht so oft Glück mit der Wahl der Besten, sieht man einmal ab von Fassbinders "Katzelmacher" (1970) und natürlich der "Blechtrommel" (1979). Im darauf folgenden Jahrzehnt gehörten das Terroristendrama "Die bleierne Zeit" (1982) und gleich zweimal Wim Wenders zu Recht zu den Ausgezeichneten ("Der Stand der Dinge" und "Der Himmel über Berlin"). Die nächste Dekade verhalf auch Komödien wie "Schtonk" (1992), aber auch künstlerisch schwachen Filmen wie "Der bewegte Mann" (1994) zu Preisehren.

Filmplakat zu Schtonk mit Darstellern Götz George und Uwe Ochsenknecht

Götz George und Uwe Ochsenknecht

In den vergangenen Jahren wurden Filme wie "Die Unberührbare", "Die innere Sicherheit", "Gegen die Wand" und "Das Leben der Anderen" ausgezeichnet. Eine gute Wahl. Ob man sich in ein paar Jahrzehnten aber noch an den Siegerfilm des vergangenen Jahres erinnern wird ("John Rabe"), das werden erst die Zeitläufte zeigen. Wie jeder Kultur-Preis ist auch der Deutsche Filmpreis abhängig von Geschmacksurteilen, persönlichen Vorlieben und spezifischen Moden.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Petra Lambeck

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