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Politik

Lange Schlangen vor Wahllokalen im Iran

Bei der Stichwahl im Iran streiten ein Reformer und ein Konservativer um das Präsidentenamt. Lange Schlangen vor den Wahllokalen lassen eine hohe Wahlbeteiligung erwarten. Beobachter sagen ein knappes Ergebnis voraus.

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Über die Zukunft entscheiden: Präsidentschaftswahl im Iran

46 Millionen Iraner waren dazu aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Nie zuvor war es in einer iranischen Präsidentschaftswahl zu einer Stichwahl gekommen. Aufgrund des starken Andrangs wurde erwartet, dass viele der 40 000 Wahllokale ihre ursprünglichen Öffnungszeiten verlängern würden. Erste Ergebnisse sollen Samstag (25.6.) früh veröffentlicht werden.

Beobachter erwarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Kandidaten: dem als gemäßigt geltenden Ex-Staatspräsident Akbar Haschemi Rafsandschani und dem erzkonservativen Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadi-Nedschad.

Rafsandschani: "Extremismus stoppen"

Präsidentenwahl Iran - Akbar Haschemi Rafsandschani bei der Stimmabgabe

Reformkandidat Rafsandschani bei der Stimmabgabe

Bei der Stichwahl ging es auch um die künftigen Leitlinien der Islamischen Republik in der Innen- und Außenpolitik. Befürworter Rafsandschanis versprechen sich von seiner Wahl Liberalisierungen in der Wirtschaft und zumindest keine Rücknahme der bislang erzielten zaghaften Reformen.

"Ich möchte eine historische Rolle spielen und den Extremismus stoppen", sagte Rafsandschani nach seiner Stimmabgabe. Zudem plädierte der Geistliche dafür, die wegen des Atomstreits angespannten Beziehungen zum Westen zu verbessern. Er wird von Reformern, Studenten und Vertretern der Wirtschaft unterstützt. Seine Wähler kommen Beobachtern zufolge aus der Ober- und Mittelschicht.

Ahmadi-Nedschad: "Armut bekämpfen"

Ahmadi-Nedschad hingegen findet vor allem bei der verarmten Bevölkerung Zustimmung. Die Menschen glauben, dass sich der 48-Jährige ihrer Probleme annimmt. "Ich stimme für Ahmadi-Nedschad, weil er denen die Hände abhacken will, die den Wohlstand des Landes stehlen. Er will Armut und Diskriminierungen bekämpfen", sagte ein Anhänger in einem Wahllokal.

Die Wahlbeteiligung war vor allem in den armen Stadtvierteln der Hauptstadt Teheran vergleichsweise hoch. Dort sind die Anhänger von Ahmadi-Nedschad in der Überzahl. Schon am Morgen hatten sich in diesen südlichen Bezirken lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet. In den reicheren Gegenden im Norden der Stadt war der Andrang hingegen zunächst gering.

Iran Wahlen

Kandidat der Armen: Mahmud Ahmadi-Nedschad

Allerdings wollten viele Iraner, die die erste Runde vor einer Woche boykottiert hatten, diesmal ihre Stimme abgeben. Damit wollen sie ein Sieg Ahmadi-Nedschads verhindern, von dem eine radikalislamische Politik befürchtet wird. Vor allem Wirtschaftsvertreter hatten sich gegen Ahmadi-Nedschad ausgesprochen, der den Aktienmarkt mit einem Glücksspiel verglichen hat und westliche Einflüsse noch stärker als bisher unterbinden will. Im Laufe des Tages bildeten sich folglich auch in wohlhabenden Gegenden längere Warteschlagen.

Ajatollah will Wahlsieger unterstützen

Als einer der ersten gab der oberste religiöse Führer Ajatollah Ali Chamenei seine Stimme ab. Er rief zu einer regen Wahlbeteiligung auf. Ein mit hohem Stimmanteil gewählter Präsident werde für das Ansehen des ganzen Landes gut sein. Der Religionsführer, der nach der Verfassung über dem Präsidenten steht, betonte, er werde den Wahlsieger in jedem Fall unterstützen.

Rafsandschani, der bereits von 1989 bis 1997 Staatsoberhaupt war, hatte im ersten Wahlgang 21,2 Prozent der Stimmen erhalten. Ahmadi-Nedschad war in der ersten Runde überraschend auf 19,1 Prozent der Stimmen gekommen. Wie auch Rafsandschani gab Ahmadi-Nedschad seine Stimme bereits am Vormittag ab. Der populistische Politiker reihte sich dabei in eine lange Schlange vor seinem Wahllokal in einer Moschee ein.

Im Gegensatz zum ersten Wahlgang braucht der Gewinner der Stichwahl nur eine einfache Mehrheit. An der ersten Runde hatten sich nur etwa 63 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. (daw)

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