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Kultur

Lange Hälse, dicke Bäuche, schrille Farben: Manierismus-Ausstellung in Frankfurt

Von Pontormo bis Vasari - in der Ausstellung "Maniera" zeigt das Städel Museum Frankfurt bedeutende Werke des Florentiner Manierismus. Viele der Bilder sind erstmals in Deutschland zu sehen.

Wer in der Kunstwelt auffallen will, der sollte einen eigenen Stil entwickeln. Die Manieristen sind auf diese Weise in die Kunstgeschichte eingegangen. "Elegant, kultiviert, artifiziell", so beschreibt Kurator Bastian Eclercy die Kunst einer neuen Generation von Florentiner Künstlern im frühen 16. Jahrhundert. Sie wollten sich abheben von den großen Meistern der Hochrenaissance wie Leonardo, Michelangelo oder Raffael. Schrille Farben, unproportionale Gliedmaßen, ungewohnte Formen und Blickwinkel zeichnen die Werke dieser Zeit aus. Bastian Eclercy nennt das "kapriziös und extravagant, bisweilen bizarr".

Bronzinos Bildnis einer Dame in Rot zählt zum kostbarsten Besitz des Städel Museums

Bronzinos "Bildnis einer Dame in Rot" zählt zum kostbarsten Besitz des Städel Museums

In der von Eclercy kuratierten Ausstellung "Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici" im Frankfurter Städel Museum sind zahlreiche bedeutende Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der Epoche zu sehen. Ausgangspunkt und Herzstück der Ausstellung ist das "Bildnis einer Dame in Rot" von Bronzino. Es ist nicht nur eins der wertvollsten Bilder, die sich im Besitz des Städel Museums befinden, sondern zählt zu den Schlüsselwerken der Portraitmalerei in Florenz. Erhaben und kühl wirkt das Frauenportrait der Dame im roten Gewand mit ihrem Schoßhündchen. Distanziert blickt sie auf den Betrachter. Eine Wirkung, die der Hofmaler der Medici, Bronzino, gerne in Szene setzte.

Leihgaben aus aller Welt

Maler wie Rosso Fiorentino gingen auch gewagter mit klassischen Motiven um als etwa der Renaissancemaler Raffael. Auch dies zeigt die Ausstellung. Während Raffaels Gemälde "Madonna Esterházy" (um 1507/08) von milden Farben und einem geordneten, schlichten Aufbau geprägt ist, wirkt Fiorentinos "Madonna mit Kind und dem Johannesknaben" (um 1515) dynamischer und frecher: Die Gesichtszüge der beiden Knaben haben etwas von einer Karikatur und bei der Madonna zeichnen sich unter dem roten Kleid Brüste und Bauchnabel an.

Gewagt: Auf Rosso Fiorentinos Gemälde zeichnen sich Madonnas Kurven ab

Das transparente Kleid, in das Rosso Fiorentino seine Madonna hüllte, war für diese Zeit gewagt

Um die stilistische Vielfalt und den Eigensinn der Florentiner Künstler in einer möglichst großen Bandbreite abbilden zu können, zeigt das Städel Museum insgesamt 120 Exponate von Museen aus aller Welt, unter anderem aus dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum of Art in New York und der Staatsgallerie Stuttgart.

Viele bedeutende Bilder stammen natürlich aus Florenz selbst, dem Zentrum des Manierismus. Jacopo Pontormos "Martyrium der Zehntausend", das mit einer intensiven Körperlichkeit menschliches Leid darstellt, stammt aus der Galleria Palatina. Das Bildnis des "Herzogs Alessandro de’ Medici" von Giorgio Vasari, zeigt den Florentinischer Herrscher in einer Ritterrüstung und gehört den weltberühmten Uffizien.

Die Madonna Esterházy des berühmten Renaissancemalers Raffael

Die "Madonna Esterházy" des berühmten Renaissancemalers Raffael

Familie Medici – Machtbesessen und kulturliebend

Die acht Ausstellungsabschnitte präsentieren die Exponate auch in Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt Florenz. Dabei wird vor allem der Einfluss der mächtigen Florentiner Bankiersfamilie Medici auf die Kunst deutlich. Auch die politischen Unruhen jener Zeit, wie die Eroberung Roms durch Karl V. und die zwischenzeitliche Vertreibung der Medici aus Florenz, werden in der Ausstellung aufgegriffen.

Neben Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen wollte Kurator Eclercy zudem die manieristische Architektur nach Frankfurt holen. Dafür baute das Städel Museum den Vorraum der Biblioteca Laurenziana mit Michelangelos berühmtem Treppenhaus in einem Maßstab von 1:3 nach. Das wurde seinerzeit vom Medici-Papst Clemens VII. in Auftrag gegeben.

Der Namensgeber des Manierismus

Portrait des Herzog Alessandro de’ Medici vom Hofmaler Giorgio Vasari

Portrait des Herzog Alessandro de’ Medici vom Hofmaler Giorgio Vasari

Giorgio Vasari war nicht nur ein begabter Künstler und Hofmaler der Medici, sondern ist vor allem für die Kunstgeschichtsschreibung bedeutend. Ihm ist ein eigenes Kapitel in der Ausstellung gewidmet. Die zweite Auflage seines schriftstellerisches Hauptwerks "Viten" von 1568 ist bis dato die erste systematische Abhandlung der Kunstgeschichte. Sie enthält die ersten theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Manierismus. Den Namen prägte übrigens auch Vasari: "Maniera" von "mano" (Hand) bedeutet aus dem Italienischen übersetzt so viel wie "Art und Weise" oder "Stil" und beschreibt die individuelle Handschrift, die die Kunst der Manieristen auszeichnet.

Die Ausstellung "Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici" ist bis zum 05. Juni im Städel Museum in Frankfurt a.M. zu sehen.

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