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Lang lebe die Glühlampe!

Allen ökologischen Argumenten zum Trotz hängt der Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museums an der Glühbirne. Am liebsten würde er sie zum Weltkulturerbe erklären, denn nur sie bringt die Kunst richtig zum Leuchten.

Die Glühbirne Solux MR 16 bringt Glanz in alte Meister (Foto: Daniel Müller / DW)

Bringt Glanz in Alte Meister: die Solux MR 16

Die Besuchergruppe des Kölner Wallraf-Richartz-Museums ist fasziniert. Sie steht vor einem der ältesten Bilder des Museums, der "Wehrdener Kreuzigung". Das Motiv und der Rahmen des Bildes leuchten in satten Farben. Diese intensive Wirkung garantiert ganz allein die richtige Beleuchtung - durch eine kleine Glühbirne. Wie folgender Versuch belegt.

Das Bild verliert seine Tiefe

Glühbirne als Weltkulturerbe

"Wehrdener Kreuzigung"

"Bitte nicht schockiert sein, wenn Sie das Bild gleich ganz anders sehen", warnt Andreas Blühm, der Direktor des Wallraf-Richartz Museums. Dann bittet er einen Techniker, die Beleuchtung auf Leuchtstoffröhren umzustellen. Und in der Tat: Die Röhren, die kaum sichtbar in die Decke eingelassen sind und Tageslichteinfall simulieren sollen, zerstören die ganze Stimmung. Zunächst einmal wird alles viel heller. Schaut man dann aber genauer hin, wirken die Farben des Gemäldes flach und blass. Das Bild verliert seine Tiefe. "Genau dieses Licht kennen Museumsbesucher auf der ganzen Welt", erklärt Blühm: "Sie meinen dann, sie würden die ausgestellten Werke in vollem Glanz sehen. Jetzt wissen Sie, dass es nicht so ist."

Andreas Blühm will die Kunst wieder ins rechte Licht rücken. Deshalb möchte er die Glühbirne zum Weltkulturerbe ernennen. Sie soll verpflichtend für alle Museen werden - jedenfalls so lange, bis eine andere Leuchtquelle erfunden ist, die das gesamte Spektrum des Lichts genauso wiedergeben kann wie die gute, alte Glühbirne.

Das Licht ist nicht farbig

Glühbirne als Weltkulturerbe

Andreas Blühm, Direktor des Wallraf-Richartz-Museums

"Die Glühbirne ist eine ähnliche Erfindung wie das Buch oder das Rad", meint der Museumsdirektor: "Das sind einfach Dinge, die bisher nicht verbessert wurden." Natürlich gebe es andere Lichtquellen, die energiesparender seien wie etwa Neonröhren, "aber sie verfälschen letztlich das Kunstwerk." Dass nur Glühbirnen die ausgestellten Werke in vollem Glanz erstrahlen lassen liegt an der Fähigkeit spezieller Birnen, das gesamte Spekturm des Lichts wiederzugeben. Farbe wird absolut subjektiv von Menschen empfunden. Und der englischen Physikers Isaac Newton wusste bereits, dass Lichtstrahlen nicht farbig sind. Denn Licht fällt mit einer bestimmten Wellenlänge auf ein Objekt. Seine Farbe ist erst dadurch wahrnehmbar, dass es von dem Objekt reflektiert wird. Diese Farbempfindung vollbringt unser Sehapparat bestehend aus Augen, Nerven und Hirnstrukturen. Entsteht im Licht-Spektrum zwischen den Farben Rot und Blau eine Lücke, musss sich das Gehirn des Betrachters die Farben dazu denken. Ein Prozess, der schnell ermüdet.

Wallraf-Richartz Museum

Wallraf-Richartz-Museum Köln

Blühms Ansicht nach entstehen diese Lücken durch Leuchtstofflampen sowie die neuen Energiesparlampen. Auch nicht alle Glühlampen könnten diesen Effekt leisten. Denn manche glühten einfach zu rot und würden die Farbwahrnehmung im wahrsten Sinne einfärben, bemängelt der Kunstexperte. Nur Lampen mit einer speziellen Lichtausstrahlung kommen daher für das Wallraf-Richartz-Museum in Frage.

Licht für die Kunst aus Washington

Andreas Blühm stieß im Jahr 1999 in der National Gallery in Washington auf eine Glühlampe, die das volle Lichtspektrum bietet. Die "Solux MR16" sieht aus wie ein typischer Halogenstrahler mit einem starken Reflektor. Sie beleuchtet nun als Spotlight die meisten Exponate der Sammlung und hüllt alte Meister in ein neues Licht. Noch weiß Andreas Blühm nicht, wie er reagieren wird, wenn die Glühbirne 2012 in der EU verschwunden sein soll. Möglich ist, dass sich das Museum mit einem Vorrat an geeigneten Glühlampen eindeckt. In jedem Fall aber geht er keine Kompromisse in Sachen Beleuchtung ein. "Mein Aufruf für die Glühbirne ist auch eine Mahnung daran zu denken, dass gutes Licht keine Selbstverständlichkeit ist", sagt er: "Mit einer Sparlampe ist es eben nicht getan."

Autor: Daniel Müller

Redaktion: Sabine Damaschke

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