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Fokus Osteuropa

Lang erwarteter Prozessauftakt gegen bosnisch-serbische Paramilitärs

Zehn Jahre sind seit der Anklage wegen Kriegsverbrechen vergangen, fast drei Jahre seit ihrer Festnahme. Nun hat in Den Haag der Prozess gegen Milan und Sredoje Lukic begonnen.

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Ein Tatort: die Brücke von Visegrad

In seinem Eröffnungsplädoyer am 9. Juli sagte Dermot Groome, Ankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals ICTY, Milan Lukic als Anführer einer paramilitärischen Gruppe im ostbosnischen Visegrad und sein Verwandter Sredoje als Mitglied dieser Gruppe hätten einige der grausamsten Verbrechen im Krieg in Bosnien und Herzegowina begangen. Milan Lukic sei im Frühjahr 1992 nach Visegrad gekommen und habe dort die Kontrolle über eine paramilitärische Einheit übernommen, die mit der serbischen Polizei und Einheiten der Streitkräfte zusammenarbeitete, um die einheimische muslimische Zivilbevölkerung zu terrorisieren. Die Bevölkerung nannte diese paramilitärische Organisation Weiße Adler, Tschetnik-Rächer oder die Gruppe aus Obrenovac.

Nur Srebrenica war schlimmer

Teil dieser Gruppe war auch Milans Verwandter Sredoje Lukic, der Polizist in Visegrad war, sagte Ankläger Groome und fügte hinzu: „Von April 1992 bis Oktober 1994 haben Milan Lukic und seine Gruppe hunderte Verbrechen in der Gemeinde Visegrad gegen die nicht-serbische Bevölkerung begangen. Bedauerlicherweise ist die Visegrad-Story eine der erfolgreichsten Geschichten über ethnische Säuberung im ehemaligen Jugoslawien.“ Mehr als 13.000 Einwohner von Visegrad und Umgebung wurden laut Anklage 1992 gewaltsam aus ihren Heimen geschafft oder ermordet. „Statistisch gesehen ist Visegrad im Hinblick auf die Ausrottung der muslimischen Bevölkerung leider der zweitschwerste Fall in Bosnien und Herzegowina. Schlimmer als der Fall Visegrad ist nur Srebrenica“, schloss Ankläger Groome.

Opfer lebendig verbrannt

Milan und Sredoje Lukic sind der persönlichen Beteiligung an der Ermordung von 70 Frauen, Kindern und älteren Menschen angeklagt, die sie am 14. Juni 1992 in ein Haus in Visegrad sperrten und es daraufhin in Brand setzten. Der Anklage zufolge ermordeten sie auf die gleiche Weise weitere 70 Personen aus Visegrad. Die Angeklagten werden auch beschuldigt, gefangene Bosniaken in einem Lager nahe der Kaserne Uzamnica in Visegrad körperlich misshandelt zu haben. Milan Lukic ist zusätzlich angeklagt, eine Frau aus Visegrad und mehrere Bosniaken an der aus dem Roman des Literaturnobelpreis-Trägers Ivo Andric bekannten Brücke über die Drina ermordet zu haben.

Anklage gegen die Lukics wurde 1998 erhoben. Beide waren indes ganze sieben Jahre untergetaucht. Milan Lukic wurde im August 2005 in Argentinien verhaftet, Sredoje stellte sich nur einen Monat später. Milan Lukic ist der einzige Kommandeur einer paramilitärischen Einheit, der vor das UN-Tribunal gebracht wurde.

Dzevad Sabljakovic

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