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Politik

Land unter in Thailands Süden

Während Bangkok von Überschwemmungen weitgehend verschont bleibt, leidet der Süden des Landes. Warum in Thailand nichts mehr geht, wenn die Flut kommt, erklärt Patrick Tippelt.

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Die 200.000 Sandsäcke in Bangkok waren gerade abgebaut, da trifft es den Süden des Landes. Tagelange, sinftlutartige Regenfälle setzen seit über einer Woche Thailands lange Küste unter Wasser. Dutzende von Toten sind zu beklagen. Bundesstraβen stehen hüfthoch unter Wasser. Mehrere Provinzen wurden zu Katastrophengebieten erklärt. Zehntausende verloren ihr Heim, ihr Vieh, ihre Felder. Über 50 Dörfer und Städte kämpfen verzweifelt gegen Springfluten.

Selbst Samui, die ansonsten paradiesische Insel im Golf von Thailand – bisher Zufluchtort für Touristen, die noch immer Angst haben, nach Phuket zu fliegen – traf es unerwartet und schlimm. Bis zu vier Meter hohe Wellen überfluteten Strände, Restaurants und Geschäfte. Brücken wurden unterspült. Die Armee kann viele Dörfer auf der Insel wegen fehlender Boote nicht erreichen. 1500 Touristen mussten vergangenen Freitag auf dem Flughafen Samuis übernachten – kein Flugzeug konnte bei dem starken Regen landen. Es soll die schwerste Flut der letzten 40 Jahre sein.

Verspätete Fluten

Die Wolkenbrüche überraschten viele, denn eigentlich kamen sie einen Monat zu spät. Ende Oktober waren viele Provinzen – darunter auch Bangkok – gerüstet für die Fluten, die erst jetzt Thailand treffen. Entlang Bangkoks Chao Phraya-Fluss waren an über 80 Stellen Deiche aus Sandsäcken errichtet worden. Und so blieb das Zentrum der Stadt auch dieses Jahr wieder von Überflutungen verschont. Die Regierung Thailands hat in den letzten 20 Jahren über 50 Millionen Euro für einen Überflutungswall ausgegeben, der die Innenstadt Bangkoks flutsicher macht. Schlieβlich liegt Bangkok nur einen Meter über dem Meeresspiegel.

Noch vor zwei Jahrzehnten traten Bangkoks Wasserstraβen regelmäβig über ihre Ufer. Mit der urbanen Ausdehnung wurden viele Kanäle trockengelegt, um Platz zu machen für Straβen und Gebäude. Dadurch wurden viele Kanäle blockiert; nach jedem starken Schauer konnte das Wasser nicht ablaufen.

In Flip-Flops ins Büro

Wie vor 20 Jahren sieht es allerdings in den Auβenbezirken der Hauptstadt aus. Dort wiederholte sich auch dieses Jahr wieder ein nicht unsympathisches Spektakel: Fahrgäste entkamen Taxen durch Fenster, jeder verlieβ das Haus mit Flip-Flops und kämpfte sich durch kniehohes, verdrecktes Wasser, und kein Vorgesetzter klagte, wenn man Stunden zu spät zur Arbeit kam. Dank der vorherrschenden Gutmütigkeit lieβ sich dadurch aber kein Thai irritieren.

Was aber in den Randbezirken Bangkoks nur zu Unterbrechen alltäglicher Abläufe führt, hat nun für den Süden verheerende Folgen. Denn ein landesweiter systematischer Hochwasserplan existiert nicht – den gibt es nicht einmal für Bangkok.

Die Regenfälle sollen noch die ganze Woche über andauern. Nur einige Bauern bedauern dies nicht. In Prachinburi, einer Provinz nördlich von Bangkok, spülen die Fluten Krokodile aus ihren Verstecken. Und die sind gutes Geld wert – je nach Länge und Gewicht des Tieres bringen sie dem Fänger bis zu 250 Euro. Laut eines Bauerns muss man für einen solchen Betrag seine Ware wochenlang auf dem Markt unter den Mann bringen.