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Politik

"Land der Freien, Heimat der Tapferen"

Patriotismus und Musik gehen in den USA eng zusammen. An zwei Beispielen zeigt sich jetzt: Einige sind patriotischer, aber nicht eben musikalischer als andere. DW-TV-Korrespondent Konstantin Klein hat hingehört.

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Es gibt gute Gründe für amerikanische Radio-DJs, ein Werk der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik nicht zu spielen. Ein möglicher Grund liegt vor, wenn der Sänger finster vor sich hinbrummelt, statt wirklich zu singen.

Das trifft auf das aktuelle Werk des amerikanischen Country-Rebellen Steve Earle zwar zu, ist aber nicht der Hauptgrund, weshalb der Song voraussichtlich kein Hit wird: der liegt im Text des Stücks begraben. Steve Earle singt nämlich "John Walker's Blues"; John Walker Lindh ist der 21jährige Sohn aus uramerikanischem Hause, der sich den afghanischen Taliban angeschlossen hatte und deshalb die nächsten 20 Jahre in einem US-Gefängnis verbringen wird.

Sänger Earle legt Walker Lindh unter anderem folgende Worte in den Mund: "Wir kamen, den Heiligen Krieg zu führen, mit reinem und starken Herzen. Als Tod die Luft erfüllte, beteten wir, bereit für den Märtyrertod. Doch Allah hatte andere Pläne, geheim und nicht enthüllt, und jetzt schleifen sie mich ins Land der Ungläubigen, einen Sack über dem Kopf."

"Mit reinem und starken Herzen", "ins Land der Ungläubigen" - politisch korrekt ist das nicht wirklich im Jahr eins nach dem 11. September und dem darauffolgenden Krieg. Radio- und Fernsehmoderatoren vergessen ihren Auftrag und nennen den Sänger ganz unmoderiert in einem Atemzug mit Jane Fonda, die zu Zeiten des Vietnamkriegs als "Hanoi-Jane" verschrien war, und mit Walker Lindh selbst.

Earle muss es sich gefallen lassen, vor laufender Kamera als "unpatriotisch" beschimpft zu werden – im derzeit gültigen bürgerlichen Wertesystem der USA ist das fast so schlimm wie die Bezeichnung "Terrorist" selbst. Dem Country-Rebellen müssen die Ohren klingeln – irgendwo in Europa, wo er seit letzter Woche sicherheitshalber Urlaub macht. Dabei übersehen die zahlreichen Kritiker durchaus nicht nur aus Versehen, daß die USA sich unter anderem auf einen sehr weitgefassten Begriff von Meinungs- und Redefreiheit gründeten – der das Recht umfasst, auch mal grandios daneben zu liegen.

Verräterisch ist die vor allem in Talkshows oft geäußerte Ansicht, man befinde sich eben im Krieg, und da gelten nun mal andere Maßstäbe. Offensichtlich auch für verfassungsmäßig garantierte Grundrechte. Da wird es Steve Earle wenig trösten, daß auch sein Kollege Toby Keith mit seiner Aufarbeitung des Schocks vom 11. September bisher wenig Glück hatte.

Sein Song "Courtesy of the Red, White and Blue (The Angry American)", eine vor patriotischer Kampfeslust nur so dröhnende Nummer - Textprobe: "Wir treten Euch in den Arsch – das ist gute amerikanische Art" -, war unter großem Aufsehen aus dem Programm des Fernsehsenders ABC zum Nationalfeiertag geflogen. Zu kämpferisch, hieß es.

Wie man es macht, macht man es falsch.