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Bücher

Land der Dichter und Literaturpreise

Deutschland ist ein Land der Literaturpreise. Wie viele es gibt, weiß niemand genau. Über 300 sollen es sein. Ab Oktober wird es einen weiteren geben: den Deutschen Buchpreis für den besten deutschsprachigen Roman.

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Wer hat noch nicht - wer will noch mal?

Joseph-Breitbach-Preis - schon mal gehört? Oder Roswitha- Preis? Letzterer wird in Bad Gandersheim verliehen und ehrt ausschließlich Schriftstellerinnen. Er gilt als die renommierteste Auszeichnung für Autorinnen und erinnert an die erste deutsche Dichterin Roswitha von Gandersheim, die schreibende Nonne aus dem zehnten Jahrhundert.

Gebildete kennen zumindest den Namen, Joseph Breitbach hingegen sagt auch ihnen nichts. Der 1980 verstorbene Schriftsteller und Mäzen ist heute nahezu unbekannt. Obwohl der von ihm gestiftete Preis mit 50.000 Euro die höchst dotierte Literaturauszeichnung ist. Im vergangenen Jahr bekam ihn der Lyriker und Erzähler Raoul Schrott. Ein von der Kritik hochgeschätzter Autor, der durch den Preis zwar Geld, aber kaum Leser dazu gewonnen hat.

Schmuckwerk: Berühmte Söhne und Töchter

Das ist kein Einzelfall. Vom Schreiben allein kann nur leben, wer hohe Auflagen erzielt und zu den Großen wie Günter Grass oder Siegfried Lenz gehört. Autoren brauchen nebenher einen Brotberuf, müssen kreatives Schreiben unterrichten, für die Medien oder als Übersetzer arbeiten oder eben gelegentlich einen Preis gewinnen.

Städte und Kreise schmücken sich gern mit ihren berühmten Söhnen und Töchtern und loben Preise in deren Namen aus. Greifswald etwa hat Wolfgang Koeppen, Braunschweig Wilhelm Raabe, Stavenhagen Fritz Reuter, Dortmund Nelly Sachs, Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe und Hamburg Hubert Fichte. Weil aber nicht jede Stadt mit einem bekannten Namen aufwarten kann, kommen Stadtväter und Heimatvereine teilweise auf kuriose Ideen.

In Ludwigslust zum Beispiel, wo jährlich der Johannes-Grillhoff-Preis ausgelobt wird. Er geht an Autoren, die sich mit der niederdeutschen Sprache in den USA befassen. Grillhoff war Lehrer und schrieb auf Plattdeutsch im 19. Jahrhundert einen Roman über die Auswanderung von Mecklenburgern nach Amerika. Viele Kandidaten, die für den Preis in Frage kommen, dürfte es nicht geben, so dass die Jury wahrscheinlich jeden ehrt, der diese Thematik auch nur entfernt berührt.

Vom Ehrabschneider zum Preisträger

Gerhard Polt

Gerhard Polt

Der Preissegen bringt seltsame Blüten hervor. 2001 erhielt der Kabarettist Gerhard Polt den Jean-Paul-Preis der Bayerischen Staatsregierung. Ausgerechnet von dem Organ, das ihm 1982 für eine Glosse in Dieter Hildebrands Scheibenwischer eine Rüge erteilt hatte, "wegen verleumderischer und bösartiger Ehrabschneidung", wie es hieß. Die Sendung war damals nicht ausgestrahlt worden. Gerhard Polt rätselte über die Ehrung 19 Jahre später: "Es ist anscheinend doch entweder Einsicht oder Großmut oder einfach ganz raffinierte macchiavellistische Politik - ich weiß es nicht."

Dass sich Autoren kritisch zu ihren Preisen äußern, geschieht selten. Und noch seltener, dass sie die Annahme verweigern wie Jean Paul Sartre 1964 den Literaturnobelpreis. Ein paar Tausend Euro schlägt niemand gern aus. Aber dienen die Literaturpreise eigentlich der Literatur? Bringen sie das Buch oder die Bücher der Geehrten ins Gespräch?

Ehrung und Rezeption

Brigitte Kronauer

Brigitte Kronauer

Bisher beschränkt sich die Wirkung eines Preises allenfalls auf das Image eines Autors. Wer den Büchner-Preis bekommt, wie in diesem Jahr Brigitte Kronauer, genießt hohes Ansehen. In den Medien erscheinen dann Fotos und einige Zeilen zur Biografie, über die Bücher der Preisträger aber erfährt das Publikum wenig oder nichts. Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek, eine ebenso umstrittene wie vielfach geehrte Autorin, hat das sozusagen am eigenen Leib erfahren: "Es gibt ein starkes Missverhältnis zwischen der wirklichen Rezeption meiner Arbeit und diesen Ehrungen und geradezu Verehrungen."

Das will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit dem neu ins Leben gerufenen Deutschen Buchpreis vermeiden. Er will die Preisträger nicht aufs Podest heben, sondern deren Bücher zum Lesen empfehlen, indem er jährlich den besten deutschsprachigen Roman auszeichnet. In der Jury sitzen zwei Autoren, eine Kritikerin, ein Buchhändler und drei Kultur- bzw. Literaturredakteure.

Beteiligen können sich alle Verlage mit zwei Titeln, wobei sich Jury das Recht herausnimmt, noch eigene Bücher auf die Liste zu setzen, wenn sie der Ansicht ist, dass ein wichtiger Roman nicht genannt worden ist. Bisher wurden 124 Titel vorgeschlagen, aus denen die Jury 20 Favoriten auswählen und im August präsentieren wird. Sechs davon kommen ins Finale, auf eine Shortlist im September, aus der dann der Siegertitel hervorgeht, der zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse geehrt wird.

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