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Lammert für Ende der Abgeordneten-Immunität

19. März 2016

Fast Revolutionäres kommt da aus dem Munde des Bundestagspräsidenten: Er hätte nichts dagegen, wenn die Volksvertreter den grundsätzlichen Schutz vor Strafverfolgung verlieren würden. Volker Beck lässt grüßen.

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Bundestagspräsident Norbert Lammert (Foto: Getty Images/AFP/B. Sax)
Bild: Getty Images/AFP/B. Sax

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich dafür ausgesprochen, die Immunität der Parlamentsabgeordneten abzuschaffen. Er sehe "keine Vorteile" in dem laut Verfassung vorgeschriebenen Schutz vor Strafverfolgung, sagte Lammert dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Tatsächlich sei die Immunität oft eher eine Belastung, da die mit der Aufhebung verbundene Berichterstattung "schnell auch den Charakter einer Vorverurteilung annehmen kann".

Blick nach Brandenburg

"Ich persönlich hätte gegen eine Streichung nicht einzuwenden", sagte daher der Bundestagspräsident. Der CDU-Politiker schlug vor, statt der Immunität ein umgekehrtes Verfahren anzuwenden, wie es bereits in Brandenburg für Landtagsabgeordnete gilt. Dort sind strafrechtliche Ermittlungen gegen Parlamentarier jederzeit und ohne besondere Genehmigung möglich. Sie müssen allerdings ausgesetzt werden, wenn der Landtagspräsident, eine Fraktion oder ein Abgeordneter dies mit der Begründung beantragen, sonst werde die parlamentarische Arbeit beeinträchtigt.

Edathy - Erst Aufhebung der Immunität, dann Einstellung des Verfahrens

Anlass für die Äußerungen Lammerts sind die aktuellen Ermittlungen gegen den Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck. Bei ihm sollen Drogen gefunden worden sein, wobei es sich laut Medienberichten um Crystal Meth handeln könnte. Zuvor hatte der Fall des SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy Aufsehen erregt, dessen Immunität in Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Kinderpornografie aufgehoben worden war. Das Verfahren gegen ihn wurde später gegen eine Geldauflage von 5000 Euro eingestellt.

sti/jj (afp, dpa)