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Aktuell Deutschland

Lammert: Bischöfen fehlt der Mut

Bundestagspräsident Norbert Lammert ist Katholik. Mit seiner Kirche aber geht er hart ins Gericht. Auf dem Katholikentag in Mannheim fand er deutliche Worte.

Katholikentag Mannheim (Foto: dapd)

Deutscher Katholikentag Mannheim Rucksack Einen neuen Aufbruch wagen

Zurzeit herrsche in der katholischen Kirche Stagnation statt Aufbruch und das Festhalten an Lehrsätzen habe Vorrang vor der Seelsorge, beklagte der CDU-Bundestagspräsident.

"... geben ihre Einsichten an der Pforte ab"

Die Bischöfe setzten sich zu wenig für die Belange der deutschen Katholiken ein. Es gebe etliche Streitfragen, "in denen die Bischöfe regelmäßig ihre eigenen Einsichten an der Klosterpforte des Vatikans abgegeben haben. Ich vermisse bei ihnen den Mut, den sie von Laien in ähnlichen Fällen wöchentlich einfordern" - so Lammert wörtlich.

Bundestagspraesident Norbert Lammert (Foto: dapd.)

Geht hart mit seiner Kirche ins Gericht - Bundestagspräsident Lammert

Der Bundestagpräsident, der selbst Katholik ist, ergänzte, die Kirchenleitung messe der Dogmatik eine größere Bedeutung zu als der Seelsorge. Außerdem arbeite der Vatikan an einer konsequenten Zentralisierung und nehme damit den Ortsgemeinden ihre Selbstständigkeit.

Lammert: Die Laien werden entmündigt

"Das ist eine faktische Entmündigung der Laien", betonte Lammert. Und: In dieses Bild passe auch, dass der Vatikan in Rom eine Annäherung an die konservative Piusbruderschaft prüfe, während er gleichzeitig auf Distanz zur deutschen Vereinigung "donum vitae" gehe, die Frauen in Schwangerschaftskonflikten zur Seite steht.

Kritik hatte auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken geübt. Verbesserungen seien etwa für Menschen nach Scheidung und Wiederheirat überfällig. Sie dürften nicht am Abendmahl teilnehmen und fühlten sich von ihrer Kirche verlassen. Zudem fordern die Laien den Zugang von Frauen zu kirchlichen Führungspositionen. Vertreter des Klerus lehnten dies jedoch umgehend ab.

60.000 Menschen wollen nach Mannheim kommen

Der am Mittwoch eröffnete Katholikentag dauert bis Sonntag. Erwartet werden rund 60.000 Teilnehmer, darunter zahlreiche Prominente aus Politik und Gesellschaft. Ihr Kommen zugesagt haben neben Bundestagspräsident Norbert Lammert auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Deutschland gehören rund 24,5 Millionen Menschen der römisch-katholischen Kirche an. Die Mitgliederzahlen sind seit Jahren rückläufig.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (Foto: dpa)

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ging bei einem Open-Air-Gottesdienst nicht vorrangig auf die Kritik ein. Stattdessen rief er die Menschen auf, neu aufzubrechen zu einem Leben mit Gott. "Wir spüren: Unser Lebensstil ist nicht zukunftsfähig. So kann es nicht weitergehen", sagte  Zollitsch in seiner Predigt vor rund 17.000 Gläubigen auf dem Mannheimer Schlossplatz.

Ist Konsum alles ?

Der Kirchenführer forderte zum Nachdenken über den Konsum auf. Der Ruf nach immer mehr Wirtschaftswachstum sei nicht das richtige Rezept gegen die Ungerechtigkeiten auf der Welt. Jeder selbst könne einen Beitrag für einen nachhaltigeren Lebensstil leisten, betonte der Erzbischof von Freiburg. "Muss es immer das beste Handy und die neueste Mode sein?"

haz/re (kna, dpa, dapd)