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Lagerfeuerromantik

Am Lagerfeuer sitzen ist romantisch und verspricht keinen Lagerkoller. Atommülllager hat niemand gerne in der Nähe. Sorgfältig gelagert werden wollen Lebensmittel. Hauptsache: Alles ist irgendwie richtig gelagert!

Der Urlaub steht an. Es soll mal etwas Anderes sein als nur Sonne, Strand und sich von einer Seite auf die andere wälzen, um braun zu werden. Die Entscheidung ist klar: Zelt einpacken und auf ins Zeltlager. Allein die Vorstellung von Lagerromantik ist schon berauschend: Holz sammeln für ein Lagerfeuer, Kartoffeln in der Glut garen, selbst gefangenen Fisch über dem Feuer grillen, die Seele baumeln lassen, den politischen Debatten über Zwischenlager für Atommüll und Atommüllendlager eine Zeit lang ade sagen.

Lager = liegen

Ein altes Bett in einem Schloss

Wer wohl auf diesem Bettlager lag?

Aber Halt. Zeltlager? Warum spricht man von einem Lager? Das hört sich so nach Kasernenhof, Militär, Gefängnis an. Wie selbstverständlich nimmt jeder das Wort Lager in den Mund. Woher kommt es? Das Lexikon gibt Aufschluss: Schon im Althochdeutschen ist es als legar, im Mittelhochdeutschen als leger in der Bedeutung verzeichnet, die es heute auch noch hat: als etwas, auf dem man liegen kann. Erst im 14. Jahrhundert erscheint, durch den Reformator Martin Luther verbreitet, die Schreibweise mit "a".

Zu höfischen Zeiten rund 300 Jahre später tummelten sich Verliebte auf einem Liebeslager; Braut und Bräutigam verbrachten zumindest die Hochzeitsnacht auf dem Brautlager. Obwohl sich an dem Zweck heutzutage nichts verändert hat, sind beide Begriffe nur noch in der Poesie zu finden. Bettlägerig wurden die Verliebten aber nur dann, wenn sie wegen einer Krankheit das Krankenlager hüten mussten.

Lagerhaltung

Eine Lagerhalle

Eine ordentliche Lagerhaltung

Die zweite Grundbedeutung des Wortes Lager ist verknüpft mit dem Verb lagern. Gelagert, also aufbewahrt werden Kartoffeln im kühlen Keller, damit sie nicht keimen, ebenso wie Lagerobst. Auch Wein wird gelagert möglichst bei einer bestimmten Temperatur, ebenso wie alle Lagerbier-Sorten.

Eine solche Lagerhaltung erfordert natürlich ab einer bestimmten Menge der zu lagernden Dinge einen Lagerverwalter und jede Menge Lagerarbeiter, egal ob es sich um Getreidelager oder Schuhlager handelt. Auf Lager haben Verkäuferinnen in Schuhläden selten die Antwort, ob ein bestimmtes Paar Schuhe noch in der gewünschten Größe vorhanden ist. Meist verschwinden sie ins Lager, um zu schauen, ob sie die Schuhe noch auf Lager haben.

Verschiedene Lager

Ein Schachbrett, auf dem sich zwei Bauernreihen gegenüber stehen

Ein Lagerwechsel wäre fatal

In verschiedene Lager gespalten sind immer diejenigen, die bei strittigen Themen nicht ein und derselben Meinung sind. Diese Lager können sich dann unversöhnlich gegenüber stehen wie ein Feindlager dem anderen. Mancher wechselt dann auch das Lager, wenn er sich überhaupt nicht mehr wohl fühlt im eigenen Lager oder vom anderen Lager ein besseres Angebot bekommt.

Zuzeiten des Kalten Krieges, als die Welt noch in das westliche und das östliche Lager gespalten war, kam das nicht selten vor. Vielleicht hatte der eine oder andere Spion sein Lager bei Kandelberg aufgeschlagen. Nicht dass es diesen Ort gäbe! Diese mundartliche Redewendung will nur besagen, dass jemand oft in einer Bierschänke oder einem Weinhaus sitzt.

Unschöne Lager

Deutschland Sowjetunion sowjetische Speziallager Fünfeichen

Das stalinistische Internierungslager Fünfeichen bei Neubrandenburg

Mit Lager ist aber auch eine weniger positive Bedeutung verknüpft: es handelt sich dabei um Orte, an denen Menschen weggeschlossen, gefoltert und ermordet wurden – ob es die Konzentrations- und Vernichtungslager der deutschen Nationalsozialisten oder der sowjetische "Gulag" zuzeiten Josef Stalins gewesen sind.

Diejenigen, die überlebten, verarbeiteten ihre Erlebnisse zum Beispiel in Büchern, auch Lagerliteratur genannt. Eines davon ist "Der Archipel Gulag" des 2008 verstorbenen russischen Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn. Wallensteins Lager gehört nicht zur Lagerliteratur. Der so bezeichnete erste Teil von Friedrich Schillers Trilogie "Wallenstein" beschreibt, wie das einfache Volk ihren Feldherrn, den Fürsten Wallenstein, sieht.

Auf ins Ferienlager

eine Frau sitzt an einem Lagerfeuer und spielt Gitarre

Lagerfeuer-Blues ...

"Hallo! Hallo? Hallohallo!!! Seit wann führst du beim Packen fürs Ferienlager Selbstgespräche? Im Übrigen hast du den Lagerkoller vergessen. Können wir uns jetzt mal darüber unterhalten, welchen Lagerplatz wir uns aussuchen?"

Nachdem wir das geklärt hatten, ging es endlich los. Am ausgesuchten Lagerplatz angekommen, wird das Zelt aufgeschlagen, Fische werden gefangen, das mitgebrachte abgelagerte Lagerholz angezündet, die Gitarre ausgepackt.

Lagerfeuerromantik

Während die Fische auf dem Rost brutzeln, ich ins lodernde Lagerfeuer blicke, kommt mir Heinrich Heines Gedicht in den Sinn: "Wenn ich auf dem Lager liege, in Nacht und Kissen gehüllt, so schwebt vor mir ein süßes, anmutig liebes Bild. Wenn mir der stille Schlummer, geschlossen die Augen kaum, so schleicht das Bild sich leise hinein in meinen Traum. Doch mit dem Traum des Morgens zerrinnt es nimmermehr; dann trag ich es im Herzen den ganzen Tag umher." Echte Lagerfeuerromantik!

Fragen zum Text

Kann jemand das Bett nicht verlassen, dann …

1. wird jemand gelagert.

2. ist jemand bettlägerig.

3. muss er aufs Lager.

Verlässt jemand eine Partei und wird Mitglied in einer anderen Partei, …

1. geht jemand in ein anderes Lager.

2. beantragt jemand eine Lagerschaft

3. wechselt jemand das Lager.

Als Vernichtungslager bezeichnet werden …

1. Konzentrationslager, in denen hauptsächlich Juden ermordet wurden.

2. die Internierungslager unter Josef Stalin.

3. Endlager, in denen Atommüll vernichtet wird.


Arbeitsauftrag

Lesen Sie "Wallensteins Lager" von Friedrich Schiller. Sie finden es als PDF zu diesem Text. Verteilen Sie die einzelnen der elf Auftritte in der Klasse unter den Schülen und Schülerinnen. Jede Gruppe soll eine Inhaltsangabe des ihr zugeteilten Teils erstellen. Anschließend werden die Texte in der Reihenfolge der Auftritte vortragen.

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Eva-Maria Höttecke

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