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Politik

Lage in Nadschaf entspannt sich

Nach dem Ende der dreiwöchigen Krise in Nadschaf haben die Einwohner am Samstag (28.8.) mit den Aufräumarbeiten begonnen. Die US-Streitkräfte wollen ihre Stellungen in der irakischen Pilgerstadt aber noch nicht aufgeben.

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Zentrum des Geschehens: Die Imam-Ali-Moschee in Nadschaf


Einen Tag nach dem Rückzug der schiitischen Mehdi-Miliz aus Nadschaf haben sich die wichtigsten schiitischen Geistlichen des Irak zu Beratungen über die Lage in der Stadt getroffen. "Wir haben noch nicht alle friedlichen Lösungen ausgeschöpft, um die Besatzung zu beenden", sagte am Samstag (28.8.2004) ein Sprecher des schiitischen Würdenträgers Baschir el Nadschafi, nachdem Großayatollah Ali el Sistani ihn empfangen hatte.

Kein bewaffneter Kampf mehr

Die höchste religiöse Instanz der Schiiten, die Mardschaija, lehne den bewaffneten Kampf gegen die US-Armee weiterhin ab, sagte der Sprecher von Großayatollah Nadschafi. "Wenn sich eines Tages herausstellt, dass keine Diskussionen mehr möglich sind, dann wird der bewaffnete Kampf eine Option." Großayatollah Sistani hatte Nadschafi einzeln empfangen. Der höchste schiitische Würdenträger hatte zuvor mehrere Vertreter der Mardschaija zu sich geladen, unter ihnen auch die beiden Großayatollahs Said el Hakim und Ischak el Fajad, wie Sistanis Sprecher Hamad Chaffaf sagte. Die vier Großayatollahs sind die wichtigsten schiitischen Geistlichen im Irak.

Auf Vermittlung El Sistanis war am Donnerstag ein vorläufiges Friedensabkommen mit dem radikalen Schiitenprediger Moktada el Sadr zu Stande gekommen. Sadrs Miliz hatte sich daraufhin aus der seit Monaten besetzten Imam-Ali-Moschee zurückgezogen, die Kontrolle

über die Altstadt Nadschafs übernahm die irakische Polizei. Das Abkommen schien auch am Samstag zu halten.

Iran will Aufbauhilfe leisten

Die iranische Organisation zum Schutz der Kulturstätten will unterdessen Restauratoren nach Nadschaf entsenden und alle Kosten für die Reparaturen übernehmen, wie die iranische Presse berichtete. Der Leiter der Organisation, Hodschatolleslam Schahmoradi, warf den US-geführten Truppen im Irak vor, die Pilgerstätten des Irak, insbesondere in Nadschaf, "mitleidlosen Angriffen" auszusetzen.

Bei den Kämpfen zwischen den US-Truppen und ihren irakischen Verbündeten mit Sadrs bewaffneten Anhängern in der zentralirakischen Pilgerstadt wurde auch die Moschee mit dem Schrein des Imam Ali beschädigt. Die irakische Regierung hatte Teheran in der Vergangenheit wiederholt beschuldigt, die radikalschiitischen Aufständischen zu unterstützen, was die iranische Führung stets bestritt.


Angriff auf INC

Irakische Polizisten und US-Soldaten durchsuchten die Büroräume des prominenten schiitischen Politikers Ahmed Tschalabi in der Hauptstadt Bagdad, wie ein führendes Mitglied des Irakischen Nationalkongresses (INC) am Freitag dem in Katar ansässigen Fernsehsender El Dschasira sagte. "Gebäude und Büros des INC wurden gestern angegriffen." Alle Mitglieder der Partei seien aufgefordert worden, die Räume zu verlassen. Tschalabi war Anfang August wegen Betruges und Verbreitung von Falschgeld verhaftet worden.

Bei einem Luftangriff der US-Armee in der irakischen Stadt Falludscha starben am Freitagabend fünf Menschen. Weitere 32 Menschen seien verletzt worden, als das Militär den Ort bombardiert habe, verlautete am Samstag aus Ärztekreisen. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder. In der Innenstadt von Mossul erschossen Unbekannte eine Hochschullehrerin. Die Akademikerin war nach Angaben der Polizei auf dem Weg zur Universität, als Unbekannte das Feuer auf ihren Wagen eröffneten. (ali)

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