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Nahost

Lage im Gazastreifen wird "immer schlimmer"

Am 27. Dezember 2008 begann der Gaza-Krieg. Bei der sogenannten "Operation Gegossenes Blei" wurden innerhalb von drei Wochen mehr als 1400 Palästinenser und 13 Israelis getötet. Eine Bilanz - ein Jahr nach Kriegsbeginn.

Zerstörtes Gebäude in Gaza-Stadt (Archivfoto: AP)

"Wir wünschen uns keinen Krieg. Wir wünschen uns Ruhe und Frieden." Durch den Sehschlitz seiner Maske blickt Abu Ubaida in den blauen Himmel über Gaza. Dort kreisen israelische Drohnen. "Doch wenn sie uns einen neuen Krieg aufzwingen, dann sind wir bereit, uns den Zionisten in den Weg zu stellen." Abu Ubaida ist Sprecher der Al-Kassam Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas.

Anhänger der Hamas (Foto: AP)

Anhänger der Hamas

Die Hamas gibt sich kämpferisch, bereit für einen neuen Krieg. Dabei sind die Spuren des letzten noch gar nicht beseitigt: Viele Häuser in Gaza liegen in Schutt und Asche. Tausende von Familien sind obdachlos, leben in Containern oder sind bei Verwandten untergeschlüpft.

Auch Majid Asamna wohnte monatelang mit seiner Familie in einem Zelt. Sein Haus wurde während des Gaza-Kriegs vom israelischen Militär zerstört. Inzwischen ist die Familie in eine kleine Hütte aus Erdziegeln umgezogen. Gebaut und finanziert vom UN-Flüchtlingshilfswerk und gedacht als vorläufige Lösung. Asamna aber ist skeptisch: "Wir werden hier niemals einen richtigen Wiederaufbau haben. Ich bin sicher, wir werden für immer in diesen provisorischen Unterkünften leben."

Hilflose Helfer

"Die Situation wird immer schlimmer", sagt auch Adnan Abu Hasna, Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNWRA) in Gaza-Stadt. "Von Wiederaufbau können wir nicht sprechen, da sind die Aktivitäten gleich null." Das UN-Flüchtlingshilfswerk in Gaza ist für viele der Kriegsopfer die erste und oftmals auch einzige Anlaufstelle, an die sie sich wenden können. Offiziellen UN-Angaben zufolge zerstörten oder beschädigten die israelischen Streitkräfte während der dreiwöchigen Militäroperation 22.000 Häuser und Wohnungen.

Palästinensische Kinder in einem zerstörten Haus im Juni 2009 (Foto: AP)

Palästinensische Kinder in einem zerstörten Haus im Juni 2009

Die UNWRA, so sagt deren Sprecher Abu Hasna, habe gehofft, dass Israel nach dem Krieg die totale Wirtschaftsblockade lockern würde, damit Baumaterialien wie Zement, Stahl, Backsteine, Fensterrahmen, Glas und ähnliches für den Wiederaufbau angeliefert werden könnten. Doch trotz gegenteiliger Zusagen hätten die israelischen Behörden nichts geändert.

Kollektive Bestrafung?

Bislang konnte nach Einschätzung von Entwicklungshelfern lediglich ein Bruchteil der Schäden an Häusern, ziviler Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften repariert werden. Bis auf wenige Ausnahmen dürfen weder die Zivilbevölkerung noch die UN- und Hilfsorganisationen im Gazastreifen Materialien wie Zement und Glas importieren. "Alle Bewohner des Gazastreifens werden durch die Blockade für die Taten einiger Weniger bestraft", kritisiert der örtliche Vertreter von medico international, Tsafrir Cohen.

Opfer eines israelischen Luftschlags (Archivfoto: AP)

Opfer eines israelischen Luftschlags

Die israelische Blockade des Küstenstreifens hat die Armut nach Einschätzung der Hilfsorganisationen sprunghaft erhöht. 80 Prozent der Menschen im Gazastreifen sind demnach von Hilfe abhängig. Durch die Militäroffensive wurden zudem 17 Prozent der Agrarfläche zerstört.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Aus israelischer Sicht aber war der Gaza Krieg ein Erfolg. Seit dem Ende der Operation "Gegossenes Blei" hat sich die Hamas zurückgehalten und die Zahl ihrer Raketenangriffe um 90 Prozent reduziert. Gleichzeitig aber haben die Islamisten offenbar massiv aufgerüstet. Angeblich besitzen sie inzwischen Raketen mit einer Reichweite von über 60 Kilometer. In Zukunft könnte die Hamas also auch Tel Aviv und den internationalen Flughafen Ben Gurion treffen. Vor dem Gaza-Krieg war das noch nicht möglich. Und so kann die Gewalt jederzeit wieder eskalieren. Wenn es sein muss, teilte die israelische Armee mit, sei auch sie bereit, erneut gegen die Hamas in den Krieg zu ziehen.

Autor: Nils Naumann (rtr, apd, afp, ard)

Redaktion: Frank Wörner

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