1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Lage für Rebellen in Aleppo wird immer bedrohlicher

Es sieht düster aus für die gemäßigten Rebellen im syrischen Aleppo. An mehreren Seiten greifen Assad-Truppen die Aufständischen an, zudem rückt die IS-Miliz vor. Die Rebellen rufen nun nach rascher Hilfe wie in Kobane.

Eine Niederlage der gemäßigteren Rebellen in der strategisch wichtigen nordsyrischen Stadt Aleppo wäre ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad. Doch genau das könnte bald passieren, fürchten die Aufständischen. Die Viertel unter Kontrolle der Regimegegner liefen Gefahr, von der Außenwelt abgeschnitten zu werden, sagte ein Aktivist der Freien Syrischen Armee (FSA) mit dem Kampfnamen Abu Jazan al-Halabi der Nachrichtenagentur dpa. Truppen des Assad-Regimes hätten im Norden von Aleppo Schlüsselpositionen eingenommen und zögen den Belagerungsring immer enger.

In Aleppo gab es am Freitag neue Kämpfe zwischen Regimegegnern und der Armee, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Die Armee beherrscht die größten Teile der Stadt, Rebellen kontrollieren jedoch Viertel im Nordosten. Ihre einzige Verbindung nach außen ist eine Route nach Norden Richtung Türkei. Die syrische Luftwaffe bombardiere täglich diese Nachschubroute, sagte Abu Jazan. Die Strecke werde deshalb "Todesroute" genannt.

Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist auf die Stadt vorgerückt. Fachleute gehen davon aus, dass sich die gemäßigteren Rebellen von einer Niederlage dort kaum erholen könnten. Die USA wollen diese Kräfte eigentlich aufrüsten und trainieren, damit sie gegen den IS vorgehen.

Hilfe wie in Kobane?

Der Aktivist Abu Jazan forderte von der internationalen Gemeinschaft, die FSA mit Luftabwehrwaffen auszurüsten. Auch der Präsident des oppositionellen Regionalrates von Aleppo, Abdul-Rahman Dadam, warf der internationalen Gemeinschaft vor, die Rebellen im Stich zu lassen. Mit Luftangriffen versuchten die USA und ihre Alliierten, die nordsyrische Kurdenstadt Kobane zu retten, sagte er der dpa und fragte: "Warum eilen sie nicht nach Aleppo und retten die Stadt davor, in die Hände es Regimes zu fallen?" Mit ihrem Schweigen erlaube die internationale Gemeinschaft Assad, das Töten fortzusetzen, betonte Dadam.

Hilfsmannschaften eilen nach einem syrischen Bombenangriff durch Aleppo (Foto: AFP)

Hilfsmannschaften eilen nach einem Bombenangriff der syrischen Luftwaffe durch Aleppo

Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten bombardieren seit mehreren Wochen IS-Stellungen in Syrien und im benachbarten Irak. Die Truppen des syrischen Regimes verschonen sie aber – zum Unmut der Rebellen, die im Assad-Regime den Hauptgegner sehen. Am Dienstag hatte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius zur Unterstützung der Opposition in Aleppo aufgerufen.

Unterdessen soll US-Präsident Barack Obama nach einem Bericht des "Wall Street Journal" dem Iran Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit im Kampf gegen die IS-Milizen signalisiert haben. Er habe bereits Mitte Oktober einen geheimen Brief an den obersten Führer in Teheran, Ajatollah Ali Chamenei, geschrieben, meldet die Zeitung. Voraussetzung einer Kooperation sei aber eine Einigung bei den Verhandlungen im Atomstreit mit Teheran, die bis Ende November dauern sollen.

Die Redaktion empfiehlt

Der Feind meines Feindes

In Washington gibt es seit längerem Spekulationen, dass Iran und die USA ihre Kräfte im Kampf gegen den IS bündeln könnten. Hintergrund: Die meisten Iraner sind Schiiten, die Terrormilizen sind Sunniten. Die Bekämpfung der Terrormiliz gehört auch zu den strategischen Zielen Teherans.

Das Weiße Haus wollte zu den Berichten über einen Brief Obamas zunächst nicht Stellung nehmen. Regierungssprecher Josh Earnest sagte, er könne nichts zu "privaten Korrespondenzen" des Präsidenten sagen. Er betonte allerdings, die USA würden im Kampf gegen die Terrormilizen nicht militärisch mit dem Iran zusammenarbeiten. Man gebe auch keine Erkenntnisse der Geheimdienste weiter. Die Sicherheitsberaterin Susan Rice erklärte später, es gebe keine militärische Koordination mit dem Iran zur Bekämpfung des IS.

Noch mehr Milliarden Dollar

Vertreter des US-Verteidigungsministeriums kündigten derweil an, dass Obama den Kongress um weitere 3,2 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) zur Finanzierung der Luftangriffe auf die IS-Milizionäre bitten werde. Das Geld solle die Kosten für die benötigten Bomben und Raketen decken sowie für die Bewaffnung und Ausbildung der irakischen Armee genutzt werden. Laut Pentagon kostet der Einsatz gegen die Dschihadisten täglich 8,3 Millionen Dollar.

Im Süden Syriens gab es heftige Kämpfe zwischen islamistischen Rebellen und regierungstreuen Milizen. Bei den Gefechten in der mehrheitlich drusischen Bergregion von Beit Tima an der Grenze zum Libanon seien 26 Kämpfer der regierungstreuen nationalen Verteidigungskräfte und 14 Rebellen der Al-Nusra-Front und anderer Islamistengruppen getötet worden, berichtete die oppositionsnahe Beobachtungsstelle.

kle/mak (dpa, afp, rtr, ape)

Audio und Video zum Thema