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Wirtschaft

Lagarde bleibt IWF-Chefin

Christine Lagarde ist einer der einflussreichsten Frauen in der internationalen Finanzwelt. Und sie bleibt es: Der Internationale Währungsfonds hat die 60-Jährige für eine zweite Amtszeit an seiner Spitze bestätigt.

Christine Lagarde ist und bleibt die Grand Dame der Finanzwelt. Dabei ist die Französin an den Schalthebeln der internationalen Finanzmacht als Frau eher eine Ausnahmeerscheinung. Sie ist seit 2011 und nach dem unrühmlichen Abgang ihres Landsmannes Dominique Strauss-Kahn die erste weibliche Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der hat am Freitag eine zweite Amtszeit für seine geschäftsführende Direktorin bestätigt. Weil es keine anderen Kandidaten gab, bestand auch kein Grund, mit der Entscheidung bis zum spätesten Zeitpunkt Anfang März zu warten.

Lagarde hatte im Januar angekündigt, dass sie für eine zweite Amtszeit antrete. Deutschland hatte wie viele andere Staaten - darunter die USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, China und weiteren Schwellenländern - diesen Schritt begrüßt. Auch Russland hatte erklärt, die Französin habe sich als erfolgreiche Chefin in einer schwierigen Zeit für die Weltwirtschaft und für den Fonds selbst erwiesen.

Nicht in allen Ländern beliebt

In ihrer Funktion ist die Frau mit der grauen Kurzhaarfrisur zu einer der zentralen Figuren in der Euro-Schuldenkrise geworden. Doch vor allem in schuldengeplagten Ländern wird ihr Name nicht überall gern gehört. Viele Menschen in Griechenland, aber auch in anderen Ländern wie Irland oder Portugal, werfen dem IWF unter Lagardes Führung vor, zu strikte Bedingungen für die Gewährung von Hilfskrediten zu stellen.

Die 1956 in Paris geborene Französin gilt als gut vernetzte, geschickte Verhandlerin, als frühere Synchronschwimmerin kann sie sich auf ihren langen Atem verlassen - schließlich hat sie schon als 15-jährige die Bronzemedaille bei den französischen Meisterschaften gewonnen. Vor ihrer Laufbahn beim Washingtoner Weltwährungsfonds hatte sie sich als Anwältin einen Namen gemacht: Von 1999 bis 2004 leitete sie die US-Kanzlei Baker & McKenzie, die in ihrer Amtszeit kräftig gewachsen ist.

Als Finanzministerin umstritten

In die Politik kam sie 2007, als der französische Präsident Nicolas Sarkozy die gelernte Juristin, Ökonomin und Amerikanistin auf den Posten der Wirtschafts- und Finanzministerin holte. Unangenehm dürfte für die zweifache Mutter eine Auseinandersetzung mit der französischen Justiz werden. Nach jahrelangen Ermittlungen soll sie nach dem Willen einer Untersuchungskommission vor Gericht - Grund ist eine undurchsichtige Zahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie während ihrer Amtszeit als Wirtschaftsministerin in Paris. Doch Lagarde hat schon angekündigt, dies anzufechten.

Schon im vergangenen Jahr war eine Debatte darüber entbrannt, ob nach dem Ende der Ära Lagarde noch der Tradition gefolgt werden soll, dass ein Europäer dem IWF und ein Amerikaner der Weltbank vorsteht. Der IWF-Vize, der US-Amerikaner David Lipton, hatte der BBC gesagt, die nächste Ernennung werde komplett auf den Qualifikationen der Kandidaten beruhen. Deswegen sei es wahrscheinlicher als je zuvor, dass ein Lagarde-Nachfolger aus einem nicht-europäischen Land komme.

Mehr Einfluss für die Schwellenländer

Vor wenigen Wochen erst wurde zudem die größte Reform in der rund 70-jährigen Geschichte des IWF vereinbart. Dabei sollen Schwellenländer - allen voran China - mehr Einfluss in der mächtigen Finanzorganisation bekommen. Dem Machtanspruch Chinas und dessen wachsender Bedeutung für die Weltwirtschaft trug die Französin Rechnung, indem sie einen vierten Vizeposten im IWF-Direktorium für den Chinesen Zhu Min schuf, der zuvor als Sonderberater für Strauss-Kahn tätig war. Zu ihrem ersten Stellvertreter machte Lagarde den Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, David Lipton.

Während das internationale Ansehen Lagardes stieg und 2009 mit einer Auszeichnung als "Beste Finanzministerin der Eurozone" (Financial Times) dokumentiert wurde, galt ihre wirtschaftspolitische Bilanz im eigenen Land als eher bescheiden. Im Dezember 2008 brachte die Regierung ein Konjunkturprogramm im Volumen von 26 Milliarden Euro auf den Weg, das unter anderem Staatshilfen für die Automobilindustrie vorsah.

Obwohl Frankreich den Höhepunkt der globalen Wirtschaftskrise, auch dank der robusten Inlandsnachfrage und eines großen öffentlichen Sektors, noch relativ glimpflich überstand, erreichten 2010 das Haushaltsdefizit sieben und die Staatsverschuldung 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Dazu lag das Außenhandelsdefizit bei 51,4 Milliarden Euro.

wen/ul/bea (dpa, rtr, munzinger)