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Wirtschaft

Lady in Tech

Auf der Cebit in Hannover sind Frauen keine Seltenheit - sofern es um Messehostessen und Unternehmergattinen geht. Deutlich rarer: Firmenlenkerinnen, die in ihrer Branche etwas zu sagen haben.

"Normal, aber nicht naturgegeben" fühle es sich an, bei Branchenveranstaltungen die einzige Frau im Raum zu sein. Das schreibt die CEO des Technologieunternehmens The Marketing Zen Group, Shama Kabani, in ihrer aktuellen Kolumne im Forbes Magazin. Ihr Thema: "How to get more women in Tech" ("Wie man mehr Frauen in die Technologiebranche bekommt"). Längst hat sie sich an die Männer in den dunklen Anzügen gewöhnt, die sie - zum Beispiel bei der Consumer Electronic Show in Las Vegas - mal umringen, mal an den Rand drängen. Sie ist der Meinung, dass sich an diesem Exotenstatus etwas ändern muss.

Deutschland liegt noch hinter den USA, was den Anteil von Frauen in technischen Berufen angeht - aber "es wird definitiv besser", sagt IBM-Geschäftsführerin Martina Koederitz auf der Cebit in Hannover. Die gegenwärtige Entwicklung hin zu Projekten, Beratungsthemen mit Social Businesses, Big Data und Mobility komme den Frauen entgegen: "Wir können damit weibliche Talente in Zukunft besser ansprechen."

Cebit-Kaffeebecher Foto: DW/J.Schmeller

Frauen zieren die Cebit-Kaffeebecher und Messestände. Männer dominieren die Chefetagen

Kreatives Potential erkennen

Auf der Cebit-Veranstaltung "Women in Tech" konnten sich Frauen über dieses Thema austauschen. "Wir arbeiten in einem harten Umfeld, man braucht ein dickes Fell, aber das brauchen die männlichen Kollegen auch", sagt etwa Beatriz Butsana-Sita, Top-Managerin bei der britischen Telekom (BT) und dort zuständig für die Erschließung internationaler Märkte. Der Telekommunikationssektor sei hart umkämpft, die Konkurrenz groß. Aber: "Wenn du deinen Job magst, kannst du auch Erfolg haben."

Nina Wegner, CEO der BT Global Services, identifiziert dagegen spezifisch weibliche Herausforderungen, die es Frauen schwer machen, im IT-Sektor durchzustarten: "Nach wie vor sind die Umfelder, die in den Unternehmen geboten werden, nicht gerade frauenfreundlich. Dabei haben wir eigentlich die Technologien dafür." Telearbeitsplätze und Gleitzeitmodelle seien allerdings nur eine Voraussetzung, um technische Berufe für Frauen weltweit attraktiver zu machen. "Die andere ist das weibliche Selbstvertrauen: Wir müssen Frauen stärken, sich das auch wirklich zuzutrauen."

Sie selbst hat Kommunikationswissenschaften studiert, "weil ich mich für Wege interessiert habe, zu kommunizieren, das technische Interesse kam dann später dazu". Und sie möchte Frauen Mut machen, das kreative Potential technologischer Berufe zu erkennen.

Top-Managerinnen Beatriz Butsana-Sita (li.) und Nina Wegner von den British Telecommunications. Foto: DW/J.Schmeller

Einige wenige Vorbilder gibt es: Die Top-Managerinnen Beatriz Butsana-Sita (li.) und Nina Wegner von den British Telecommunications gehören dazu

Noch aber sind Frauen in sogenannten MINT-Berufen - also in den Jobs rund um die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - unterrepräsentiert. Ein Grund sind eingeschränkte Berufsaussichten und fehlende Aufstiegschancen. Der Mangel an Rollenvorbildern gehört für Technikstrategin Kabani aber auch dazu.

"Start younger", startet jünger, fordert sie in ihrer Kolumne. Schülerinnen sollten intensiver für naturwissenschaftliche Fächer begeistert werden. Bücher, Filme und Medien müssten Ingenieurinnen und Softwaretechnikerinnen zeigen. Und Unternehmen müssten sich gezielt um junge weibliche Führungskräfte bemühen. Anders, glaubt Kabani, klappt es nicht.

Langsamer Ausgleich

So lag die Arbeitslosenquote bei Ingenieurinnen nach einer Untersuchung des Berliner Zentrums für Sozialwissenschaften noch 2005 doppelt so hoch wie bei den männlichen Kollegen. 2013, keine zehn Jahre später, kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes immerhin zu dem Ergebnis, dass seither Anzahl der angestellten Naturwissenschaftlerinnen um 44 Prozent gewachsen ist - bei den Ingenieurinnen allerdings nur um rund 25 Prozent.

Auch unter den jungen Gründern in Cebit-Halle 16 trifft man an diesem Tag nur eine einzige Frau: die 33-jährige Dorothea Utzt von Streetspotr. Sie hat sich früh für Technik begeistert, war schon am Gymnasium im Informatikkurs. Unter ihren Kunden zählt sie heute allerdings deutlich mehr Männer, rund 80 Prozent. Frauen seien keine "early adopter", die sich spontan für ihre neue App begeistern ließen.

Dorothea Utzt, Streetspotr. Foto: DW/J.Schmeller

Frau am Rechner: Die Junggründerin Dorothea Utzt hatte keine Angst vor der Selbständigkeit

Statt Vorbildsuche - Vorbild sein

Noch ist die Gründerszene eine männliche. "Wenn man andere weibliche Gründerinnen bei Events trifft, ist es wie ein kleiner Club", erzählt Utzt. "Wir entwickeln dann immer Strategien, wie man junge Frauen bei Neugründungen fördern könnte." Wenn zum Beispiel eine Gründerin einen Preis gewinnt, würde das auch andere motivieren, selbst zu gründen, glaubt sie.

IBM-Deutschland-Chefin Martina Koederitz hält einen tiefgreifenden Wandel gerade in den Informationstechnologien nicht nur für denkbar, sondern für nötig und absehbar: "Ich glaube, dass das, was wir gerade in der digitalen Revolution erleben, von Diversity lebt - und davon, dass unterschiedliche Gedanken und die Kreativität der Menschen mit unterschiedlichsten Blickwinkeln zusammengetragen wird."

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