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Musik

"La Milva" ist 75

Als Seeräuber-Jenny machte sie sich Mitte der 1960er Jahre einen Namen in der Musikwelt. Mit niveauvollen Schlagern wurde sie zum Star in Deutschland. Nach einer langen Karriere denkt Milva jetzt an ihr Privatleben.

Mit dem Lied "Freiheit in meiner Sprache" sang sich Milva 1979 endgültig in die Herzen des deutschen Publikums. In ihrer italienischen Heimat war sie damals schon ein gefeierter Star. Dort hatte sie 1961 ihre erste Langspielplatte aufgenommen, nachdem sie zuvor beim renommierten Musik-Festival von San Remo den dritten Platz belegt hatte. Für die junge und damals noch unbekannte Künstlerin war der Auftritt in San Remo ein großer Erfolg und der Start einer glänzenden Karriere.

Aus Maria-Ilva wird Milva

Am 17. Juli 1939 wurde sie als Maria-Ilva Biolcati in Goro, einer italienischen Kleinstadt an der nördlichen Adriaküste geboren. Ihre ersten Auftritte absolvierte die hübsche rothaarige Frau ab Mitte der 1950er Jahre. Ihr Künstlername Milva ist eine Zusammensetzung ihrer Vornamen Maria-Ilva. Die Sängerin begeisterte ihr Publikum durch ihre Ausstrahlung und mit ihrer außergewöhnlichen Stimme.

Sängerin Milva (Foto: picture-alliance/United Archives)

Ihre Welt ist die Bühne

1965 holte sie der bekannte italienische Theaterregisseur Giorgio Strehler an sein "Piccolo Teatro" in Mailand. Milva erinnert sich an diese wichtige Station in ihrer Laufbahn noch sehr gut: "Giorgio Strehler machte mich mit dem Repertoire von Bert Brecht und Kurt Weill bekannt. Er gab mir den Anstoß dazu, ihre Lieder zu singen. Ich beschäftigte mich sehr intensiv mit den Stücken und sie begeisterten mich sehr.

Ich sang und interpretierte sie mit viel Gefühl. Ich liebe die Gedichte von Bert Brecht, mag die Musik von Eisler und Weill. Ich spielte die "Dreigroschenoper" in Italien und in Paris. Das Theater wurde zu meiner großen Leidenschaft und ich habe sehr viel und sehr eng mit Giorgio Strehler zusammengearbeitet."

Mit Brecht und Weill zu Weltruhm

Sängerin Milva 2006 (Foto: imago/Christo Libuda)

2006 bei einer Brecht-Gala im Berliner Ensemble

In der Rolle der Seeräuber-Jenny aus Brechts berühmtem Bühnenwerk "Dreigroschenoper" überzeugte Milva nicht nur das Publikum, sondern auch die Fachwelt. Ihre Bert Brecht-Interpretationen machten die italienische Sängerin weltweit bekannt und verhalfen ihr zu einem glänzenden Renommee. Sie gab Konzerte an der Mailänder Scala, der Pariser Oper, in der Royal Albert Hall in London und an der Deutschen Oper in Berlin.

Besonders zum deutschen Publikum baute Milva eine enge und intensive Beziehung auf, veröffentlichte 1977 mit "Auf den Flügeln bunter Träume" ihre erste Langspielplatte mit deutschsprachiger Unterhaltungsmusik. Darunter Stücke von Friedrich Hollaender oder Peter Kreuder. Den großen Durchbruch schaffte sie 1978 mit der Langspielplatte "Von Tag zu Tag" und ein Jahr später mit dem Album "Was ich denke". Darauf präsentierte sie niveauvolle Lieder von Mikis Theodorakis oder Ennio Morricone.

Die deutschen Texte lieferte der vielbeschäftigte deutsche Autor Thomas Woitkewitsch, der für die italienische Sängerin zum Freund und engen Berater wurde. "Ich habe mit Thomas damals sehr lange und intensiv über die Auswahl der Lieder gesprochen, denn ich wollte mich mit den Stücken identifizieren können. Ich habe das auch danach immer so gehalten, denn es machte mir viel Freude mit den Autoren meiner Lieder zu sprechen und mit ihnen an meinen Stücken zu arbeiten.", sagt Milva rückblickend. Sich selbst hat sie allerdings immer nur als Interpretin gesehen. Eigene Lieder hat sie nicht geschrieben.

Karriere statt Privatleben

Milva arbeitete unermüdlich. Fünfzig Jahre lang. Für ihr Familienleben hatte sie kaum Zeit. Das bekam auch ihre 1963 geborene Tochter Martina zu spüren, die oft auf ihre Mutter verzichten musste. Milva gab ein Konzert nach dem anderen, nahm 173 Alben in verschiedenen Sprachen auf und präsentierte sich auf vielen dieser Alben mit neuen Ideen und wartete mit überraschendem Repertoire auf.

Astor Piazzolla & Milva 1986 in Monaco(Foto: picture-alliance/Bildarchiv)

"La Milva" mit Astor Piazzolla, dem Erfinder des Tango Nuevo, im Jahr 1986 in Monaco

Sie sang mit dem Erneuerer des argentinischen Tango, dem 1992 verstorbenen Astor Piazzolla, nahm französische Chansons auf und begann eine langanhaltende Zusammenarbeit mit ihrem Landsmann, dem innovativen Liedermacher Franco Battiato. Mit ihm nahm sie 1989 das Album "Una Storia Inventata" – "Eine erfundene Geschichte" auf. Vor vier Jahren veröffentlichte Milva ein weiteres Album mit Stücken ihres italienischen Kollegen Franco Battiato.

Muße statt Musik

In den letzten Jahren hat sich Milva mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Aus gesundheitlichen Gründen, wie sie sagt. Hin und wieder absolviert sie aber doch noch Auftritte auf der Konzertbühne oder vor der Fernsehkamera. Ihre vielen Fans in Deutschland machte sie vor zwei Jahren mit einem Auftritt in der beliebten TV-Unterhaltungsshow "Musikantenstadl" glücklich. Aber solche Auftritte sollen die Ausnahme sein, denn nach ihrem arbeitsreichen Leben möchte sie mehr Zeit für ihr Privatleben haben, das in der Vergangenheit sehr durch die Karriere gelitten hat.

"Ich brauche einfach etwas mehr Zeit für mich. Ich stand mein ganzes Leben lang unter einem enormen Druck, habe zu viel gearbeitet. Ich möchte die Welt bereisen, andere Arten von Musik und andere Religionen kennenlernen. Ich habe viele Länder besucht, aber immer nur beruflich. Ich hatte nie Zeit, diese Länder wirklich kennenzulernen. Bisher drehte sich in meinem Leben alles nur ums Singen, Singen, Singen, das war's. Die Zeit fließt nur so dahin und man hat kaum etwas davon gehabt", sagt die 75-jährige Sängerin.

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