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Filme

L.A. Crash - Sozialkritik Made in USA

Am Sonntag (5.3.) wurde er als bester Film des Jahres ausgezeichnet: "L.A. Crash". Jetzt kommt er in die deutschen Kinos. Wieder. Diesmal mit Erfolg?

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Viele sehen in diesem Streifen Rot

36 Stunden in der Stadt der gefallenen Engel. Der ganz normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Es beginnt mit einem scheinbar harmlosen Auffahrunfall. Zwei farbige Jungs reißen sich später die Luxuskarosserie eines ehrgeizigen Staatsanwalts unter den Nagel. Dessen Frau stirbt fast vor Angst. Ein Streifenpolizist lässt seinen Frust an unschuldigen Verkehrsteilnehmern aus, ein gedemütigter iranischer Ladenbesitzer kauft sich eine Waffe. Es ist kurz vor Weihnachten, aber in den endlosen Straßenschluchten leuchtet nirgends ein Stern. Keine Hoffnung. Nur ein fünfjähriges Mädchen wird von einer Fee mit einer kugelsicheren Weste beschützt. Los Angeles kann sehr kalt sein.

Oscar Bildgalery Foto 8/25

Stolz wie Oskar: Crash-Regisseur Paul Haggis

Der Oscar-gekrönte Streifen stammt von Paul Haggis, der bereits das Drehbuch für Clint Eastwoods prämiertes Boxerdrama "Million Dollar Baby" geschrieben hatte. Haggis entwirft in seinem hochkarätig besetzten Debütfilm als Regisseur das vielschichtige Panorama einer Metropole zwischen Hysterie und Depression.

Beim ersten Kino-Auftritt gab's wenig Interesse

In Deutschland wollten den bereits im Sommer 2005 in die Kinos gekommenen Film lediglich 220.000 Zuschauer Kinofans sehen. Weltweit spülte der mit einem für Hollywood-Verhältnisse winzigen Budget von 6,5 Millionen Dollar produzierten Streifen aber nach Angaben des Filmverleihs Universum 83,4 US-Dollar (69,3 Millionen Euro) in die Kinokassen.

"Wir wollten 'L.A. Crash' eigentlich schon nach der Nominierung für die Golden Globes noch einmal auflegen, aber viele Kinos hatten Bedenken, weil es den Film ja auch schon auf DVD gibt", sagt Jasna Vavra von Universum zum neuen deutschen Kinostart mit 50 Kopien. Nachdem viele Rezensenten "L.A. Crash" als einen der besten Filme des Jahres gelobt hätten und jetzt der Oscar diese Einschätzung kröne, sei dies natürlich kurzfristig doch noch machbar. "Sicherlich wollen viele Filmfans 'L.A. Crash' im Kino sehen", meint Vavra.

Filmszene L.A. Crash

Szenenbild mit Thandie Newton und Matt Dillon

Ein gutes Dutzend Charaktere bevölkern dieses ambitionierte Asphaltdrama, namhafte Schauspieler wie Don Cheadle, Brendan Fraser, Matt Dillon, Jennifer Esposito oder Sandra Bullock spielen sehr glaubwürdig Menschen am Rande der Verzweiflung.

Jede Menge heiße Eisen

Der Vergleich mit großen Vorläufern drängt sich auf, zum Beispiel Robert Altmans geniale "Short Cuts" (1993), Curtis Hansons "L.A. Confidential" (1997) oder Paul Thomas Andersons apokalyptische Endzeitvision "Magnolia" (1999) - auch wenn "L.A. Crash" nach Ansicht mancher Kritiker an diese Klasse nicht heranreicht, was Hollywood mit der Oscar-Vergabe aber ganz anders sieht.

Haggis entwirft in 113 Minuten einen ehrgeizigen Episodenfilm, um in schnellen Szenen seine Geschichten zu erzählen. Nicht nur Sandra Bullock als frustrierte Anwaltsgattin Jean Cabot hat dabei wenig Gelegenheit, um die Charakterolle mit Leben zu füllen.

Dafür wird über Rassismus doziert, der Zuschauer erfährt einiges über das marode Gesundheitssystem der USA, Korruption bei der Polizei wird ebenso thematisiert wie die Probleme des multikulturellen Miteinanders. "L.A. Crash" packt jede Menge heiße Eisen an, um sie schnell wieder fallen zu lassen. Am Ende einer langen Nacht schneit es in der Stadt der Engel, und dies allein wirkt dann schon wie ein kleines Wunder. (wga)

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