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Deutschlehrer-Info

„Lügenpresse“ – ein Unwort mit langer Geschichte

Das Wort gehörte schon zum Vokabular der Nazis – und ist doch zum Unwort des Jahres 2014 gewählt worden: Als „Lügenpresse“ beschimpft zurzeit vor allem die sogenannte Pegida-Bewegung die deutschen Medien.

Tausende Menschen gehen seit Oktober 2014 vor allem in der sächsischen Stadt Dresden auf die Straße, um gegen das zu demonstrieren, was sie „Islamisierung“ nennen. Dabei sind nur 0,4 Prozent der Einwohner Sachsens Muslime. Doch Tatsachen wie diese, auf die auch die Medien immer wieder verweisen, werden von der der sogenannten Pegida-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) meist geleugnet. Stattdessen bezeichnen viele Demonstranten die Medien als „Lügenpresse“.

Diesen Begriff hat nun eine unabhängige Jury aus 733 verschiedenen Einsendungen zum Unwort des Jahres 2014 gekürt. Um von der „Sprachkritischen Aktion“ gewählt zu werden, muss ein Begriff zum Beispiel gegen das Prinzip der Menschenwürde oder gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen oder einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren. „Mit dem Ausdruck ‚Lügenpresse‘ werden Medien pauschal diffamiert“, begründete die Sprachwissenschaftlerin und Jury-Vorsitzende Nina Janich zur diesjährigen Wahl. „Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit.“ Janich vermutet, dass der Begriff gezielt von Rechtsextremen verwendet wird, um Pegida zu steuern.

Denn das Wort hat eine Vorgeschichte, die laut Janich nicht jedem der Demonstrationsteilnehmer von heute bewusst sei: Bereits im Ersten Weltkrieg war „Lügenpresse“ ein Kampfbegriff, um kritische Medien zu verunglimpfen. Die Nazis griffen diesen Begriff später wieder auf und bezeichneten damit alle Zeitungen, die ihre Weltanschauung nicht teilten. Und auch in der DDR wurden Medien oft als „westliche Lügenpresse“ bezeichnet, wenn sie kritisch über den Staat berichteten.

Außerdem rügte die sechsköpfige Jury den Ausdruck „erweiterte Verhörmethoden“, mit dem die CIA ihre Folter legitimiert, und den Begriff „Putin-Versteher“, „weil er das positive Wort ‚verstehen‘ diffamierend verwendet.“ Andere polemisierend als „Versteher“ zu kritisieren, sei unsachlich und könne die inhaltliche Diskussion nicht ersetzen, so die Jury.

ip/sk

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