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Sprachbar

Lügen

Kein Tag ohne Lüge. Gibt’s das? Ist "Guten Morgen!" schon gelogen? Muss nicht sein, ist es aber oft. Kleine und große Lügen sind unsere täglichen Begleiter. Nicht immer steckt eine böse Absicht dahinter.

Wären Lügen Lebewesen und hätten Beine, sie wären kurz. Das heißt, sie kämen nicht weit; würden schnell von der Wahrheit eingeholt. In Wirklichkeit sieht das mal wieder etwas anders aus. Obwohl, wie es im Märchen heißt, die Sonne alles an den Tag bringt, scheuen sich die Menschen nicht, zu lügen, was das Zeug hält. Oder – um es in beschönigender Sprache auszudrücken – "wissentlich die Unwahrheit zu sagen".

Was ist Lügen?

Lügen geht nur mit Sprache. Das kann gesprochene, gedruckte – "lügen wie gedruckt" – oder auch Gebärdensprache sein. Lüge ist nicht gleich Lüge. "Die kleinen Lügen straft der liebe Gott sofort", so heißt es zumindest im Volksmund. Bei den ganz großen und wirklich schlimmen Lügen wird es jedoch richtig ernst. Lüge kann beispielsweise Verleumdung bedeuten und ist strafbar. Ebenso die Lüge in Form einer bewussten Falschaussage vor Gericht. Ganz schlimm ist die Lüge unter dem geleisteten Eid, die Wahrheit zu sagen. Die gemeine und verbrecherische Lüge hat ausschließlich den eigenen Vorteil auf Kosten anderer zum Zweck. Diese Form der Lüge ist übrigens in allen Kulturen der Welt geächtet.

Geradezu harmlos sind dagegen die kleinen Alltagslügen. Wir alle haben sie in unserem Sprachrepertoire und machen häufig von ihnen Gebrauch. "Einen wunderschönen guten Morgen" wünschen wir dem Kollegen, den wir am liebsten auf den Mond schießen würden. Um des lieben Friedens willen und um den Abend nicht vollends zu verderben, knurren wir "Ja – Gut – Danke" auf die Frage des Kellners, ob es denn geschmeckt habe. Dabei war das Essen hundsmiserabel, aber der arme Kerl kann ja auch nichts dafür. Solche Lügen sind verzeihlich. Kommunikationswissenschaftler halten diese Art von "Soziallügen" sogar für notwendig. Mag sein. Zugegebenermaßen hätte ein "Na, Sie Fiesling auch schon wieder da?" als morgendliche Begrüßung im Büro möglicherweise fatale Folgen.

Auch bei Notlügen ist Vorsicht geboten

Die Notlüge "Du, ich muss wohl grade im Bad gewesen sein, als Du angerufen hast und mein Anrufbeantworter spinnt manchmal" ist grenzwertig. Sie kann durchaus ein schlechtes Gewissen machen. Beim Blick auf die Nummernanzeige – 'um Gottes willen, der schon wieder’ – fiel die Entscheidung, sich zu verleugnen. Also zu lügen. Das Lügen birgt Risiken. "Sich in Lügen verstricken", sich in einem "Lügengespinst" verheddern, sich "in Widersprüche verwickeln", in einem "Sumpf von Lügen versinken"; diese Ausdrücke veranschaulichen, wie der Lügner von Lüge zu Lüge Opfer seiner eigenen Strategie werden kann.

Da die Wahrheit der stärkste Gegner der Lüge ist, muss die Lüge selbst so geschickt konstruiert sein, dass sie die Gestalt verbrämter Wahrheit annimmt. Ihre Konstruktion muss plausibel und auch penibler Prüfung gewachsen sein. Gut lügen ist schwer. "Der beste Lügner ist der, der mit den wenigsten Lügen am längsten auskommt." Heißt es bei dem englischen Philosophen Samuel Butler. Denn: "Die Lüge ist wie ein Schneeball, je länger man sie wälzt, desto größer wird sie." Zu dieser Einschätzung kam jedenfalls Martin Luther.

Lügenparadiese

Nirgendwo, heißt es, würde so viel gelogen wie bei Beerdigungen. Getreu dem Grundsatz 'über die Toten nur Gutes’ wird auch das schlimmste Ekelpaket zum 'lieben Verstorbenen’, dem in vorzeitiger Verklärung Eigenschaften zuerkannt werden, von denen zu seinen Lebzeiten auch bei größtem Wohlwollen nichts zu bemerken war. Glaubt man dem ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck, so wird jedoch am meisten "vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd" gelogen. Dem schlimmsten Lügner, der abgefeimtesten Lügnerin muss jedoch das zugestanden werden, was der Dichter Oliver Hassencamp so formulierte: "Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht."

Fragen zum Text

Wie nennt man eine Lüge vor Gericht?

1. Eid

2. Falschaussage

3. Alltagslüge

Welche Form der Lüge ist in allen Kulturen der Welt geächtet?

1. die Lüge zum eigenen Vorteil

2. die Notlüge

3. die Soziallüge

Wer viel lügt, muss aufpassen, dass er sich nicht …

1. in Verleumdungen verhäkelt.

2. in Falschaussagen vernäht.

3. in Lügen verstrickt.

Arbeitsauftrag

Finden Sie, dass kleine Lügen erlaubt sind? In welcher Situation darf man lügen? Was ist Ihrer Meinung nach eine wirkliche Notlüge? Diskutieren Sie zu zweit über diese Fragen und denken Sie sich gemeinsam eine Situation aus, in der eine Lüge gerechtfertigt ist. Stellen Sie diese Situation anschließend im Kurs vor.

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