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Sport

Löw endlich am Ziel

Acht Jahre muss Joachim Löw auf seinen ersten Titel als Bundestrainer warten. In Brasilien gewinnt er mit seiner Elf gegen Argentinien. Damit endet für Löw ein langer Weg.

Ihm war die Erleichterung nach dem Schlusspfiff im berühmten Estadio do Maracana anzusehen. Joachim Löw ist am Ziel seiner Träume angekommen - endlich ein Titelgewinn mit der Nationalmannschaft! Voller Stolz und Genugtuung reckte der 54-Jährige den WM-Pokal in den Himmel von Rio de Janeiro. Sein 112. Spiel als Cheftrainer beim DFB ist die Krönung einer Reise, die er zusammen mit seinem Trainerstab vor acht Jahren begonnen hatte.

Löw überraschte, erneuerte, er wurde kritisiert und gelobt - seinen Mut verlor er jedoch nie. Er ging konsequent seinen Weg, ließ sich nur selten reinreden und verfolgte seine Ideen. Löw war maßgeblich an der Entwicklung der wohl besten deutschen Spieler, die das Land seit Jahren gesehen hat, beteiligt. Trotz des Erfolges ist noch nicht ganz klar, ob der Bundestrainer beim nächsten Turnier, der Europameisterschaft in zwei Jahren, auch Joachim Löw heißen wird.

Gute Punktquote - aber kein Titel

Sein Weg begann nach der Heim-WM 2006 in Deutschland. Löw übernahm als neuer Bundestrainer das Amt von Jürgen Klinsmann und erreichte in den folgenden Turnieren immer mindestens das Halbfinale: Bei der EM 2008 unterlag das Team im Finale Spanien, bei der WM in Südafrika 2010 war im Halbfinale erneut gegen Spanien Schluss. Am Ende wurde die DFB-Elf Dritter. Zwei Jahre später reichte ebenfalls "nur" zum dritten Platz. Erst in Brasilien schaffte deutsche Mannschaft den großen Wurf und gewann das erste Finale seit 1990 - wieder gegen Argentinien. Dabei ist dieser Erfolg nur die logische Konsequenz einer bemerkenswerten Gesamtbilanz: Löw holte in 112 Partien als Bundestrainer 77 Siege, 20 Unentschieden und 15 Niederlagen.

Der letzte Weltmeistertrainer Franz Beckenbauer (2.v.r.) holt 1990 den Titel in Italien. (Foto: dpa)

Der letzte Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer (2.v.r.) holt 1990 den Titel in Italien.

Zum Vergleich: Bundestrainer Sepp Herberger holte in 97 Spielen den Weltmeistertitel 1954, Helmut Schön wurde in 139 Spielen sogar Welt- und Europameister (1972 und 1974). Jupp Derwall brachte es in 67 Spielen zum Europameister-Trainer (1980), Franz Beckenbauer benötigte ein Spiel weniger, um letzter Trainer einer deutschen Weltmeister-Elf zu werden (1990) und Berti Vogts brachte in 102 Spielen immerhin einen Europameistertitel (1996) nach Deutschland. Mit dem Titelgewinn 2014 reiht sich Löw in die Reihe großer Trainer ein. Der 54-Jährige, der selbst zwar Profispieler, aber nie Nationalspieler war, konnte als Trainer bisher nur nationale Titel feiern: Mit dem VfB Stuttgart holte er 1997 den DFB-Pokal und mit dem FC Tirol Innsbruck wurde er 2002 österreichischer Meister.

Stilsicher in der Mode - nicht bei unbequemen Entscheidungen

Löw gilt als elegant, als stilsicher, als Fußballexperte und Konzept-Liebhaber. Er denkt lieber weit im Voraus statt spontan. Löw ist manchmal auch etwas unbequem, wenn auch unglücklich in der Außendarstellung seiner Entscheidungen. Michael Ballack, Torsten Frings und Kevin Kuranyi können ein Liedchen davon singen. Statt von Beginn an Klartext zu reden und die Spieler kurz und schmerzlos aus dem Kader zu befördern, saß Löw die Konflikte so lange aus, bis sie sich von selbst (z.B. durch Verletzungen) erledigten oder sie niemanden mehr interessierten.

Löw überrascht gerne

Mustafi wird unter Löw zum Nationalspieler. (Foto: Getty)

Mustafi wird unter Löw zum Nationalspieler, verletzt sich aber in der Achtelfinal-Partie gegen Algerien.

Ein Motivationskünstler ist er nicht, kein Brandredner wie Ex-Kollege und Vorgänger Klinsmann, mit dem er 2004 als Co-Trainer zur deutschen Nationalmannschaft stieß und den deutschen Fußball neu aufbaute: Junge, frische Spieler und eine offensive Spielweise prägten von nun an den deutschen Spielstil. Löw setzte in seinen bisher 112 Spielen 97 Spieler ein und verhalf 72 Spielern zu ihrem Nationalmannschafts-Debüt. Auch vor der WM in Brasilien überraschte er etwa mit der Nominierung Shkodran Mustafis. Als der gelernte Innenverteidiger im Achtelfinale gegen Algerien statt Philipp Lahm auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kam, brachte das dem Bundestrainer heftige Kritik ein. Später "korrigierte" er seine Entscheidung und auch seine taktische Ausrichtung. Lahm musste, nach Mustafis Verletzung, wieder in der Abwehr ran und in der Offensive vertraute Löw seinem einzig echten Stürmer Miroslav Klose.

In einem Punkt ließ er jedoch nicht mit sich reden: Der formschwache Mesut Özil bekam bei ihm bis zum Schluss eine Einsatzgarantie. "Diese Art der öffentlichen Kritik ist für mich genauso unverständlich wie jene an Philipp Lahm. Mesut Özil war 2010 und 2012 der überragende Spieler des Turniers. Das kann ich doch nicht einfach vergessen", sagte Löw in einem Interview. Zu seiner Zukunft wollte Löw sich bislang nicht äußern. Nach dem Finale verwies er jedoch noch einmal auf seinen vor der WM bis 2016 verlängerten Vertrag beim DFB. Gut möglich also, dass Löw nach dem WM-Titel jetzt auch noch den Europameisterpokal holen will.

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