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Sport

Löw-Bilanz nur bedingt aussagekräftig

Seit einem Jahr ist Joachim Löw Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft. Für seine makellose Bilanz wird er gefeiert. Gewonnen hat er noch nichts. Seine Feuertaufe kommt erst: Die EM 2008.

Grund zum Jubeln gab es für Joachim Löw oft in seinem ersten Jahr als Cheftrainer

Grund zum Jubeln gab es für Joachim Löw oft in seinem ersten Jahr als DFB-Cheftrainer

Vor einem Jahr kannten Fußballinteressierte Joachim Löw nur als taktischen Assistenten von Jürgen Klinsmann. "Jogi", wie er seit seiner Zeit als Straßenkicker genannt wird, war weder ein großer Spieler oder Trainer noch ein Medienstar, wie etwa seine Vorgänger Jürgen Klinsmann, Rudi Völler oder Franz Beckenbauer.

Am 12. Juli 2006, drei Tage nach dem WM-Finale, wurde Löw offiziell als Klinsmann-Nachfolger vorgestellt. Gut einen Monat später konnte er mit dem 3:0 gegen Schweden seinen ersten Sieg als Chefcoach landen. Auf die Bilanz seiner Debüt-Saison darf der Bundestrainer Löw stolz sein: Neun Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage bei 37:6 Toren. Die Qualifikation für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz ist mit 19 Punkten (fünf Zähler Vorsprung auf den Tabellenzweiten Tschechien) so gut wie gesichert.

Trainingspause: Kapitän Michael Ballack und der Bundestrainer

Trainingspause: Kapitän Michael Ballack und der Bundestrainer

In seinem ersten Amtsjahr bewies Löw Mut zur Erneuerung: 13 Spieler ließ er in der Nationalelf debütieren. Und er stellte Rekorde auf: Der 13:0-Sieg gegen San Marino war der höchste einer deutschen Nationalmannschaft in einer EM-Qualifikation.

Löw hat es zum Teil geschafft, die WM-Stimmung in Deutschland um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Mannschaft tritt oft selbstbewusster auf, als die, die er bei der Weltmeisterschaft zusammen mit Klinsmann betreut hat.

Dennoch scheint so manches Lob – oder Selbstlob – übertrieben. Löw selbst sagte kürzlich, die deutsche Elf befinde sich mittlerweile auf Augenhöhe mit großen Mannschaften wie Italien, Frankreich, Portugal oder England, "aber niemand sollte sagen, dass wir die Top-Mannschaft in Europa sind". Geschickt hat er hier ein bisschen Bescheidenheit eingebaut.

Höchster DFB-Sieg bei EM-Quali: Lukas Podolski traf gegen San Marino

Höchster DFB-Sieg bei EM-Quali: Lukas Podolski traf gegen San Marino

Denn auf dem Spielfeld ist nicht bewiesen, dass die DFB-Elf momentan in der Lage ist, Italiener, Franzosen, Portugiesen oder Engländer zu schlagen. Seit der WM hat sie kein einziges Spiel gegen diese Mannschaften bestritten.Gegner wie die Fußballzwerge San Marino, Georgien, Zypern oder die Schweiz sind nicht gerade eine hohe Messlatte. Andererseits hatte Deutschland in der Vergangenheit gerade gegen solche Mannschaften seine Probleme.

"Tempofußball allein reicht noch nicht"

Der überzeugende Sieg gegen die Tschechen in Prag (2:1) und die 40 Minuten Galafußball gegen die Slowakei in Bratislawa (4.1) waren die Höhepunkte der ersten Löw-Saison. Da zeigte das deutsche Team, was es kann.

In der ersten Halbzeit gegen San Marino in Nürnberg (6:0) hingegen war kaum etwas von "Spielkultur" zu sehen. Die DFB-Elf wurde zur Pause von den Fans ausgepfiffen, nicht nur weil diese vom 13:0 aus dem Hinspiel verwöhnt waren, sondern weil Löws Team kopflos gegen die Amateur-Wand aus San Marino lief. Auch der 2:1-Heimsieg gegen die Slowaken in Hamburg war alles andere als souverän. Mit der angeblichen Müdigkeit zum Ende der Saison ist das kaum zu erklären (die besten deutschen Fußballmannschaften haben maximal etwa 50 Pflichtspiele pro Saison).

Funktionierende Kommunikation: Co-Trainer Hansi Flick und Jogi Löw (rechts)

Funktionierende Kommunikation: Co-Trainer Hansi Flick und "Jogi" Löw (rechts)

Laufen die Deutschen vielleicht zu oft ins Leere? "Wir haben alles ausgewertet: Laufwege, Geschwindigkeit, Distanzen. Wir haben ermittelt, dass die Ballbesitz-Quote bei unseren Spielern zuletzt bei 1,9 Sekunden lag. Vor 15 Monaten lag die Spanne zwischen Ballannahme und Abspiel noch bei 2,8 Sekunden", so Löw. Tempofußball allein reicht noch nicht, er muss auch effektiv sein.

Und da hapert es noch bei den Deutschen, vor allem im Angriff, der momentan mit der Wackel-Abwehr vor der WM vergleichbar ist. Das 37:6-Torverhätnis täuscht, nicht nur weil mehr als die Hälfte der deutschen Treffer gegen San Marino fielen. Knapp die Hälfe der 37 Tore geht nicht auf das Konto der Stürmer. WM-Torschützenkönig Miroslav Klose hat Ladehemmung, wie lange das Kuranyi-Hoch anhält, ist fraglich.

Joachim Löw war der Cheftaktiker hinter Klinsmann und hat als Chefcoach diese Arbeit konsequent fortgesetzt. Für seinen bisherigen Erfolg musste er aber keine Bäume ausreißen. Die Gegner waren meist von kleinem Kaliber. Er ist auf einem guten Weg zu einer aussichtsreichen EM. Gewonnen hat er jedoch noch nichts.Deshalb spielt er auch Spekulationen über eine vorzeitige Verlängerung seines Vertrages mit dem DFB herunter. Löw weiß, im Trainergeschäft zählt nur eins: Titel gewinnen.

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