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Porträts Lehrerverbände

Lëtzebuerger Germaniste Verband (LGV)

Luxemburg ist ein dreisprachiges Land. Da muss ein Lehrer in einer Deutschstunde schon mal mehrsprachig erklären. Der Deutschlehrerverband unterstützt die Lehrer in ihrer Arbeit vor allem auf der fachlichen Ebene.

Alain Herman ist seit 2013 der Vorsitzende des luxemburgischen Deutschlehrer- und Germanistenverbands. Er feierte 2015 sein zehnjähriges Deutschlehrerjubiläum und unterrichtet Deutsch an einem Gymnasium.

Deutsche Welle: Herr Herman, in Luxemburg wird bereits ab der ersten Klasse Deutsch unterrichtet, weil es eine der drei Landessprachen ist. Eigentlich klingt das ja nach einem Paradies für einen Deutschlehrer. Ist das so?

Alain Herman: Mehr oder weniger. Viele Kinder sprechen kein Deutsch, wenn sie zu uns kommen. Die Kinder, die mit dem Luxemburgischen aufwachsen, beherrschen die deutsche Sprache zwar nicht, allerdings schauen sie sich in erster Linie deutsches Fernsehen an, das heißt, sie sind schon mit dem Deutschen etwas vertraut und haben dadurch weniger Probleme, das Deutsche recht schnell zu erlernen. Allerdings sind zum Beispiel 17 Prozent der Bevölkerung portugiesischsprachige Bürger und sieben Prozent französischsprachige Bürger. 46 Prozent der Bevölkerung in Luxemburg kommt aus dem Ausland. Die haben dann größere Probleme mit dem Deutschen. Die Probleme tun sich also schon im ersten Schuljahr auf.

Und dann unterrichten Sie auch noch gleich vier Sprachen: Deutsch, Luxemburgisch, Französisch und Englisch. Kommen die Kinder da öfter mal durcheinander?

Audio anhören 00:26

Hören Sie rein: Alain Herman (l.) erzählt, was ihm am Unterrichten besonders Spaß macht

Auf jeden Fall, der Sprachenunterricht ist immer schwierig zu managen. Es gibt da viele Probleme, auch was die Niveauunterschiede anbelangt. Ein Luxemburger beherrscht zum Beispiel recht gut das Deutsche, aber hat dann vielleicht Ausdrucksschwierigkeiten im Französischen. Und bei den Kindern portugiesischer Eltern ist das genau umgekehrt. Deren Stärke liegt dann öfters im Französischen und die Schwächen im Deutschen.

Dann müssen Sie als Lehrer auch immer ein bisschen jonglieren können und sehr spontan sein?

Ja, ab und zu muss man als Deutschlehrer einem Schüler aus Belgien oder Frankreich einen Aspekt in französischer Sprache erklären. Einem anderen dann aber in luxemburgischer Sprache.

Das klingt nach einer großen Herausforderung.

Das ist eine sehr große Herausforderung. Bislang ist noch keine Ideallösung gefunden worden. Das führt unter anderem dazu, dass viele Kinder aus portugiesischen Arbeiterfamilien nach der Grundschule in die Hauptschule oder in eine Realschulklasse geschickt werden. Die Aufstiegschancen durch Bildung sind also sehr gering. Es gab eine ganze Reihe von Regierungen, die sich bereits an diesem Problem versucht haben, aber bislang gibt es leider noch keine Lösung.

Was tun Sie als Deutschlehrerverband in Bezug auf diese Problematik?

Der Vorstand des luxemburgischen Deutschlehrerverband

Der Vorstand des luxemburgischen Deutschlehrerverbands (von links): Luc Hornbeck, Josiane Hoffmann, Alain Herman, Michelle Strecker, Wilhelm Amann. Es fehlt: Fabienne Scheer

Da wir als Verband vor allem mit den Gymnasiallehrern arbeiten, konzentrieren wir uns in erster Linie auf das Fachliche und Didaktische und bieten in diesem Bereich Seminare für unsere Mitglieder an.

Da es innerhalb des luxemburgischen Fortbildungssystems eine ganze Reihe von rein pädagogischen Fortbildungen gibt, besteht da ein Überangebot. Aus diesem Grund erwarten die Deutschlehrer von uns, dass wir uns auf das Fachliche konzentrieren, also auf Seminare zur Sprachgeschichte und zur Literaturgeschichte beispielsweise.

Gibt es eine Veranstaltung von Ihrem Verband, bei der Sie sagen, die ist besonders wichtig?

Höhepunkte unseres Verbandsjahres sind die Fortbildungsseminare und Vorträge im Herbst und im Frühjahr. Außerdem arbeiten wir auch jedes Jahr am Jahresfest, bei dem es dann fachliche und didaktische Beiträge gibt.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der luxemburgische Deutschlehrer- und Germanistenverband (Lëtzebuerger Germaniste Verband, LGV) vertritt nicht nur Deutschlehrer, sondern ist auch offen für andere Berufe, die sich mit der deutschen Sprache beschäftigen, wie zum Beispiel Journalisten oder Übersetzer. Der Verband wurde 1988 gegründet und hat 223 Mitglieder.

Vorstandsgremium:
• Alain Herman (Präsident)
• Dr. Wilhelm Amann (Vizepräsident)
• Michelle Strecker (Kassiererin)
• Luc Hornbeck (Sekretär)
• Josiane Hoffmann (Website, Facebook)
• Fabienne Scheer (Presse)

IDV-Kontaktperson: Alain Herman; vorsitzender [at] lgv.lu; vorstand [at] lgv.lu

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