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Nationalsozialismus

Läuten "für's Vaterland"

Eine Kirchenglocke hängt 82 Jahre lang im Kirchturm von Herxheim am Berg. Das war kein Problem - bis jetzt: Das Dorf streitet über die historische Glocke, die aus dem beschaulichen Ort eine Nazi-Kultstätte machen könnte.

Seit Jahrzehnten läutet die Kirchenglocke im rheinland-pfälzischen Herxheim am Berg. Die Enthüllung, dass die Glocke ein Nazi-Relikt ist, bereitet einigen in der Region Unbehagen. Auf der Bronzeglocke, die seit über 80 Jahren täglich alle Viertelstunde läutet, ist ein Hakenkreuz geprägt und dazu die Aufschrift: "Alles für's Vaterland - Adolf Hitler".

Auf der Homepage der Stadt Herxheim finden sich zahlreiche Informationen zu der Kirche Sankt Jakob - von ihrer Grundsteinlegung im Jahr 1014 bis zu ihrem tausendjährigen Jubiläum 2014. Ein Eintrag besagt, dass im August 1934 der Dorfschullehrer die Kirche anzündete und dass im Dezember des gleichen Jahres drei neue Glocken im Kirchturm aufgehängt wurden. Die "Hitler-Glocke" war eine davon. Der Eintrag jedoch enthält keine Hinweise zu dem Hakenkreuz und der Aufschrift. 

Bronzeglocke mit Hakenkreuz (Foto: picture alliance/dpa/U.Anspach)

Hinter den Steinmauern verbirgt sich die "Hitler-Glocke"

Viele Hochzeitspaare ahnen nichts

Die frühere Organistin der Kirchengemeinde, Sigrid Peters, erfuhr erst kürzlich von der Aufschrift auf der Glocke und fordert seitdem, dass sie sofort aus dem Kirchenturm entfernt werden soll. "Es geht nicht, dass ein Täufling getauft wird, und da läutet die Glocke mit der Aufschrift 'Alles für's Vaterland'", sagte die 73-Jährige der Nachrichtenagentur DPA. Auch ist sie erbost darüber, dass viele Paare aus Rheinland-Pfalz sich extra in dieser pittoresken Kirche trauen lassen, "und die wissen es alle nicht". Man dürfe sie nicht an der Nase herumführen, so Peters.

"Die Glocke war vorher kein Problem"

Der Bürgermeister der Gemeinde Herxheim am Berg, Ronald Becker, sagte der Deutschen Welle, dass die Existenz der Glocke, die den Namen von Adolf Hitler trägt, unter den Dorfbewohnern allgemein bekannt sei. Mit knappen Worten reagierte Becker auf die Frage, ob die Glocke problematisch sei. "Die Glocke war vorher kein Problem und es wird auch in Zukunft kein Problem geben", sagte er. Der seit drei Jahren amtierende Bürgermeister fügte hinzu, die Glocke sei ein historisches Relikt, das wichtig sei, um die Geschichte, die sie umgibt, zu verstehen und zu respektieren.

Ortsbürgermeister Ronald Becker aus Herxheim am Berg (Foto: picture alliance/dpa/U.Anspach)

Becker: Die Glocke ist ein historisches Relikt und soll bleiben

Auch lehnt der Bürgermeister Lösungsvorschläge ab, die Glocke als Mahnmal des Zweiten Weltkriegs zu klassifizieren oder eine Gedenktafel aufzustellen, die Besucher über die Existenz der Nazi-Inschrift informieren könnte. Gegenüber der DW äußerte er, er wolle nicht, dass Herxheim am Berg eine Kultstätte werde, wo Menschen, meist mit rechter Gesinnung, die Kirche aus "falschen Gründen" besichtigen würden.

Seitdem die Glocke nicht mehr der Kirche gehört, sondern der Gemeinde Herxheim am Berg, werden die politisch Verantwortlichen letztlich über die Zukunft der Glocke entscheiden. Und Becker sieht keinen Grund, sie aus dem steinernen Kirchenturm zu entfernen. "Ich habe den Rückhalt in der Gemeinde", erklärt er und fügt hinzu, dass die knapp 800 Dorfbewohner ihn unterstützen. "Die ist in dem Kirchenturm verborgen, und das wird auch so bleiben."

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