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Europa

Länger arbeiten, weniger Geld bekommen

In Griechenland will die Regierung die Menschen bis 65 arbeiten lassen - die angestrebte Rentenreform soll den Haushalt entlasten. Aber im Land regt sich Widerstand.

Portemonnaie mit wenigen Münzen (Foto: Bilderbox)

Die Griechen spüren die Krise

Es ist leer in der kleinen Taverne von Herrn Nikos in Piräus. Die Gäste bekommen hier einen kleinen Imbiss: Sardinen, ein wenig Salat und ausgebackene Teigtaschen. Für 2,50 Euro. Das ist nicht viel, doch nur noch wenige können es sich leisten. "Selbst am Zahltag kommt kaum jemand, denn von ihren Löhnen begleichen die Leute Rechnungen und Schulden - und dann ist schon Schluss." Auch Nikos selbst leidet unter der Krise in Griechenland. Sein Umsatz ist in den vergangenen Monaten um gut 30 Prozent zurückgegangen - und am Donnerstag (01.07.2010) wurde die Mehrwertsteuer wieder um zwei Prozent erhöht.

Sparen an allen Ecken

Beim Streik werden Flugblätter verteilt (Foto: AP)

Zwei Streiks in zwei Wochen

Nikos übt sich im Sparen: In sein Wochenendhäuschen fährt er kaum noch - wegen der Benzinkosten. Einen Kaffee an der Hafenpromenade gemeinsam mit seiner Frau leistet er sich bestenfalls einmal in der Woche. Vielen seiner Kunden geht es nicht besser. "Die meisten, die hier sitzen, arbeiten bestenfalls tageweise. Sie haben kein Geld." Auch der knapp 30-jährige Savvas wäre nicht hier, wenn er Arbeit hätte. Vier Monate lang hat der Schiffsmechaniker eine Anstellung gesucht, jetzt hat er etwas für den Sommer in Aussicht. Dass die Leute streiken, kann er gut verstehen. "Die Politiker haben das Land geplündert. Sollen wir das einfach so hinnehmen? Wo doch die Krise allenthalben sichtbar ist? Ich habe Freunde mit Universitätsstudium und allem, und sie finden ums Verrecken keine Arbeit. Die meisten überlegen auszuwandern. Was sollen sie sonst tun?"

Der Schaden, den die Sparmaßnahmen anrichten, lasse sich nicht so leicht wieder beheben, sagt Nikos. Manche Menschen verdienen nur noch 25 Euro am Tag und illegale Büros vermitteln Hafenarbeiter nach Libyen. "Ich möchte gern wissen: Könnten die Damen und Herren Parlamentarier von dem Geld leben, von dem wir leben? Sollen sie es doch einfach mal einen Monat lang versuchen. Und dann können sie reden. Wo sie auch noch unsere Renten kürzen wollen. 1000 Euro bekommt mein Mann, wer soll davon leben, bei diesen Preisen?", fragt eine Rentnerin am Nebentisch.

Harte Zeiten für Rentner?

Griechisches Parlament von innen (Foto: AP)

Die Abgeordneten haben es in der Hand: Reformen oder nicht

Die Rentenreform ist die erste große Kraftprobe, die die sozialistische Regierung bestehen muss. Sie sieht unter anderem eine Kürzung der Renten, eine Anhebung des Rentenalters für alle Griechen auf 65 Jahre sowie eine Erhöhung der Beitragsjahre von 37 auf 40 vor. Am Donnerstag (08.07.2010) findet bereits der sechste Generalstreik in diesem Jahr statt. An diesem Tag stimmt das Parlament über die Reform ab. Auch innerhalb der Regierungspartei herrscht Unfriede angesichts der Maßnahmen, die das Wahlprogramm der Sozialisten konterkarieren. Premier Giorgos Papandreou hat Fraktionszwang verordnet und droht damit, Abweichlern aus der Partei auszuschließen. Selbst von vorgezogenen Neuwahlen ist die Rede - eine Option, die die Wirtschaftsprüfer vom Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank erschaudern lässt.

Indes stehen zehntausende Unternehmen in Griechenland vor dem Konkurs. Für den Herbst wird eine Pleitewelle befürchtet. Nikos setzt eine Olive auf einen kleinen Teller mit Tsatsiki. Seit über 80 Jahren ist die Taverne in Besitz seiner Familie. Er habe gute und schlechte Zeiten gesehen, sagt er. Aber nie so schlechte Zeiten wie diese.

Autorin: Alkyone Karamanolis
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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