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Deutschland

KZ-Arzt Aribert Heim angeblich schon lange tot

Der meistgesuchte NS-Verbrecher Aribert Heim ist nach Informationen der "New York Times" und des ZDF schon lange tot. Der frühere KZ-Arzt soll bereits am 10. August 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben sein.

Aribert Heim: Der meistgesuchte NS-Verbrecher

Aribert Heim: Der meistgesuchte NS-Verbrecher

Das ergaben gemeinsame Recherchen der beiden Medien, erklärte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen am Mittwoch (04.02.2009). Aribert Heim, der auch als "Dr. Tod" bezeichnet wurde, war zuletzt in Südamerika vermutet worden. Auch die zuständigen Ermittler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg halten die Recherchen für glaubwürdig. Die jüngsten Erkenntnissen deckten sich mit den eigenen Ermittlungen. Das sagte ein Sprecher der Behörde in Stuttgart. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum, das bis heute nach NS-Tätern sucht, äußerte sich in einer ersten Reaktion zurückhaltend: Zwar sei es gut möglich, dass Heim vor 16 Jahren in Kairo gestorben sei, sagte Efraim Zuroff, der Direktor des Zentrums in Jerusalem. Doch die Dokumente müssten von Experten begutachtet werden. Wenn die Recherchen wahr seien, hätte die deutsche Polizei wichtige Hinweise auf Heims Helfer.

Skrupelloser KZ-Arzt

Heim galt als extrem grausam. Augenzeugen berichteten, er habe aus der gegerbten Haut eines Opfers einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten herstellen lassen. Er arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern (KZ) Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). Ihm wird unter anderem vorgeworfen, in Mauthausen hunderte Häftlinge mit tödlichen Injektionen auch direkt ins Herz umgebracht zu haben. Der 1914 geborene Österreicher praktizierte nach dem Krieg in Baden-Baden als Frauenarzt und ist seit 1962 auf der Flucht. Gegen ihn besteht ein internationaler Haftbefehl. Das Wiesenthal-Zentrum hatte in Anzeigen in Südamerika unter Hinweis auf eine Belohnung von 315.000 Euro um Hinweise gebeten.

315.000 Euro Belohnug: Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, mit einem Fahndungsaufruf nach Heim

315.000 Euro Belohnug: Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, mit einem Fahndungsaufruf nach Heim

Nach Informationen des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) war Heim zu seiner Tarnung Anfang der 1980er Jahre zum Islam konvertiert und trug seitdem den Namen Tarek Farid Hussein. Das ZDF habe eine Aktentasche von Heim gefunden, in der sich mehr als 100 Dokumente befanden. Darunter seien die Kopie eines ägyptischen Passes, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen, Kontoauszüge, persönliche Briefe und medizinische Unterlagen gewesen. Danach lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass Hussein der gesuchte Nazi-Verbrecher war.

Sohn bestätigt die Angaben

Die Recherchen würden auch von zahlreichen Zeugen bestätigt, unter ihnen der Sohn des Gesuchten, der derzeit in Baden-Baden lebe. "Ja, mein Vater hat in Kairo gelebt", sagte der Sohn in einem ZDF-Interview. Er habe seinen Vater Mitte der 1970er Jahre erstmals in Kairo besucht und auch nach einer Krebsoperation Anfang 1990 über mehrere Monate gepflegt. Die Diagnose sei "nicht heilbar" gewesen. "Anschließend gab es dann eine Chemo- und eine Strahlentherapie." 1992 sei Aribert Heim gestorben, so der Sohn. "Am Tag nach dem Ende der Olympiade, am 10. August frühmorgens, ist er eingeschlafen", wurde Rüdiger Heim zitiert. Er habe seinen Vater auch mit den Vorwürfen konfrontiert, die er von sich gewiesen habe. Ägyptische Freunde, Bekannte und auch der Arzt des NS-Verbrechers wussten laut ZDF nichts von dessen Vergangenheit.

Laut der US-Zeitung "New York Times" sei Heim in Kairo regelmäßig in die Al-Azhar-Moschee gegangen, habe gerne in einem Kairoer Café Schokoladenkuchen gekauft und an Freunde schicken lassen und habe gern Süßigkeiten an die Kinder seiner Freunde verteilt. Der Hobby-Fotograf habe aber es tunlichst vermieden, fotografiert zu werden, berichtete das Blatt am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe.

Endgültige Sicherheit bringen erst DNA-Tests

Blick auf die Zitadelle von Kairo: Die ägyptische Hauptstadt soll dem NS-Verbrecher Heim jahrelang als Unterschlupf gedient haben

Die ägyptische Hauptstadt Kairo soll dem NS-Verbrecher Heim jahrelang als Unterschlupf gedient haben

"Oberflächlich betrachtet scheinen die Angaben seriös zu sein", sagte Efraim Zuroff vom Wiesenthal-Zentrum am Mittwoch. Doch die wichtigsten Beweise fehlten: "Es gibt keine Leiche und keine DNA-Tests", erklärte Zuroff in Tel Aviv. "Da es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die daran interessiert sind, uns davon zu überzeugen, dass Heim nicht mehr lebt, müssen wir auf solche Informationen mit etwas Skepsis und Vorsicht reagieren."

Heim, nach dem seit 1962 gefahndet worden war, wurde in ganz unterschiedlichen Ländern vermutet. So wurden unter anderem Dänemark und Spanien genannt. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass er von dort nach Südamerika entkommen sei, hieß es. Das Wiesenthal-Zentrum hatte Heim zuletzt entweder in Argentinien oder Chile vermutet. Jahre zuvor war er angeblich auch in Uruguay gesichtet worden. Noch 2008 war Zuroff im Rahmen der Operation "Letzte Möglichkeit" in den Süden Argentiniens und Chiles gereist, um nach Hinweisen auf Heim zu suchen. Dabei führte er im argentinischen Bariloche und in Puerto Montt im benachbarten Chile Gespräche. Anschließend schloss er nicht aus, dass der Gesuchte, der heute 94 wäre, noch am Leben sein könnte. Auf der Liste der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher stand Heim an erster Stelle. (fg)