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Politik

Kyoto-Protokoll - ein Anfang, keine Lösung

90 Tage nach der Ratifizierung durch die Russische Föderation tritt das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz in Kraft. Doch die vereinbarte Senkung der Treibhausgase um fünf Prozent reicht nicht aus: Nötig wären 50 Prozent.

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Nicht gut fürs Klima: Kühltürme in Moskau

Rund um den Erdball, von Kanada über Deutschland bis nach Japan, wird am Mittwoch (16.2.2005) mit Veranstaltungen das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls gefeiert. Der 16. Februar gilt bereits als Meilenstein im globalen Umwelt- und Klimaschutz. Zum einen haben sich zahlreiche Industriestaaten verpflichtet, bis 2012 fünf Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als noch 1990. Zum anderen führt das Protokoll marktwirtschaftliche Instrumente in den Klimaschutz ein.

Verschmutzung hat einen Preis bekommen

Der im Protokoll vorgesehene weltweite Emissionshandel wird dafür sorgen, dass Verschmutzung einen Preis bekommt. Zum anderen sorgt die Möglichkeit, Emissionen - also Verschmutzungen - auch mit Projekten in Entwicklungsländern einzusparen, dafür, dass man Kohlendioxid dort reduzieren kann, wo es volkswirtschaftlich gesehen am günstigsten ist.

Welche Dynamik diese marktwirtschaftlichen Komponenten entfalten können, zeigt der europaweite Emissionshandel, den die Europäische Union Anfang 2005 gestartet hat. Hierbei müssen Firmen, die mehr Treibhausgase in die Luft blasen als erlaubt, Verschmutzungsrechte von anderen Unternehmen nachkaufen. Im Gegenzug können Unternehmen, die mehr sparen als vorgeschrieben, ihre überschüssigen Rechte verkaufen und damit zu Geld machen.

Temperaturanstieg in vollem Gange

Bei aller Freude über das Inkrafttreten des Kyoto-Abkommmens und des Endes einer jahrelangen politischen Zitterpartie bleibt das Protokoll jedoch nur ein Anfang auf dem Weg zu einem wirklichen Klimaschutz. Der Anstieg der Temperaturen ist nicht mehr zu verhindern - er ist bereits in vollem Gange. Dazu haben die Menschen in den vergangenen 200 Jahren zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen.

Doch viele Wissenschaftler hoffen darauf, dass es noch gelingen wird, den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Für empfindliche Ökosysteme wie zahlreiche Korallenriffe oder für tief liegende Inselstaaten wie die Malediven, Tuvalu oder die Cook Islands ist dies jedoch eventuell schon zu warm. Aber wenn der Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad begrenzt wird, können extreme Schäden wie ein Abschmelzen der Polkappen oder die Umkehr des Golfstromes höchstwahrscheinlich vermieden werden. Dazu müsste die Menschheit aber bis Mitte des Jahrhunderts ihre Emissionen halbieren.

Emissionen steigen statt zu sinken

Das Fünfprozentziel des Kyoto-Protokolls kann bei einer nötigen Reduktion von 50 Prozent nur ein kleiner Anfang sein. Zumal viele Staaten bisher nicht einmal die von Kyoto vorgegebenen Ziele einhalten. So sind in Spanien, Portugal und Irland die Emissionen um 30 bis 40 Prozent gestiegen.

Wenn das Kyoto-Protokoll nicht am Anfang stehen bleiben soll, dann sind in seiner zweiten Phase ab 2012 drei drängende Herausforderungen zu lösen: Erstens muss man den größten Klimasünder der Welt, die USA, ins Boot holen. Die Amerikaner verursachen ein Viertel der weltweiten Emissionen. Wer da wie die Regierung von George W. Bush den Klimawandel ignoriert, handelt verantwortungslos.

Schwellenländer einbeziehen

Zweitens müssen aber auch Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien zukünftig zur Reduktion von Emissionen verpflichtet werden. Zwar sind die Emissionen dort pro Kopf noch deutlich geringer als im Norden der Erdkugel, aber auf die Dauer kann es ohne die Länder des Südens keinen wirksamen Klimaschutz geben.

Drittens und letztens muss der bisher im Kyoto-Abkommen ausgeklammerte internationale Schiffs- und Flugverkehr in das Protokoll eingebunden werden. So drohen alleine die Emissionen aus dem wachsenden Luftverkehr das Kyoto-Einsparziel von fünf Prozent zu Nichte zu machen. Die Regierungen der Welt täten also gut daran, sich nicht zu lange mit den Feiern aufzuhalten und sich möglichst bald an die nächsten Schritte auf dem langen Weg zum Klimaschutz zu machen.

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