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Kuss

Zur Begrüßung, zur Versöhnung oder zur Karnevalszeit – küssen kann man sich zu jedem Anlass. Aber ein Kuss ist nicht gleich ein Kuss. Da gibt es große qualitative Unterschiede, egal wohin man geküsst wird.

Zwar ist er an keine Jahreszeit gebunden, aber in der gerade zu Ende gegangenen so genannten ‚Fünften Jahreszeit’ erfreute er sich zumindest in der Öffentlichkeit allergrößter Beliebtheit. Die Rede ist vom Kuss und der Karnevalszeit. Zu Abertausenden regnete es Handküsse von den Wagen der Fastnachtsumzüge auf die jubelnde Menge, geküsst wurde während der Prunk- und Fremdensitzungen, in den Kneipen, auf der Straße, kurz – überall.

Nicht nur an Karneval!

Nun wird selbst in der Karnevalshochburg Köln nicht mehr so viel und öffentlich ‚gebützt’. Das kölsche Wort für küssen ist ‚bützen’ und der Kuss ist ein ‚Bützche’. Ein kleiner Kuss. Ein Küsschen auf die Wange, fröhlich, ausgelassen, nicht von größerer Bedeutung.

Ebenso nebensächlich wenn auch von anderer Bedeutung sind die Bussis der nach ihnen benannten ‚Bussi-Gesellschaft.’ Sie werden von meist sehr wichtigen und sehr schönen an ebensolche Menschen vorzugsweise dann verteilt, wenn es weniger wichtige und schöne Menschen mitbekommen. Ein Bussi rechts auf die Backe, eins links, und schon ist man strahlender Laune und unter sich.

Ein Kuss zur Versöhnung

Diese Sitte, sich mit kleinen Küssen auf die Wangen zu begrüßen, stammt eigentlich aus Frankreich und wird von allen Französinnen und Franzosen gepflegt, aber ihr Ursprung liegt woanders. Der Begrüßungskuss und der Versöhnungskuss sind aus den östlichen und arabischen Ländern zu uns gekommen. Poetisch ausgedrückt: Aus dem Morgenland. Schon vor langer Zeit ist dieser Kuss auch im Abendland zu einem feierlichen Ritual geworden, besonders der Versöhnungskuss.

Auch in der bildenden Kunst und der Literatur hat er seinen Platz gefunden. "So besiegelt den erneuten Bund mit einem brüderlichen Kuss, und mögen die Winde das Gesprochene verwehen" heißt es in Schillers Tragödie ‚Die Jungfrau von Orléans’. Der Begrüßungskuss unter guten Freunden, der meist mit herzlicher Umarmung ausgetauscht wird, fand seine politische Entsprechung im Begrüßungsritual der ehedem sozialistischen und kommunistischen Staats- und Regierungschefs. Auf den Rollfeldern der Flughäfen schritten sie aufeinander zu und gaben sich das, was einmal sozialistischer Bruderkuss hieß. Apropos Flughäfen: Bei seinen Auslandsreisen pflegt Papst Johannes Paul II. unmittelbar nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug den Boden zu küssen. Zeichen der Ehrerbietung an das Gastland.

Von Hand- und Fußküssen

Auch im Fußkuss wird dem Geküssten Ehre erwiesen, ja er ist auch Geste der Unterwerfung. Bis heute werden den Kirchenfürsten, den Königinnen und Königen die Füße geküsst. Und wem man im Sinne der redensartlichen Wendung unserer Umgangssprache "die Füße küssen könnte", dem oder der ist man überaus dankbar, freut sich und findet sie oder ihn außerdem über die Maßen sympathisch. Natürlich könnte und kann man auch jemandem die Füße küssen, um anderes zum Ausdruck zu bringen. Zärtlichkeit. Liebe. Leidenschaft.

Aber bleiben wir noch einen Augenblick in ruhigeren Gefilden und gehen wir von den Füßen hinauf zum Handkuss. Es gibt ihn in unterschiedlichen Formen. Nicht unbedingt mit Liebe hat der Handkuss zu tun, der möglichst elegant und mit gekonnter Verbeugung einer Dame auf die Hand platziert wird. Es gibt auch jene Variante die darin besteht, dass der Herr flink, sanft und unwiderstehlich die Hand der Dame dreht, so dass sein Kuss auf die Innenfläche der Hand kommt. Die Art, wie solche Dreistigkeit – von allen anderen unbemerkt - von den Damen quittiert wurde, entschied darüber, ob die Herren von weiteren und anderen Küssen träumen durften oder nicht.

"Küss die Hand"

Wie auch immer, am Spanischen Hof wurde die Sitte des Handkusses, des ‚besamanos’, ganz besonders gepflegt und dann von den österreichischen Habsburgern übernommen. Neben den richtigen Handkuss ist die längst zur Formel erstarrte Wendung "Küss die Hand" getreten. So sagt man halt und denkt sich nichts dabei.

Ja, und dann gibt es noch die Kusshand, auf die man den Kuss haucht und durch Pusten symbolisch weitergibt, weil der Mensch, dem der Kuss gilt, eben nicht richtig und wirklich geküsst werden kann. ‚Etwas oder auch jemanden mit Kusshand nehmen’ bedeutet jedoch nicht mehr und nicht weniger als ihn, sie oder es, sehr bereitwillig, sehr gerne zu nehmen.

Der perfekte Kuss

Ach ja, was ist er der Kuss, was kann er sein. "Der Kuss", hat einmal jemand gesagt, "der Kuss ist der Ausdruck eines Eindrucks durch Aufdruck mit Nachdruck." Oder etwas sinnlicher und der Sache angemessener: "Der Kuss ist eine Sache, für die man beide Hände braucht." So soll es Mark Twain formuliert haben und mit Sicherheit war damit kein ‚Bützche’ gemeint.


Fragen zum Text

Wenn man in der Karnevalszeit in Köln gebützt wird, dann wird man...
1. geküsst.
2. geschlagen.
3. umarmt.

Woher stammt die Sitte sich mit kleinen Küssen auf die Wangen zu begrüßen?
1. aus Bayern
2. aus Japan
3. aus Frankreich

Wenn man jemandem die Füße küssen könnte,...
1. ist man verzweifelt und würde alles für jemanden tun.
2. ist man überaus dankbar und freut sich.
3. ist man verliebt.


Arbeitsauftrag
An Karneval wird in Köln geküsst, der Papst küsst den Flughafenboden, am Hofe küsst man die Hand – zu welchem Anlass wird in Ihrem Heimatland geküsst? Halten Sie Ihrer Klasse einen kurzen Vortrag darüber.

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