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Studieren in Deutschland

Kuscheln mit der Campus Cat

Sie streunt auf dem Gelände der Uni Augsburg herum, nimmt gnädig Streicheleinheiten entgegen und hat sich längst in alle Herzen geschnurrt. Und natürlich hat Campus Cat auch eine eigene Facebook-Seite.

"So ne süße Miauz, du bist ja kuschelsüchtig." Oder: "Coolster Typ von der ganzen Uni – lässt sich ständig von den Frauen tragen und streicheln." An solche Kommentare hat sich Campus Cat längst gewöhnt. Über 5000 Fans hat der rot getigerte Kater im sozialen Netzwerk bereits - mehr als die Universität Augsburg. Gern drückt er den Studenten bei Klausuren die Pfoten, outet sich als Fan des FC Augsburg oder wirbt für ein Benefizkonzert.  

Streicheln gegen Stress

Am liebsten aber lässt er sich streicheln. So lernte Campus Cat im Sommer 2011 auch Akilnathan Logeswaran kennen. Von weitem hatte der Betriebswirtschaftsstudent den roten Tiger schon oft gesehen, als aber die Prüfungsphase anstand, lag die Katze beinahe täglich auf dem Holzsteg vor der Bibliothek und ließ sich bereitwillig von jedem kraulen. "Das wurde fast schon Routine und hat jedem ein bisschen den Stress genommen", lacht Logeswaran.

Instinktiv leistet Campus Cat also, was Wissenschaftler längt wissen: Tierestreicheln hilft gegen Prüfungsstress. Im kanadischen Halifax standen Studenten an der Dalhousie-Universität kürzlich sogar Schlange, um in einem "Puppy Room" junge Hunde knuddeln zu dürfen – und wollten gar nicht mehr damit aufhören. Die dreitägige Aktion wollte darauf aufmerksam machen, dass Studenten zunehmend an Depressionen und Ängsten leiden.

Ein Kater im Netz

Akilnathan Logeswaran, der Facebook-Sekretär der Campus Cat Copyright: Akilnathan Logeswaran

Akilnathan Logeswaran, der Facebook-Sekretär der Campus Cat

Auf dem idyllischen Augsburger Uni-Gelände geht man das gemächlicher an. Im Juli 2012 baute Akilnathan Logeswaran der Campus Cat eine eigene Facebookseite und engagierte sich selbst als ihren Sekretär. Auf leisen Sohlen tapst der Kater seitdem nicht nur in natura über den Campus, sondern auch virtuell durchs Netz. Zahlreiche Fotos zeigen die Samtpfote auf dem Schoß von Studenten, zwischen Ordnern oder auf dem Sofa im Fachschaftsraum. Die Internet-Gemeinde kümmert sich um ihr Tier. 

Akilnathan verdient übrigens keinen Cent an der Facebook-Seite. In der Tat sei es ein sehr zeitraubendes Hobby, sagt er. Es gab sogar schon Übernahme- und Kaufangebote, aber die hat er kategorisch abgelehnt: "Ich will den Studierenden und der Uni eine Freude damit machen."

Die meisten Augsburger Studierenden kennen Campus Cat mittlerweile, er darf fast alle Fakultäten betreten, und es gab auch schon Freundschaftsanfragen von prominenten Artgenossen. Kater Sammy zum Beispiel ist das Maskottchen der Uni Konstanz, und auch aus Bayreuth hat ein Uni-Kater bei Facebook Interesse angemeldet. Sammy ist mittlerweile sogar auf einer eigenen Homepage und Postkarten zu bewundern, doch dem steht man in Augsburg eher skeptisch gegenüber. "Unsere Campus Cat weiß gar nichts von ihrem Glück, so bekannt zu sein", sagt die Pressesprecherin der Universität Anke Michaelis. "Sie ist ein viel geliebtes Tier, und wir wollen ihre Freiheit nicht beschneiden."

die Campus Cat wird von einer Studentin gestreichelt Copyright: Betül Yeter

Gibt es was Schöneres als Schmusen ?

Zu viel Promi-Rummel kann nämlich ganz schön lästig sein, dabei liegt Campus Cat doch am liebsten in der Sonne. Auf ein bestimmtes Studienfach hat er sich noch nicht festgelegt; mal treibt er sich schnurrend bei den Juristen rum, dann leistet er Sozialpädagogen beim Büffeln Gesellschaft. "Augsburg ist eine typische Pendleruni", sagt Akilnathan Logeswaran. "Da kommt nicht unbedingt ein Heimatgefühl auf. Aber ein eigener Kater auf dem Gelände ändert das ein bisschen."

Angst vor den Tierfängern

Dabei ist Campus Cat kein herrenloser Streuner; er hat eine liebevolle Besitzerin, die im Univiertel lebt. Kürzlich hat Akilnathan das erste Mal mit ihr telefoniert und ist demnächst zu Kaffee und Kuchen eingeladen. "Sie mag die Facebookseite", freut sich der der 24-Jährige. Von ihr weiß er auch, dass der Kater ein Italiener im besten Mannesalter ist. Und vielleicht erfährt Akilnathan jetzt sogar Campus Cats richtigen Namen. Angst habe die Besitzerin nur davor, dass ihr Kater von Tierfängern geschnappt werde, sagt er. "Die treiben hier schon mal ihr Unwesen."

Campus Cat belagert auf der Wiese einen Studenten mit Essen Copyright: Alexander Ronert

Es müssen nicht immer nur Mäuse sein

So herrschte erst letztens große Aufregung, als Campus Cat sich einige Tage lang nicht blicken ließ. Doch bald konnte der Katzenvater Entwarnung geben. Das Tier hatte sich einfach einen neuen Lieblingsort ausgesucht, wo es sich die Sonne auf den Pelz brennen ließ.

Noch weiß der Kater übrigens nichts davon, dass sein Facebook-Sekretär bald die Stellung kündigen wird, denn Akilnathan Logeswaran ist bald fertig mit dem Studium. Aber Campus Cat muss sich keine Sorgen machen, eine Stellenausschreibung läuft.