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Politik

Kurt Waldheim ist tot

Kurt Waldheim zählte zu den umstrittensten Persönlichkeiten der österreichischen Politik. Mit seinem Namen ist eine der schwersten politischen Krisen in der Nachkriegsgeschichte Österreichs verbunden.

Kurt Waldheim, Foto. AP

Kurt Waldheim ist tot

Kurt Waldheim verstarb am Donnerstag (14.6.) im Kreis seiner Familie. Bereits Ende Mai war er mit einem fiebrigen Infekt ins Krankenhaus eingeliefert worden und hatte dort zeitweilig auf der Intensivstation gelegen.

Mit Kurt Waldheim ist eine der schwersten politischen Krisen in der Nachkriegsgeschichte Österreichs verbunden. Als Generalsekretär der Vereinten Nationen gewann er zwar zunächst internationales Ansehen. Als Bundespräsident aber manövrierte der ehemalige Offizier der deutschen Wehrmacht sich und sein Land wegen seines vergesslichen Umgangs mit der eigenen Vergangenheit allerdings in die jahrelange Isolation.

Kurt Waldheim bei der Wehrmacht (Archiv), Foto: AP

Welche Rolle spielte Waldheim bei den Nazis?


Waldheim wurde als Sohn eines Lehrers am 21. Dezember 1918 in Niederösterreich geboren. Er studierte Jura und absolvierte eine Diplomatenausbildung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zur Wehrmacht eingezogen und diente als Offizier zuerst in Russland und später auf dem Balkan. 1945 trat er in den Auswärtigen Dienst ein und war unter anderem UN-Botschafter Österreichs.

Wenig Ergebnisse

1971 wurde er von der konservativen Volkspartei (ÖVP) für die Bundespräsidentenwahl nominiert. Waldheim verlor zwar, gewann aber im selben Jahr als Nachfolger U Thants das Amt des UN-Generalsekretärs. Während seiner zwei Amtszeiten (1972 bis 1981) war er wiederholt als Vermittler bei internationalen Konflikten vor allem in Zypern, Südafrika, Namibia und dem Naher Osten aktiv.

Nach eigenem Bekunden legte Waldheim in seiner Amtszeit seinen Schwerpunkt auf die Herstellung enger persönlicher Kontakte zu den führenden Politikern der Mitgliedsstaaten - eine wesentliche Voraussetzung für seine angestrebte "stille, präventive Diplomatie". Greifbare Ergebnisse erzielte er damit allerdings nicht, oftmals war ihm auch vorgeworfen worden, als UN-Generalsekretär in die Rolle eines "fügsamen Vollstreckers des Mehrheitswillens" geraten zu sein. Sein Wunsch nach einer dritten Amtszeit als UN-Generalsekretär scheiterte dann am Veto Chinas.

NS-Vergangenheit

Kurt Waldheim im UN-Sicherheitsrat (links oben), Foto: AP

Waldheim und Arafat bei der UN


Nachdem die ÖVP ihn 1985 erneut als Präsidentschaftskandidat aufgestellt hatte, löste eine Veröffentlichung im Magazin "profil" eine weit über Österreich hinausgreifende Diskussion über Waldheims Rolle im Zweiten Weltkrieg aus: So wurde seine Mitgliedschaft in der Reiter-SA und eine angebliche Beteiligung, mindestens aber eine Mitwisserschaft bei den Deportationen von Juden auf den Balkan lanciert, was vor allem die jüdischen Organisationen in den USA zum Anlass für Angriffe auf Waldheim nahmen.

Waldheim-Äußerungen wie "Ich kann mich nicht erinnern" oder "Ich habe nur meine Pflicht getan" gossen weiter Öl ins Feuer. Weite Teile des politischen Österreichs stellten sich jedoch hinter ihn und mit dem Slogan "Jetzt erst recht" gewann er die "Protest-Wahl" im Juni 1986.

Isloation Österreichs

Doch auch nach seinem Amtsantritt ging die internationale Diskussion um seine NS-Vergangenheit weiter und belastete die bilateralen Beziehungen Österreichs. Waldheims Amtseinsetzung blieben die Botschafter der USA, der Sowjetunion und Israels fern, und aus Amerika wurde die Aberkennung seiner Pension als UNO-Generalsekretär gefordert. Im April 1987 setzten die USA Waldheim auf ihre "Watchlist", was einem Einreiseverbot gleichkam.

Schließlich kam 1988 eine unabhängige internationale Historikerkommission zu dem Ergebnis, dass Waldheim nicht persönlich in Kriegsverbrechen verwickelt, jedoch ein gut informierter und an zentraler Stelle postierter Mann gewesen sei. Er habe deshalb in einigen Fällen von Handlungen und Maßnahmen gewusst, die im "Widerspruch zum Kriegsrecht und zu den Grundsätzen der Menschlichkeit standen". In keinem Fall habe er "gegen zweifellos erkanntes Unrecht Einspruch erhoben, Protest geführt oder Gegenmaßnahmen getroffen".

Der Jüdischen Weltkongresses (WJC), der ihn als "Teil und Rädchen der Nazi-Tötungsmaschinerie" bezeichnet hatte stellte daraufhin seine Kampagne ein und auch der 'Spiegel' entschuldigte sich im Oktober 1988 wegen des unbeweisbaren Vorwurfs, Waldheim sei "Mittäter an Kriegsverbrechen" gewesen.

Einsamer Mann in der Hofburg

Kurt Waldheim bei Saddam Hussein, Foto: AP

Umstritten: Waldheim bei Saddam Hussein 1990


Trotzdem blieb Waldheim auf dem diplomatischen Parkett ein Außenseiter. Kein Staat von Rang, auch nicht Deutschland oder die Schweiz, luden Waldheim zu einem Besuch ein oder sandten hochrangige Vertreter in offizieller Mission zu ihm. Er blieb der "einsame Mann in der Hofburg". Umstritten war auch sein Besuch bei Irak-Präsident Saddam Hussein im August 1990, der zur Freigabe von 97 österreichischen Geiseln während der Golfkrise führte, aber auch den Vorwurf unsolidarischen Verhaltens nährte.

1991 verzichtete Waldheim auf eine erneute Kandidatur. In späteren Interviews räumte er ein "vielleicht zu wenig Mitgefühl für die Opfer des Nationalsozialismus gezeigt zu haben" zeigte sich aber auch zugleich "schockiert und zutiefst getroffen", als "Nazi abgestempelt zu werden". 1996 legte Waldheim unter dem Titel "Die Antwort" die Bilanz seiner Amtszeit als Bundespräsident vor, ohne darin wirklich Klarheit über seine Vergangenheit zu schaffen. Nach Meinung des Salzburger Historikers Ernst Hanisch hatte die "Waldheim-Affäre" den österreichischen "Staatsmythos", Hitlers erstes Opfer gewesen zu sein, "zerstört". (ina)

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