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Wirtschaft

Kurseinbrüche

Der Deutsche Aktienindex (DAX) büßte zuletzt fast vier Prozent oder 171 Punkte auf 4196 ein. Am Neuen Markt sackten die Kurse noch schärfer nach unten und drückten den Nemax 50 um fast fünf Prozent auf 562 Punkte.

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Rücktritt:
Vivendi-Chef Jean-Marie Messier

Nach schwachen Vorgaben von den US-Börsen sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Dienstag auf breiter Front eingebrochen. Vor allem Technologiewerte gerieten massiv unter Verkaufsdruck, nachdem die Wall Street erneut deutliche Kursverluste registrierte. Zudem haben angebliche Bilanz-Manipulationen beim französischen Medienkonzern Vivendi die europäischen Aktienmärkte schwer belastet. Diese Spekulationen führten zu Panikverkäufen der Aktie. Die Pariser Börse setzte den Handel mit Vivendi-Universal-Aktien aus, nachdem das Papier um 34 Prozent auf 15,70 Euro gefallen war.

"Ganz Europa spricht darüber, dass Vivendi seine Bilanzen manipuliert hat", sagten Aktienhändler. Der Markt stecke in einer richtigen Vertrauenskrise. Es gebe momentan keinen Grund, warum die Investoren noch Aktien kaufen sollten. In den vergangenen Wochen hatte unter anderem das US- Telekomunternehmen WorldCom mit Fehlbuchungen in Milliardenhöhe weltweit die Börsen geschockt.

Die Bilanz-Skandale weiteten sich zu einem tief greifenden Vertrauensverlust aus, sagten Analysten. Dies werde den Markt weiter schädigen und könne sich durchaus noch ein Jahr hinziehen. Es werde nun ständig die Frage gestellt, wer der nächste Kandidat mit Bilanzmanipulationen ist.

Der Aktienkurs des hoch verschuldeten französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal hatte ihre Tauchfahrt begonnen, nachdem eine Bonitäts-Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's bekannt wurde. Moody's hatte bereits am Montagabend ihre Einstufung der vorrangig gesicherten Schuldtitel des Unternehmens auf den Status 'Junk' ('Ramsch') gesenkt, womit die Anleihen als hoch riskant bewertet werden. Es sei zu bezweifeln, dass das Unternehmen seine Schulden reduzieren könne, hieß es zur Begründung. Die Verbindlichkeiten von Vivendi Universal belaufen sich auf etwa 19 Milliarden Euro.

Zudem berichtet die französische Tageszeitung 'Le Monde' in ihrer Online-Ausgabe, der zurückgetretene Vivendi-Chef Jean-Marie Messier verlange als Abfindung 12 Millionen Euro. Messier wolle auch eine Vereinbarung über die 25 Millionen US-Dollar erzielen, die der Konzern ihm geliehen habe.

Vivendi Universal ist nach AOL/Time Warner der weltweit größte Medienkonzern mit Hollywood-Studios, Fernseh-Sendern und Verlagsgruppen. Zu dem transatlantischen Konzern gehören die zu den größten europäischen Abonnentensendern zählende Gruppe Canal+ sowie in der Telefonbranche die Festnetz-Firma Cégétel und der Mobilfunkanbieter SFR. Die einstige Kernsparte ist die Wasserversorgung, die heute als Vivendi Environnement geführt wird. Als 1996 Jean-Marie Messier an die Spitze des Konzerns rückte, baute er den trägen Wasserlieferanten Compagnie Générale des Eaux umfassend und durch milliardenschwere Übernahmen zu einem Imperium mit etwa 380.000 Beschäftigten aus, das in die Weltspitze der Medien und Telekommunikation aufrückte.

Ein wichtiger Schritt auf dem weg zum Weltkonzern war die Fusion mit der kanadischen Seagram-Gruppe zum neuen Mischkonzern Vivendi Universal. Seagram steuerte die weltgrößte Musikfirma Universal Music Group und das Hollywoodstudio Universal bei. Erst im vergangenen Jahr kam für etwa elf Milliarden Euro die Film- und Fernsehsparte US- Networks hinzu. Zugleich musste Vivendi Universal 2001 durch Rekordabschreibungen den höchsten Verlust ausweisen, den jemals ein Unternehmen in Frankreich verbucht hatte: minus 13,6 Milliarden Euro bei einem Jahresumsatz von rund 57 Milliarden Euro. Messier häufte in seiner Amtszeit 19 Milliarden Euro Schulden auf. Insgesamt hat der Konzern etwa 35 Milliarden Euro Schulden.

Zurück nach Frankfurt: Hier wurde die Umlaufrendite unverändert mit 4,78 Prozent festgestellt.

Die Schlusskurse im DAX wie immer in Euro und ohne Gewähr:

adidas-Salomon 81,50 (- 1,00)

Allianz 188,00 (- 12,00)

BASF 45,65 (- 0,75)

Bayer 31,85 (- 0,70)

HypoVereinsbank 31,39 (- 1,31)

BMW 40,10 (- 1,05)

Commerzbank 14,99 (- 0,36)

DaimlerChrysler 46,61 (- 1,77)

Degussa 36,25 (+ 0,29)

Deutsche Bank 67,35 (- 3,58)

Deutsche Post 12,49 (- 0,26)

Deutsche Telekom 9,53 (- 0,63)

E.ON AG 57,83 (- 1,42)

EPCOS 31,42 (- 1,68)

Fresenius Med. Care 46,30 (- 0,95)

Henkel 68,76 (- 1,44)

Infineon Techno 14,47 (- 1,02)

Linde 50,80 (+ 0,15)

Lufthansa 14,03 (- 0,05)

MAN 20,65 (- 0,55)

Metro 30,00 (- 1,57)

MLP 29,80 (- 1,55)

Münchener Rück 224,00 (- 12,81)

TUI AG 23,75 (- 1,06)

RWE 39,10 (- 1,12)

SAP 91,11 (- 4,48)

Schering 60,40 (- 0,81)

Siemens 57,44 (- 3,06)

ThyssenKrupp 15,01 (- 0,51)

VW 46,70 (- 1,80)

Ausgewählte Devisennotierungen aufgrund der Referenzkurse der Europäischen Zentralbank - danach kostete der Euro:

US-Dollar 0,9838

Brit. Pfund 0,6432

Schw. Franken 1,4663

und jap. Yen 118,51

  • Datum 02.07.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2SUa
  • Datum 02.07.2002
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