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Wirtschaft

Kurscrash bei Yahoo nach dem geplatzten Microsoft-Deal

Das Scheitern der Übernahme durch Microsoft trifft Yahoo empflindlich: Der Internet-Konzern erlebte ein Börsendebakel und Yahoo-Chef Yang wird von seinen Aktionären heftig kritisiert.

Yahoo-Logo (Archiv, Quelle: DPA)

Der Internetriese wird doch nicht von Microsoft geschluckt

Der in die Kritik geratene Yahoo-Chef Jerry Yang sucht nun mit Hochdruck nach neuen Bündnispartnern wie dem Suchmaschinen-Riesen Google, um für mehr Wachstum zu sorgen. Unter Zugzwang ist aber auch Microsoft: Konzernchef Steve Ballmer will den Softwareriesen auch im Internet zur Nummer eins machen und braucht dafür nach seinem Misserfolg rasch vorzeigbare Ergebnisse. Statt Yahoo nimmt er laut Experten für Übernahmen nun das Internet-Portal AOL und kleinere Web-Firmen ins Visier.

Yahoo-Chef Jerry Yang (Januar 2008, Quelle: AP)

In der Kritik: Yahoo-Chef Jerry Yang

Die Yahoo-Aktie brach am Montag (05.05.2008) zum US-Handelsstart um fast 20 Prozent auf knapp über 23 Dollar ein. Mehrere Banken senkten bereits ihre Einstufungen des Yahoo-Papiers. Am Freitag hatte die Aktie noch bei 28,67 Dollar geschlossen. Doch am Wochenende hatte Yahoo dem Software-Konzern trotz einer Aufbesserung des Kaufangebots eine Abfuhr erteilt. Die Microsoft-Aktie profitierte dagegen von der Absage des Geschäfts, das die bei weitem teuerste Übernahme der Konzerngeschichte gewesen wäre. Der Titel gewann gut 2,5 Prozent auf rund 30 Dollar.

Deal-Plus wieder abgeschmolzen

Scott Kessler vom Investmenthaus Standard & Poor's sagte, auf Yang liege jetzt der Druck, Ergebnisse und Shareholder Value zu liefern. Kessler und andere Analysten erklärten, die Aktie von Yahoo dürfte am Montag einen Großteil der jüngsten Gewinne wieder abgeben. "Es dürfte eine Weile dauern, bis die Aktie wieder da ist, wo sie am Freitag stand", meinte Kessler. In Frankfurt gab die Yahoo-Aktie am Montag bereits kräftig nach. Bis zum Nachmittag büßte das Papier über 16 Prozent auf 16,34 Euro (25,23 Dollar) ein.

Zu wenig für Yahoo

Am Wochenende war der Deal überraschend geplatzt – das Microsoft-Angebot reichte den Yahoo-Managern nicht. Zuletzt hatte Microsoft 33 Dollar je Aktie, also insgesamt 47,5 Milliarden Dollar für die Übernahme geboten. Nach persönlichen Gesprächen zwischen Microsoft-Chef Steve Ballmer und Yang wurde dann doch nichts aus dem Geschäft. Der Yahoo-Verwaltungsrat forderte nach Informationen aus Firmenkreisen 37 oder 38 Dollar pro Aktie - das wären mindestens 53 Milliarden Dollar. Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock bezeichnete das Microsoft-Angebot als zu niedrig. "Wir konzentrieren uns weiter auf einen größtmöglichen Shareholder-Value. Wir verfolgen strategische Chancen, die Yahoo auf Erfolgskurs und in eine führende Marktposition bringen."

Microsoft-Chef Ballmer (Archiv, Quelle: AP)

Hat Yahoo zu wenig geboten: Microsoft-Chef Ballmer

Das Angebot hätte für Yahoo-Aktionäre immerhin einen Gewinn von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Kurs vor der Offerte Ende Januar bedeutet. Großinvestoren äußerten bereits massive Verärgerung über die Yahoo-Führung. Eine Zustimmung wichtiger Anteilseigner zu einem Kaufpreis von etwa 35 Dollar wäre gut möglich gewesen, deutete der zweitgrößte Yahoo-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Legg Mason, in einem Interview der "New York Times" an. Sollten die Proteste bis zur in den nächsten Monaten anstehenden Hauptversammlung vehement zunehmen, könnte Yahoo am Ende laut Analysten doch noch zu einem Geschäft mit Microsoft gezwungen werden.

Kein feindliches Übernahmeangebot

Die Rücknahme des Kaufangebots kommt für Marktbeobachter überraschend, viele hatten eine feindliche Übernahme von Microsoft erwartet. Das bedeutet, dass Microsoft so viele Yahoo-Aktien gekauft hätte, bis es eine Mehrheit erzielt und damit eine Basis erreicht hätte, um die Führungsgremien des Unternehmens auszutauschen. Ballmer begründete den Verzicht darauf damit, dass Yahoo bereits Kontakt mit Internet-Marktführer Google über eine mögliche Zusammenarbeit aufgenommen habe. "Unsere Diskussionen mit Ihnen haben uns zu dem Schluss geführt, dass Sie in der Zwischenzeit Schritte unternommen haben, die eine Übernahme unerwünscht machen würden", schrieb Ballmer an Yang.

Microsoft wollte Yahoo übernehmen, um seine Position auf dem Markt der Internetwerbung im Wettbewerb mit Google zu verbessern. Ballmer sagte, Microsoft werde seine Strategie jetzt mit dem eigenen Team und anderen Partnern vorantreiben. "Yahoo hätte unsere Strategie zwar beschleunigt, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns unseren Zielen nähern werden". (mg)

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